Zela Margossian 5tet – Remedy
Z
self-production
Aufgewachsen in Beirut als Tochter armenischer Eltern, waren ihre Kindheitsjahre geprägt vom Konflikt und der politischen Instabilität der Region – Themen, mit denen sie sich später in ihrer Musik auseinandersetzte. Mit Anfang zwanzig zog Margossian nach Eriwan in Armenien, um am Komitas-Konservatorium klassisches Klavier zu studieren. Doch erst nach dem Unterricht, in den örtlichen Jazzclubs, wo sie Künstlern wie Arto Tunçboyacıyan und Vahagn and the Cats lauschte, wurde ihre Liebe zum Jazz entfacht. Ein Umzug nach Australien einige Jahre später veranlasste sie zu dem mutigen Schritt, sich vollständig von ihren klassischen Wurzeln zu lösen und unter ihren Jazzkollegen Anerkennung als namhafte Komponistin und Improvisatorin zu finden.
Das 2017 gegründete Zela Margossian Quintet (ZMQ) besteht aus renommierten, vielseitigen Musikern: Stuart Vandegraaff (Holzblasinstrumente), Jacques Emery (Kontrabass), Adem Yilmaz (Percussion) und Alexander Inman-Hislop (Schlagzeug). „The Road“ ist Margossians mit Spannung erwartetes zweites Album, das die reichhaltigen instrumentalen Texturen, den unverwechselbaren kompositorischen Stil sowie die narrative und thematische Tiefe verspricht, für die Margossian bekannt ist.
Mit „Im Flug“ (In Flight) beginnt das aktuelle Album: Wiederkehrendes Klaviermotiv, Rasseln, sonore Stimmen, sanftes Gebläse – das hören wir zu Beginn. Danach entwickelt sich eine durchaus bestimmende Stimme des Klaviers mit steten Motiven und einem Gebläse, das als zweite Stimme anzusehen ist. Dynamik entwickelt sich im Verlauf. Dabei keimen Vorstellungen von slawischen Tänzen auf, oder? Durchdringend erhebt der Altsaxofonist seine Stimme. Auch dem Bassisten wird Raum gegeben, um schnelles Saitenspiel zu zeigen. Und weiter geht es im Flug oder auch flugs. Dabei breitet die Pianistin einen Klangteppich aus. Zudem hört man von ihr auch energiegeladene Tastensetzungen. Spielt sie dabei nicht auch einen Tanz, der auf dem Balkan ebenso bekannt ist wie in Armenien? Redundanzen greifen ineinander, lösen sich auf. Und gegen Ende stimmt dann auch der Altsaxofonist ins Thema des Stücks ein.
Weiter geht es mit „Indifferent World“: Die Intro gehört der Pianistin, die Tastensprünge inszeniert und zugleich im Diskant kleine Klangstrudel entstehen lässt. Fellgewische des Schlagzeugers dringt an unser Ohr. Zudem hören wir den Saxofonisten mit seiner Weichzeichnung. Lyrisch kann man das nennen, was er spielt. Spielt er Sopran-Saxofon oder gar Trompete? Nein, der Trompeter Phil Slater ist zu hören, der dem Quartett noch eine zusätzliche Klangfärbung hinzufügt.
Nach dem sehr dynamischen „Waves Unveiled“ mit ein wenig orientalischem Duktus - man denke dabei auch an „Rondo alla Turca“, oder? - und „What if“, das uns in den Harmonien an „Liberetto“ von Lars Danielsson denken lässt - hören wir „Free Kicks - for Ruben“. Doch noch einmal zurück zu „What if“ und dem Bass-Solo, das sich an irischem Folk zu orientieren scheint und fließenden, kaskadierenden Pianosetzungen, die ein wenig Polka verheißen. Hochgenuss ist das Saxofonsolo – Alt- oder Sopran, das ist die Frage. Schließlich hat dieses Stück auch eine gewisse Note klassischer Musik, kein Wunder, bedenkt man die Karriere der Pianistin! Jetzt aber zu „Free Kicks – for Ruben“. Stimmen dringen an unser Ohr. Was gesagt wird, bleibt rätselhaft. Dazu vernehmen wir das perlende und kaskadierende Tastenspiel der Pianistin. Die Melodie zerfließt, fließt dahin, ganz im Sinne von „Panta rei“. Zugleich meint man, das Stück könne aus einem Musical stammen. Es ist beschwingt und leicht, auch wenn der Saxofonist die melodischen Linien zeichnet.
„Kintsugi“ macht mit Gitarrenklängen auf, die an „Friday Nights in San Francisco“ anglehnt erscheinen. Danach setzt die Pianistin die melodischen Linien, durchbrochen von dem Klang einer Wölbzither, Santur bzw. Gitarre. Doch wer ist der Gitarrist? Als Gast ist Damian Wright zu hören. Insgesamt hat man den Eindruck, dass die Pianistin in dieses Stück ein wenig Flamenco eingewoben hat. Das hörenswerte, vielfarbige Album endet mit dem kurzen Track „Remedy - A Song of Joy“.
© ferdinand dupuis-panther 2026
BANDCAMP
Musicians
Zela Margossian Quintet:
Zela Margossian – piano
Stuart Vandegraaff – alto saxophone
Adem Yilmaz – percussion
Jacques Emery – double bass
Alexander Inman-Hislop – drums
Featuring:
Phil Slater – trumpet on “Indifferent World”
Jenny Eriksson – electric viola da gamba on “What If”
Virna Sanzone – vocals on “How I Wish”
Damian Wright – flamenco guitar on “Kintsugi”
Tracks
1.In Flight 07:56
2.Indifferent World 04:00
3.Waves Unveiled 04:094.
4.What If 06:15
5.Free Kicks - for Ruben 04:04
6.How I Wish 04:21
7.Kintsugi 08:03
8.Repentance 04:51
9.Clarity 03:23
10.Remedy - A Song of Joy 01:44
All songs composed by Zela Margossian
Review "Transition"
















