Blech ohne Poesie – Here’s BoP

Blech ohne Poesie  – Here’s BoP

B

Neuklang

Arkady Shilkloper, Michael Otto, Johannes Bär

Gleich vorweg: Der Studio-Konzertmitschnitt in den Bauer Studios Ludwigsburg ist ausschließlich digital veröffentlicht worden. Ob es noch eine physische Veröffentlichung geben wird, wird sich zeigen, so die aktuelle Information. d Der Albumtitel spielt in den Kürzeln mit dem Namen der Band: Blech ohne Poesie.

Im Pressetext zum Album finden sich nachstehend zitierte Zeilen: „Die drei Musiker verbindet eine jahrzehntelange künstlerische Erfahrung zwischen Jazz, Volksmusik, zeitgenössischer Musik und freier Improvisation. Gemeinsam erschaffen sie einen Klangkosmos, der sich bewusst jeder stilistischen Einordnung entzieht. Waldhorn, Flügelhorn, Alphorn, Tuba, Serpent, Kuhlohorn und Schneckenhorn werden zu Werkzeugen einer Musik, die gleichermaßen virtuos, humorvoll und experimentierfreudig ist..“

Nein Katja Epstein, die „Wunder gibt es immer wieder“ einst gesungen hat, wurde zum Konzert nicht als Vokalistin eingeladen. Die drei Bläser blieben unter sich und verzichteten auch darauf, im ersten Track so inhaltsschwangere Zeilen wie „Viele Menschen fragen / „Was ist Schuld daran? / Warum kommt das Glück nicht zu mir?“ zu singen. Statt dessen lassen sie die diversen Hörner erklingen, durchaus mit einem Augenzwinkern und in einer gewissen Persiflage auf Blaskapellen- und Volksmusik, so könnte man meinen. Hören wir da nicht so etwas wie Dadadada und Zischklang ehe dann eines der Hörner die Melodie anstimmt, derweil die anderen eher die Rhythmisierung des Stücks vorantreiben? Zudem hören wir auch melodische Wechselspiele und die Interpretation der Melodie, wie man das auch von Blaskapellen kennt. Und dann erleben wir, so scheint es, ein wenig Scat-Gebläse. Im Verlauf erfolgt eine „Demontage der Schlagermelodie“, die nur noch zu erahnen ist. Ja, da ist dann der Geist von Jazz bzw. Improvisation am Werk. Bis zum Ende dient die Grundmelodie des Schlagers als Material, das zu bearbeiten ist. „Cobra“ folgt auf die Persiflage des Schlagers. Was hören wir denn zu Beginn? Waldhorn oder Alphorn mit schnellen Klängen? Dabei meint man, die Musik untermale die Schritte eines Flüchtigen. Der Tubist übernimmt dabei ein wenig die Rolle eines fehlenden Kontrabasses. Ansonsten hören wir einen Klangpotpourri von Hörnern. Man könnte auch von einen „Couplet der Hörner“ reden. Die Faszination, wie bereits im Eröffnungsstück, sind die grellen Klangfarbmischungen und - divergenzen zwischen Tuba und Waldhorn. Zwischenzeitlich drängt sich auch der Eindruck auf, es handele sich bei „Cobra“ um die Musik zu einer Krimiverfilmung. Einem getragenen Volkslied haben sich die drei Musiker mit „Ich hab’ die Nacht geträumet“ vorgenommen. Auch hier bleibt das Trio seiner instrumentalen mehrstimmigen Interpretation treu, verzichtet also auf „Ich hab [die] Nacht geträumet/ Wohl einen schweren Traum;/ Es wuchs in meinem Garten Ein [Rosmarinenbaum]“ (Text Hoffmann von Fallersleben). Und doch scheint man Gesang, dunklen Obertongesang zu vernehmen. Oder nutzt Arkady Shilkloper da sein Alphorn für derartige Klangeskapaden? Welche Klangbreite ein Alphorn bietet unterstreicht Arkady Shilkloper im nächsten Track. Zudem gibt es noch ein Holdadiho zu vernehmen, das schon in der Melodie angelegt ist. Weiter geht es mit einem Jodelgesang, der vom Alphorn begleitet wird. Dieses verwandelt sich in eine verkappte Beatbox, um dann wieder Alphorn zu sein. Und ist da nicht auch die dumpf-dunkle Tuba mit im Spiel? So also geht „Dance Seven“ nach Art BoP!

Außerdem sind „Verbrämung oder was?“ und „Folk Song“ auf dem veröffentlichten Mitschnitt zu hören: Mit geweiteten Klangbögen zeichnet sich der „Folk Song“ aus. Sehr stark rhythmisch durchwirkt ist das Stück, das an die Tänze des Balkans anzudocken scheint. Hm, war da das „Rondo Alla Turca“ vielleicht auch eine Vorlage? Nicht die Blaue Blume der Romantik, sondern die „Kornblume“ stellt das Trio zudem vor. Sehr beeindruckend ist dabei das Spiel des Alphornisten, der die Weite des Raums zu beschwören scheint.

Und zum Schluss heißt es „Turbinella“. Fazit: Das Album ist gewiss nichts für Jazzpuristen, die auf Bop oder Cool Jazz schwören. Eher unternehmen die drei Musiker mit grossem Spielwitz den Grenzgang zwischen Schlager, Folk und Jazz. Und dieser Grenzgang ist ihnen überaus gelungen!

© ferdinand dupuis-panther 2026




https://stubenjazz.de/stj/
https://www.bauerstudios.de/neuklang

Musicians
Arkady Shilkloper – Waldhorn, Kuhlohorn & Alphorn
Michael Otto – Kuhlohorn & Schneckenhorn
Johannes Bär – Tuba & Percussion

Tracks
1. Wunder gibt es immer wieder
2. Cobra
3. Ich hab’ die Nacht geträumet
4. Dance Seven
5. Verbrämung oder was?
6. Folk Song
7. Kornblume
8. Turbinella (Achtung: hidden tracks)


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