BalkaNova - July Morning
B
LAIKA Records
Zur Bandbesetzung lesen wir Nachstehendes: „Die bulgarische Sopranistin Viktoria Lasaroff, die auch Akkordeon und Percussion spielt, der deutsche Gitarrist Andreas Brunn, der hier u.a. auf seiner 7-saitigen Gitarre zaubert, und der kanadische Kontrabassist Robin Draganic sind die Kernbesetzung von BalkaNova.“
Und was erzählt „July Morning“? Das vorliegende Album fokussiert sich auf die erste Liebe, aufs Kennenlernen, Zusammenleben, erzählt von Emigration, Familienverhältnissen, Trennung, Neuverlieben, Alltagsleben und Glücklichsein, so Viktoria Lasaroff zur Liedfolge des Albums. Für die Aufnahmen hat das Trio mit den oben genannten Musikern folgende Gäste eingeladen: Stoyan Yankoulov (Tupan, Percussion, Schlagzeug), Vladimir Karparov (Sopran-Saxophon), Mladen Stoyanov (Violine), Philipp Bernhardt (Schlagzeug, Percussion) und Daniel Stawinski (Piano). Gemeinsam mit ihnen unternehmen wir eine spannende musikalische Wanderung.
Und was hören wir? Weltmusik oder Ethno Jazz? Auf alle Fälle werden wir mit (Poly)Rhythmen konfrontiert, die uns in Mitteleuropa fremd anmuten. „Die bulgarische und Balkan-Musik schöpft aus einem großem Reichtum von vielfältigen, in Mitteleuropa teilweise völlig unbekannten Rhythmen sowie einer wirklichen Hochkultur des Umgangs mit Melodielinien.“, sagt Andreas Brunn, der u.a. bei Stoyan Yankoulov (Percussion) und Ateshan Hiusseinov (Gitarre) in Bulgarien studieren konnte.
Der Opener „Sednalo e Djore, dos“ („Setzte sich George, Mensch“) überzeugt auch und gerade durch den feinen Saxofonklang und den Gesang von Viktoria Lasaroff. Zudem ist es der Gitarrist, der ein wenig den europäischen Swing mit einer Frischzellenkur vorträgt. Und dann, ja dann muss man bei den rhythmischen Violinen-Klängen auch an die Musik denken, die die Folklore ebenso ausmacht wie hier und da die von Django Reinhardt. Was folgt ist „Devoyko, mari, hubava“, ein Lied aus den Rhodopen und in ganz Bulgarien sehr bekannt. Ehe wir den eher getragenen Gesang von Viktoria Lasaroff hören, nehmen uns Glöckchengeläut und dahin schwebende Klänge einer E-Gitarre gefangen. Begleitend zum Gesang vernehmen wir im Weiteren Bass und Drums, aber auch einen verhaltenen Klang der von Andreas Brunn gespielten Gitarre. Zwischenzeitlich lässt er auch nochmals die E-Gitarre schwirren, teilweise ein wenig jaulend, so als stünde RnB auf dem Programm.
„Ayde, Yano“ sieht folgende Besetzung: Viktoria Lasaroff (voc, acc), Andreas Brunn (7 string acgit), Robin Draganic (db), Stoyan Yankoulov (dr, perc) und Mladen Stoyanov (vl). Oh, Flageolett dringt ans Ohr der Zuhörer. Und ist da nicht auch eine Rahmentrommel zu vernehmen, ehe dann die Vokalistin das musikalische Geschehen bestimmt? Auch eine leicht seufzende Violine gehört zur Instrumentierung des Stücks. Und in diesem serbischen Lied heißt es unter anderem: "Los, Jana, lass uns alles verkaufen und einfach nur tanzen…" (nach V. Lasaroff). Übrigens, mit flottem Fingerspiel weiß Andreas Brunn auf der siebensaitigen Akustikgitarre zu überzeugen. Dass Viktoria Lasaroff auch im Scat Vocal zuhause ist, unterstreicht die Sängerin im Verlauf des Stücks, das einen distinkten „Tanzrhythmus“ aufweist. Im Gegensatz zu den vorherigen Stücken können wir bei „Dilmano, Dilbero“ Pianoklänge genießen, die allerdings auch der pulsierenden, tänzerischen Folklore des Balkans verpflichtet sind. Sehr überzeugend ist ausserdem das Solo von Andreas Brunn auf der siebensaitigen akustischen Gitarre. Das ist nicht so sehr folkloristisch gefärbt, als vielmehr vom Jazz beeinflusst.
„Skarali se dve svati“ ist ebenso auf dem Album zu finden, das der Balkanfolklore einem Facelift unterzogen hat, insbesondere dank der E-Gitarre von Andreas Brunn. Es folgt dann ein Stück, dass uns das Trio Viktoria Lasaroff (voc) Andreas Brunn (7 string acgit, conga) und Robin Draganic (db) präsentiert: „Ya kazhi mi, oblache le byalo“. Klangtropfen fügt der Gitarrist an Klangtropfen, während der Bassist die dunklen Klangseiten ausfüllt. Nach der Intro hat man auch dank des Einsatzes von Congas den Eindruck, man würde den Balkan verlassen und gen Karibik oder Südamerika unterwegs sein. Beim Solo des Gitarristen im Verlauf des Stücks ist man außerdem auf der iberischen Halbinsel unterwegs. Zugleich schwingt auch ein wenig Manouche mit, oder?
Zu den weiteren Stücken aus der reichen Folklore des Balkans gehören „Otishla e byala Yana“ und „Rosni mi, rosni,Rosice“. Abschließend noch einige Worte zu „Gankino Horo“: Das Stück sprüht vor Energie und Feuer. Viktoria Lasaroff schreibt dazu: „Gankino Horo (dt. Gankas Tanz) ist ein bulgarischer Volkstanz (Horo) im Kopanitsa- Rhythmus im 11/16 oder auch 11/8-Takt. Die typische Aufteilung ist 2-2-3-2-2. Er stammt ursprünglich aus West- und Nordbulgarien, wurde aber durch die Aktivitäten von Folklore- & Tanzgruppen in ganz Bulgarien populär. Normalerweise wird auf einen 2er ein Schritt und auf den 3er ein Hüpfer oder eine andere Bewegung getanzt. (Also Schritt-Schritt-Hüpfer-Schritt-Schritt).“
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Viktoria Lasaroff (voc)
Andreas Brunn (7 string acgit, e-git)
Robin Draganic (db)
Philipp Bernhardt (dr, perc.)
Vladimir Karparov (sopr. sax)
Mladen Stoyanov (vl)
Daniel Stawinski (p)
Tracks
Sednalo e Djore, dos
Devoyko, mari, hubava
Ayde, Yano
Dilmano, Dilbero
Skarali se dve svati (Es stritten sich zwei Schwiegermutter)
Ya kazhi mi, oblache le byalo
Otishla e byala Yana
Rosni mi, rosni,Rosice
Gankino Horo
Dragieva cheshma















