Puma / Dechambre – Pause
P
Off Records
Schauen wir mal in den Pressetext zum Album. Dort heißt es unter anderem: „The two musicians give themselves completely to invite you to finally take the time. They took that time to compose these seven pieces - sensitive, fragile, and powerful at once - together, with four hands and twenty fingers. /Pause/ is: ten days in the studio, an unconditional love of sound, new sonic experiences, an acoustic journey that occasionally ventures into electronic territories, seven different soundscapes, and above all, a willingness to embrace randomness and accidents.The two friends know each other deeply and leap into the unknown, trusting each other blindly. These seven musical tableaux invite you first to imagine infinitely vast spaces, and then to explore uncharted microcosms.“
Bei „Balançoire“ scheinen die Musiker die Klänge im Raum auszutesten, hier ein Ton und dort einer, dann auch mal lang gezogene Klänge und im Hintergrund ein dunkel gefärbter Klangteppich. Doch von einer Schaukel, die musikalisch „besungen“ wird, scheint nichts vorhanden zu sein. Auch nicht, wenn aus dem Off der Saxofonist des Duos zu hören ist. Eher hat man das Bild einer riesigen zum Konzertsaal umfunktionierten Tropfsteinhöhle vor Augen, in der die Klänge auftauchen und vergehen. Sonor stellt sich der Saxofonist vor, wenn der Klangteppich nicht mehr vorhanden ist. Was er spielt, mutet wie ein Volkslied an, ein nordisches zu Mittsommernacht, oder? Vereint sind Nicolas Puma (double bass, electronic) und Clément Dechambre (bass clarinet, tenor sax, flute) in einem sensibel gestalteten Duo. Der Bassist pflegt eine Wiederkehr von der Folge von vier Tönen, derweil spielt der Tenorsaxofonist frei auf. Der Bassist bildet gleichsam einen Rahmen, auch rhythmisch gesehen. Aus diesem bricht Clément Dechambre aus, variiert ein Thema. Ja, und dann meint, man sehe eine Schaukel vor sich, wie sie sich mehr und mehr in die Luft erhebt und von der man dann glaubt, es werde einen Überschlag geben. Dechambre greift übrigens zum Schluss den „Tonsatz“ des Bassisten auf. Schnelle Linien und Klangflächen erlebt der Zuhörer bei „Ballon“. Ein wahrer Hörgenuss ist das Spiel des Klarinettisten Clément Dechambre. Im Zusammenspiel mit Nicolas Puma meint man gar, man höre ein wenig Kammermusik. Lyrisches ist auf alle Fälle zu vernehmen. Und wie im ersten Stück sorgt der Bassist für das musikalische Fundament, auf dem sich der Klarinettist in Klangschleifen und Klangschwüngen musikalisch ausleben kann.
„Hans“ – wer? Das ist die Frage bei einem Stück, das einen deutschen Vornamen trägt, eben nicht Jean. Nin ja, „Hans“ wählten die Musiker als Titel für diese Komposition, die sehr getragen ist. Fein gezupft wird der Bass und die Bassklarinette taucht in die dunklen Klangtiefen des Holzbläsers ab. Die Melodie des Stücks zeigt eine gewisse Nähe zu romantischem Liedgut, wie wir es von Franz Schubert her kennen. Vom Klangbild her drängt sich auf, an Frühlingsbeginn und dessen Färbungen in Lindgrün und Hellgrün zu denken.
Mit „Gouttes“ und „Coquillages“ geht es weiter. In dem ersten Stück, in dt. Tropfen, fallen wirklich dank des Bassisten Tropfen für Tropfen. Mal scheint es sich wie Platzregen und mal wie Nieselregen anzuhören. Dazu spielt Clément Dechambre fragile, kristalline Flötentöne. Unablässig fallen gleichzeitig Tropfen für Tropfen, hört man das Fingertrommeln des Bassisten. Analog oder doch digital? - fragt man sich, denn ein Drumset oder Perkussions sind im Line-up nicht aufgeführt, hingegen Elektronics schon. Hm, vielleicht nutzt der Bassist auch den Korpus seines Kontrabasses für das Perkussive des Stücks. Durchdringend sonor zeigt sich das Saxofon in „Coquillages“. Metallrasseln geben den Rhythmus vor und auch das Spiel des Saxofonisten wird Moment für Moment rhythmischer. Eher an das nicht synchrone Glockengeläut auf der Insel Malta in den frühen Morgenstunden muss man bei „Orage“ (dt Gewitter) denken. So richtig stellt sich kein Bild von Wolkenturbulenzen, Blitz und Donner ein.
Ja, beim Schlusstitel „Accordéon“ hat man nur selten den Eindruck, das Musikerduo imitiere oder paraphrasiere klassische Akkordeonmusik. Der Klang des Stücks ist eigen und von dem der Bassklarinette geprägt. Dazu hört man den langen Bogenstrich auf dem Bass, im Klang teilweise an ein Cello erinnernd. Zugleich erleben wir verspielte melodische Linien, die ein wenig an Volksweisen bzw. an einen Tanz erinnert. Doch der Eindruck von Harmonie, dank des Klarinettisten, wird durch den Bassisten konterkariert, dessen Bass „jammert“ und teilweise nach einer „singenden Säge“ klingt. Nachhaltig im Ohr bleibt aber die Wiederkehr kurzer Melodiensequenzen durch den Klarinettisten.
© F. Dupuis-Panther
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Musicians
Nicolas Puma: double bass, electronic
Clément Dechambre: bass clarinet, tenor sax, flute
Tracks
1. Balançoire (dt.Schaukel/Wippe)
2. Ballon
3. Hans
4. Gouttes (dt. Tropfen)
5. Coquillages (dt. Muschel)
6. Orage (dt. Gewitter)
7. Accordéon















