Bergeron, Boudreau, Harding, Savoie - Tanagra
B
self production
Im Pressetext zum Album finden wir nachstehende Zeilen: „Das Quartett Bergeron, Boudreau, Harding, Savoie hat sein neues Album namens „Tanagra“ veröffentlicht. Das Tanagra-Projekt bietet Musik, die zugleich introspektiv und mitreißend ist und sich durch einen stark auf Zusammenarbeit ausgerichteten Ansatz im zeitgenössischen Jazz auszeichnet. Die Gruppe vereint vier erfahrene und renommierte Musiker der Quebecer Szene – Simon Bergeron (Schlagzeug), Jonathan-Guillaume Boudreau (Kontrabass), Eric Harding (Klavier) und Richard Savoie (Saxophon) – und präsentiert ein Repertoire, das hauptsächlich aus Eigenkompositionen besteht und durch einige Standards bereichert wird, die mit Finesse und Persönlichkeit neu interpretiert werden. Die Ästhetik des Quartetts steht in der Tradition des europäischen Jazz der 1970er Jahre, der insbesondere mit dem ECM-Label in Verbindung gebracht wird, und knüpft gleichzeitig an das Erbe großer akustischer Ensembles wie dem Quintett von Miles Davis aus den 1960er Jahren und dem letzten Quartett von Wayne Shorter an.“
Große Namen werden genannt: Miles Davis und Wayne Shorter. Das schafft auch Erwartungen für das vorliegende Album. Aufgemacht wird nicht mit „ Waltz for Debbie“, aber mit „Ched’s Waltz“. Eric Harding eröffnet das Stück, präsentiert eine Erzählung mit ein wenig Dramatik umgeben mit lyrischem Spiel. Ja, der Pianist lässt vor unseren Augen eine Paar über die Tanzfläche gleiten, anmutig und mit ausladender Bewegung. Aus dem Soloauftritt des Pianisten wird das Spiel eines Trios mit Bass und Schlagzeug. Schließlich ist auch Richard Savoie mit einem sehr sonoren Gebläse Teil des Arrangements. Der Saxofonist fasziniert mit seinem lyrischen Spielansatz. Selten genug im Jazz eines Quartetts, aber es gibt es, ein Bass-Solo. Geschmeidig ist nicht, was wir hören. Das ist doch eher hölzern und scheint nicht ganz zur Vorstellung eines Tanzes zu passen. Das sind erste Gedanken zum Solo, aber im Verlauf wird auch der Bassist das Tänzerische vortragen. Im Weiteren gibt es dafür vor allem den Saxofonisten, der so manche Tanzdrehung gestaltet. Auf Augenhöhe mit dem Saxofonisten bewegt sich im Fortgang des Stücks der Pianist mit einem brillanten Tastenspiel.
Nach Einführungstakten in der Hand des Basses erleben wir das Quartett in Gänze, wenn „Sabbia e Clessidra“ auf dem Programm steht. Uns umfängt „säuselndes Saxofonspiel“; der Rest der Band ist Begleitung, wichtige Begleitung. Ein bisschen wie Filmmusik mutet das an, was wir hören. Auf der anderen Seite denkt man auch an Glanzstücke des Bop. Insgesamt aber ist das Spiel des Quartetts überaus überzeugend, auch das fließende Tastenspiel des Pianisten.
Nach „Dissonance sociale“ und „Massawippi Mud“ folgt „Only One“: Getragene Saxofonsequenzen dringen ans Ohr des Zuhörers. Im leicht getragenen Modus ist die Musik gehalten. Kaskadierend agiert der Pianist. In seinem Gefolge zupft der Bassist die Saiten des Tieftöners. Danach versprüht der Pianist mehr und mehr sommerliches Hochgefühl. Auch der Saxofonist zeigt sich frisch und lebendig, lässt sein Instrument schnurren und auch leicht röhren. Wie in anderen Stücken auch kommt der Bassist zu Wort, hat seinen Soloauftritt mit all den dunklen Färbungen seines Instruments.
Nachfolgend hören wir „Pas de mots“ – keine Worte, aber gewiss die richtigen Töne, oder? Stille vernehmen wir nicht, aber Zurückhaltung und Innehalten. Die Musik mutet beschwichtigend an, ganz im Gegensatz zu manchem Wortbeitrag, den wir gegenwärtig wahrnehmen. Besinnliche Momente strahlt die Musik zudem aus. Das ist auch mit ein Verdienst des Saxofonisten, der im Gegensatz zu vielen Saxofonisten, behutsames Spiel pflegt und nicht das Marktgeschrei, das man bei Saxofonisten sonst erleben kann. Ein wenig an Abendstimmung muss man angesichts des Duktus und der Harmonien auch denken.
Das Schlusstück „Tanagra“ ist zugleich auch der Albumtitel: Spontan fiel dem Rezensenten Schwarz-Weiß-Filmen mit und ohne Humphrey Bogart ein, als die ersten Takten des Stücks erklangen. Es müssen ja nicht immer Begegnungen in Casablanca sein. Es können, so der Titel des Tracks, Aufenthalte im griechischen Boötien sein. Jedenfalls verweist der Titel auf einen Ort in dieser Region. Ob und welche Rolle der genannte Ort für den Titel besitzt, müsste man die Musiker fragen oder aber nur der Musik lauschen, die auch im letzten Stück durchaus mit Sinn für dynamische Gestaltung überzeugt.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Simon Bergeron (Schlagzeug)
Jonathan-Guillaume Boudreau (Kontrabass)
Eric Harding (Klavier)
Richard Savoie (Saxophon)
Tracks
1 Ched's Waltz
2 Sabbia e Clessidra
3 Dissonance sociale
4 Massawippi Mud
5 Only One
6 Pas de mots
7 Tanagra
















