Van Oost-Verbiest-Vermandel Trio - Peek-A-Boo with Mister M

Van Oost-Verbiest-Vermandel Trio - Peek-A-Boo with Mister M

V

self production

Auf einen Schlagzeuger wird bei diesem Trio verzichtet. Rony Verbiest spielt Baritonsaxofon – wie einst Gerry Mulligan – und Klarinette, Hans Van Oost Gitarre und Mario Vermandel Bass. Sie haben überwiegend Kompositionen von Rony Verbiest eingespielt, so „Gerry“ - eine Hommage an Gerry Mulligan -, „Ben“ - eine tiefe Verneigung vor Ben Webster -, „Mister M“ sowie „Decided“ und „Walking“. Hans Van Oost steuerte „Peek-A-Boo“ zum Album bei. Zudem hören wir Klassiker des Jazz wie Victor Youngs „My Foolish Heart“ und „I Could Write a Book“ von Rogers and Hart.

Eigentlich ist der in Zelzate beheimatete Rony Verbiest auch ein hervorragender Akkordeonist und im Musette sehr bewandert, aber auf diese Klangnote muss der Hörer des aktuellen Albums verzichten. Verbiest studierte an den Konservatorien von Gent und Brüssel, und zwar Saxofon sowie Schlagzeug. Zudem widmet er sich dort auch dem Studium der Kammermusik. Während seiner Studienzeit erhielt er ein Engagement bei der Koninklijke Kapel van de Luchtmacht en de Koninklijke Militaire Kapel van de Gidsen. Doch auch die Jazzwelt ließ ihn nicht los. Zudem war er ein fester musikalischer Begleiter des Brüsseler Chansonniers Johan Verminnen.

Bereits bei den ersten Takten des Albums fühlt man sich musikalisch in die 1950er Jahre kapituliert, lauscht man einem weich schnurrenden Baritonsaxofon in „Gerry“. Beinahe unhörbar ist der Bassist des Trios. Die fließenden Linien des Stücks werden von Rony Verbiest mit seinem tieftönigen Holzbläser dominiert. Dem Gitarristen fällt ähnlich wie dem Bassisten eine Nebenrolle zu, die sich auf die rhythmischen Akzentuierungen fokussiert. Wüsste man es nicht, könnte man auch denken, dass Verbiest eine Bassklarinette spielt. Wir vergegenwärtigen uns dabei des Saxofonspiels von Paul Desmond, bei dem man stets an einen Klarinettenklang erinnert wurde. In einem eingestreuten Solo kann sich auch Hans Van Oost ein wenig frei spielen. Doch dann liegt das musikalische Thema wieder in Verbiests Händen. Erst ganz zum Schluss meldet sich für einen Moment auch der Bassist vordergründig zu Wort.

Baritonsaxofonist war Ben Webster nicht, sondern Tenorsaxofonist. Dennoch hat Verbiest ihm einen sehr getragen erscheinenden Song gewidmet. Weich fließend sind die Linien, die gespielt werden. Es scheint so, als gleiche diese Musik der, die in der Prä-Bebop-Zeit nach Mitternacht für Tanzpaare in der einen oder anderen Bar in Downtown New York erklang – Jahrzehnte ist es her. Dabei schwingt auch eine sanfte Bluesnote mit, in die auch Hans Van Oost mit seiner Gitarre einschwenkt.

In einem ähnlichen Klangschema bewegt sich das nachfolgende „Mister M.“. Mit seinem Gitarrensolo, das wir hören, scheint der Gitarrist an die Granden des Gitarren-Jazz, Joe Pass und Jim Hall, anzuknüpfen. Stets steht das Melodische im Vordergrund. Und auf den Gitarristen folgt dann der Bassist mit einem verhaltenen Solo, das kaum wahrnehmbar ist. Dann heißt es zurück zum Thema und zu Rony Verbiest. Dieser wechselt sich in den Phrasierungen nachfolgend mit dem Bassisten und Gitarristen ab.

Als Balladenhaft ist „I'm In The Mood For Love (comp Jimmy McHugh) anzusehen. Entstanden ist diese Komposition mit dem Text im Jahr 1935. Auch Louis Armstrong hat diesen Song interpretiert, in dem es heißt: „I'm in the mood for love / Simply because you're near me. /Funny, but when you're near me /I'm in the mood for love.“ Kein Wunder also, dass bei diesem Liebeslied auch eine gewisse Sentimentalität nicht von der Hand zu weisen ist. Etwas flotter im Tempo kommt „Decided“ daher. Statt des Saxofons spielt Verbiest nun Klarinette, jedoch ohne in den Swing eines Benny Goodmans abzugleiten. Sehr rhythmisch und auch verspielt-melodisch geht Hans Van Oost zu Werke. Für die Erdung sorgt der Bassist mit stoisch gesetzten Klangmodulen. Übrigens, hier und da ist der Höreindruck von der Klarinette so, dass man auch an Sopransaxofon denken könnte und sich dabei an so manch einen gespielten Song von Sydney Bechet erinnert, u. a. „Petite Fleur“.

Bei „Peek-A-Boo“ erklingt die samtene Klarinette ein wenig wehmütig. Beinahe transluzent erscheinen die Gitarrenpassagen, die dem Komponisten des Titels, Hans Van Oost, zu verdanken sind. Bei „My One And Only Love“ denkt der eine oder andere an Frank Sinatra, der 1953 den Song zu seinem gemacht hat. Ein jazzgeschichtlicher Meilenstein wurde die Aufnahme des Songs von John Coltrane und Johnny Hartman aus dem Jahr 1962. Rony Verbiest verschafft uns mit diesem Stück eine weitere sanfte Klangbrise mit dem Baritonsaxofon. Zum Schluss erklingt dann ein weiterer Klassiker: „My Foolish Heart“ (comp Victor Young). Damit ist die musikalische Zeitreise in eine Ära des Jazz vorüber, die heute nahezu vergessen wäre, gäbe es nicht Jazzer wie Rony Verbiest.

© fdp


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