Bop Explosion – Waltz For Serena

Bop Explosion – Waltz For Serena

B

Alessa Records

Nein, kein Experiment, sondern Jazz klassischer Prägung, mit Leidenschaft vorgetragen, ist das, was das vorliegende Album ausmacht. Nun geht es ja im Jazz nicht unbedingt darum das Rad neu zu erfinden, sondern Tradition zu erhalten, zu pflegen und fortzuführen. Abwertend wird dann häufig der Begriff Mainstream zu hören sein. Das Wiener Quintett Bop Explosion überzeugt auf dem Album mit ihren Bop-Arrangements und schert sich nicht um eine derartige Etikettierung.

Bandleader und Pianist Gerhard Schramke und seine großartig aufspielende Band, bestehend aus Johannes Probst (Trompete), Dusan Novakov (Schlagzeug), Márton Papp (Saxophon), Uli Langthaler (Bass) und Special Guest Andi Steirer (Percussion), lassen uns in ein Bop-Feuerwerk eintauchen.

Zum Album äußert sich Gerhard Schramke wie folgt: „...We have included 6 compositions of mine, with a wide variety of styles and moods. The title tune Waltz for Serena is dedicated to the stunning cover model, my beloved wife. Blues for Allan, how could it be else, was written for my musical mentor Allan Praskin. Little Town shows a different direction, as I was thinking about a special symbiosis between horns and percussion. With Tin Tin Deo and Lover Man we added Afro Cuban moods and one of the most beautiful ballads to complete this album.“

Auch wenn mit dem Bebop die Swing-Ära mit Charleston und Lindy-Hop der Vergangenheit angehören, so merkt man doch bei „Blues for Allan“ ein wenig Swing, auch im Solo des Saxofonisten Marton Papp und des Trompeters Johannes Probst. Auch bei dem Klaviersolo kommen Erinnerungen an Szenen aus dem Film The Fabulous Baxter Brothers (Short 1998) auf, oder? Selten genug in Aufnahmen gibt es auch Raum für ein umfängliches Bass-Solo. Zwiesprache führen Drummer und Perkussionist, ehe die Bläser erneut das Thema in den Fokus rücken. Nach dieser Aufnahme aus der Feder von Gerhard Schramke folgt „Tin Tin Deo“ mit Latin Flair. Das Parkett ruft zum Hüftschwung, nicht erst, wenn der Saxofonist das Thema phrasiert. Weich gezeichnet ist das Trompetensolo, das an unser Ohr dringt. Frisch wird die Erinnerungen an Dizzy Gillespie, Walter Gil Fuller und Luciano "Chano" Pozo geweckt, denen diese Komposition zu verdanken ist. Und auch in diesem Stück gibt es beim Klaviersolo einen Hauch von Swing zu spüren, auch dank der Rhythmik, die der Drummer beisteuert. Ausserdem ist Conga-Perkussion Teil des Arrangements. Ole und oye, oye.
Verlassen wir den Afro-Cuban-Jazz und widmen uns „Little Town“, wie die meisten Kompositionen des Albums aus der Feder von Gerhard Schramke. Perkussives ist kurz zu Beginn auszumachen, ehe dann das Gebläse für den vollen Klang und die Klangfärbung sorgt. Eher getragen ist das Tempo; hier und da scheint Big-Band-Sound durch. Wie zuvor ist das Ensemble kein Monolith, sondern gibt Räume für Solos frei, so auch für den Trompeter, der das Thema paraphrasiert. Beinahe glockenhelle Tastenkaskaden sind überdies kurz zu vernehmen.

Könnte man auf „Strong Minority“ nicht sogar einen Charleston tanzen, obgleich doch mit dem Bebop Tanzen verpönt war? Jedenfalls scheint das der Rhythmus nahe zu legen. Mitreißend ist das Solo des Saxofonisten und der Trompeter steht dem in nichts nach.

Wie bereits oben angeführt ist „Waltz for Serena“ eine Ode an das Cover Girl des Albums, die Ehefrau des Pianisten von Bop Explosion. Als Ballade mit lyrischer Ausführung kommt das Stück daher. Irgendwie muss man auch an Waltz for Debbie denken, oder? Eine Note Musical ist in dem Stück eingeschlossen, so der Höreindruck. Nach dem Walzer für Serena besteigen wir dann die „Bebop Airlines“: Sobald im flotten Tempo die Bläser den „musikalischen Steuerjoystick“ in den Händen halten, meinen wir gar Hard-Bop-Sound sei gegenwärtig. Zugleich denkt man auch an die Granden aus vergangenen Tagen wie Dexter Gordon, Freddy Hubbard und andere. Reggae-Rhythmen sind ja nicht unbedingt Bop, aber eine Abwechslung. So genießen wir „Road Reggae“. Erneut lädt die Musik dazu ein, nicht ruhig auf dem Stuhl zu sitzen, auch wenn das Bass-Solo beeindruckend ist und die Tiefen des Kontrabasses auslotet. Mit der Ballade „Lover Man“ von Roger „Ram“ Ramirez endet die sehr gelungene, dem Bebop verschriebene Platte. Übrigens, 1944 aufgenommen von Billie Holiday, wurde der Song weltberühmt!!

© fdp 2026


Info
http://www.alessarecords.at/jazz-art

Musicians
Johannes Probst - trumpet
Gerhard Schramke - piano
Dusan Novakov - drums
Marton Papp - saxophone
Uli Langthaler - bass
special guest: Andi Steirer – percussion

Tracks
1.Blues for Allan 6:30
2.Tin Tin Deo 8:32
3. Little Town 4:47
4.Strong Minority 7:44
5.Waltz for Serena 5:52
6.Bebop Airlines 5:20
7. Road Reggae 4:40
8. Lover Man 7:03


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