Black Flower – Magma

Black Flower – Magma

B

Sdban Ultra

Von einer fünfköpfigen Hybrid-Jazzband lesen wir im Hinblick auf Black Flower. „Steuermann“ des Ensembles ist der in Brüssel beheimatete Saxofonist und Flötist Nathan Daems, der uns mit seinen Mitmusikern mit Ethno-Jazz, Afrobeat, Psychodelic Rock und orientalischen Klangsequenzen konfrontiert. Unter anderem ist die Musik von Mulatu Astatke und dem Guru des westafrikanischen Jazz Fela Kuti beeinflusst.

Im Gegensatz zu den vorherigen Alben fällt beim Hören eine neue Klangfärbung auf, die Karel Cuelenaere zu verdanken ist. Er ist am Synth und an der Orgel zu hören. Man lausche mal aufmerksam dem Eröffnungsstück „Magma“, zugleich der Titel des vorliegenden Albums.

Die Textur und der Fluss von „O Fogo“ wird von dem dahin wehenden Flötenklang definiert. Klangvorhänge wehen; zartes, aber nachdrückliches Drumming ist auszumachen. Kristallines schmilzt dahin.  Und sind da nicht vielfältige Vogelstimmen zu hören, wenn Nathan Daems die musikalische Regie führt? Ist es eine Querflöte, deren feinen Klang wir erleben? Wahrscheinlich eher als eine Bansuri. Doch halt, wer bei Flötensequenzen an Ian Anderson denkt, der ist bei der Musik von Black Flower auf dem Holzweg. Diese Band tanzt nicht um den Flötisten wie um das Goldene Kalb, sondern schafft Synthesen und Symbiosen, auch zwischen Synth und Querflöte.

„The Light“ nimmt uns klanglich mit in einen Nebelwald, über den sich dichte Wolken schieben. Wir nehmen bei der Ode an das Licht repetitive Passagen des Flötisten wahr. Im Duett vereinen sich im Weiteren Flöte und Kornett, lassen das Bild von erst fahlem und dann gleißendem Licht entstehen. Daems scheint in seinem Spiel durchaus an Granden wie Jeremy Steig anzuknüpfen, vor allem wenn er sich freispielt, wenn er solistisch die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Kommentierend agiert der Kornettist, derweil wir perkussives Geraschel vernehmen. Auch durchaus lyrisch gewebte Sequenzen  sind in dem vorliegenden Stück herauszufiltern.

Nicht nur der sonore Saxofonklang, sondern auch Synth und Orgel schaffen bei „Half Liquid“ eine Klangmelange ganz im Sinne von Jazz Rock. Nathan Daems erhebt seine Altstimmer, wenn er das Altsaxofon ansetzt. Doch das sind nur kurze Momente. Dominierend ist ein Synth mit Frequenzverwischungen; hinzu kommen Passagen, bei denen man sich in der Karawanserei, also im Orient wähnt.

Ausschweifende Flötenpassagen und ständig sich wiederholende Trance-Klänge des Synths vereinen sich bei „Deep Dive Down“. Elektronisches trifft auf Akustisches, gerade wenn das Kornett seinen hellen Klang verstrahlt. Bisweilen scheint die Musik in die Welt von Acid, House und Techno abzuschweifen, unter anderem wenn Karel Cuelenaere gemeinsam mit Simon Segers unterwegs ist. Segers sorgt für ein nervös und kurz angebundenes Ticktickticktick. Langwellig äußert sich der Kornetist Joe Birdsong. Wie das fein flirrende Flügelschwirren eines Kolibris mutet an, was uns zu Gehör gebracht wird. Auch rauschende Stromschnellen werden vor uns inszeniert. Und so gelangen wir dann in den Dschungel. „Morning in the Jungle“ steht im Nachgang auf dem Programm. Flirrende Hitze trifft auf sattes Regenwaldgrün und niedergehenden pulsierenden Regen Meskerem Mees, Gewinnerin des Montreux Jazz Talent Award 2021, spielt dabei eine wesentliche Rolle als Sängerin und auch als Rezitatorin.

An arabische oder türkische Kunstmusik erinnern die dichten Klangschemen von „Blue Speck“, die Nathan Daems vorträgt. Dabei scheint er zunächst Ney zu spielen und nicht klassische Querflöte, oder? Der Eindruck drängt sich im Verlauf des Stücks auf, dass er einen Instrumentenwechsel vornimmt. Er setzt seine Phrasierungen gekonnt über melodische Funkassoziationen, die seinen Mitmusikern zu verdanken sind. Nach und nach scheinen wir Vorderasien musikalisch zu verlassen und nach Fernost zu reisen. So sind wir dann der Welt der sieben Samurai und einer Teezeremonie näher als dem Treiben in einem Suq oder Bauchtänzerinnen in einer Nachtbar in Kairo und anderswo. So erleben wir ein musikalisches Crossover, das sich aber von Weltmusik deutlich abgrenzt.

© ferdinand dupuis-panther


Infos


Musiker:

Nathan Daems – Saxofone, Flöte
Jon Birdsong (dEUS, Beck, Calexico) – Kornett  
Simon Segers (Absynthe Minded, De Beren Gieren, MDCIII) – Schlagzeug
Filip Vandebril (Lady Linn, The Valerie Solanas) – Bass
Karel Cuelenaere (John Ghost) – keyboards, synth

https://www.blackflower.be

Tracks:

1. Magma
2. O Fogo
3. The Light
4. Half Liquid
5. Deep Dive Down
6. Morning In The Jungle (feat. Meskerem Mees)
7. The Forge
8. Blue Speck


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