Pierre Vaiana, Mathieu Robert, Fabian Fiorini – Daedalos

Pierre Vaiana, Mathieu Robert, Fabian Fiorini – Daedalos

P

Igloo Records

Die beiden Saxofonisten Pierre Vaiana und Mathieu Robert treffen auf den Pianisten Fabian Fiorini und widmen ein Album dem Vater des Ikarus , nämlich Daedalos, der in der griechischen Mythologie den Traum vom Fliegen träumte und für seinen Sohn Flügel aus Wachs und Federn schuf. Was mit Ikaros passierte, weiß jeder, der in der griechischen Sagenwelt bewandert ist. Auf dem Cover erscheint aber nicht Ikarus mit seinen dramatischen Flugkünsten, sondern ein scheinbar schwebendes Labyrinth. Das wiederum ist ganz in der Tradition des belgischen Surrealismus eines René Magritte, der in einigen seiner Werke auch der Schwerkraft widersprach.

Das Labyrinth auf dem Cover beschreibt wohl eher die verschlungenen musikalischen Wege des Trios. Die Klang-Imaginationen und das Improvisieren ist eben nicht linear, sondern bedarf der Entdeckungen von neuen Wegen. Schon die Besetzung des Trios weicht deutlich von der der klassischen Jazzformation ab. Bass und Drums fehlen. So ist zu fragen, worin eigentlich der Fokus des Trios besteht oder driftet es auf verschiedenen Orbits, verfängt es sich auf Irrwegen, findet es Gleichklang oder Gegenklang. Lassen wir uns also einfangen von der Welt des Daedalos.

Mit „Flore II“ und den Weichzeichnungen der beiden Sopransaxofonisten wird das Album eröffnet. Kristallklar ist der Klang der Holzbläser und dazu setzt der Pianist behutsam Tastenton für Tastenton, zerbrechlich anmutend. Derweil ist der dichte Klang der Bläser zu genießen, der das Stück definiert. „Past Lives Connections“ wird vom Pianisten eingeleitet. Dabei hat man den Eindruck, dass das Piano präpariert wurde, jedenfalls in einigen Klangbereichen. So treffen zerfließende Linien auf schrill anmutende Tontropfen. Nach und nach verfällt der Pianist in sich wiederholende Klangmuster, die dem Stück eine Rhythmuslinie verleihen. Über dieser breitet sich der sonore Saxofonklang aus, der hier und da in den Harmonien den Eindruck orientalischer Musik erweckt. Das Titel gebende Stück des Albums namens „Daedalos“ folgt. Frei in der musikalischen Gestaltung mutet das Stück an. Man meint die drei Musiker würden tonale Puzzle-Elemente zusammensetzen und daraus ein Ganzes formen. Zugleich hat man doch auch das Bild des Fliegens und des Flügelbauens vor Augen, wenn man dem Stück folgt, das sich als klangliches Kontinuum präsentiert und doch zudem Brüche aufweist. So scheint der Pianist ganz eigene Wege zu beschreiten, sich gar als klassischer Pianist zu zeigen. Die Wege der Sopransaxofonisten kreuzen sich mit denen des Pianisten, der sich aber eher als Solist zeigt, weniger als Teamplayer, oder? Doch das scheint gewollt in der Bruchstruktur.

Mit „Ariadne“ vertiefen die Musiker ihre musikalische Welt in die der griechischen Mythologie. Ariadne ist die Tochter des Minos und für den sogenannten Ariadnefaden bekannt. Mit diesem fand Theseus aus dem Labyrinth. Bezug zum Albumcover, oder? Gleichklang steht nicht nur am Anfang. Man könnte an eine Fanfareneröffnung denken, wenn man den melodischen Linien folgt. Sanft kaskadierend ist das, was Fiorini seinem Tasteninstrument entlockt. Auch im Weiteren sind die beiden Saxofonisten eng verzahnt.

Nach „Fiore III“ folgt „Twister“ mit gedämpftem „Tasten-Klong“ und Saxofonklängen, die an einen Kreisel denken lassen, der sich, nicht enden wollend, dreht. Übrigens, die deutsche Übersetzung für Twister lautet Wirbelwind und auch Zungenbrecher. Denkt man in Bildsprache, so sind die Begriffe gekonnt in Musiksprache transponiert worden. „Blues for Steve“ - für welchen Steve? - ist ein weiterer hörenswerter Track des Albums. Ja, der Blues ist lebendig, ein traurig-getragener hört man dem „Solobläser“ zu, bevor er sich mit dem zweiten vereint. Bluesig ist zudem der Pianist unterwegs. Lauscht man intensiv, dann hört man den rauen Country Blues heraus, wie ihn John Lee Hooker pflegte. Das Ende des hörenswerten Albums lautet „Flore I“. Und man fragt sich im Rückblick, was all die zu hörenden Stücke eigentlich mit Daedalos zu tun haben, oder?

© f. dupuis-panther


IGLOO RECORDS

Musicians
Pierre Vaiana - soprano saxophone
Mathieu Robert - soprano saxophone
Fabian Fiorini - piano

Tracks
1. Flore II 02:34
2. Past Lives Connections 03:34
3. Daedalos 05:29
4. Ariane Suite 04:33
5. Ariadne 02:02
6. Flore III 03:59
7. Twister 04:33
8. Blues For Steve 05:11
9. Anonymous Letter n°22 05:55
10. Berceuse Pour Les Cochons 05:52
11. Flore I 02:47


In case you LIKE us, please click here:



Foto © Leentje Arnouts
"WAGON JAZZ"
cycle d’interviews réalisées
par Georges Tonla Briquet




our partners:

Clemens Communications



Luchthavenvervoer zonder stress


Hotel-Brasserie
Markt 2 -
8820 TORHOUT


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant


Claude Loxhay
(18.2.1947 – 2.11.2023)
foto © Marie Gilon


Pedro Soler
(8.6.1938 – 3.8.2024)
foto © Jacky Lepage


Sheila Jordan
(18.11.1928 – 11.8.2025)
foto © Jacky Lepage


Raúl Barboza
(22.5.1938 - 27.8.2025)
foto © Jacky Lepage



Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Luca A. d'Agostino
Christian Deblanc
Philippe De Cleen
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Palma Fiacco
Anne Fishburn
Federico Garcia
Jeroen Goddemaer
Robert Hansenne
Serge Heimlich
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Simas Martinonis
Nina Contini Melis
Anne Panther
France Paquay
Francesca Patella
Quentin Perot
Jean-Jacques Pussiau
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Jean-Marie Vandelannoitte
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Maurits van Hout
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken
Didier Wagner


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
Werner Barth
José Bedeur
Henning Bolte
Paul Braem
Erik Carrette
Danny De Bock
Denis Desassis
Jean-Pierre Devresse
Pierre Dulieu
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Stephen Godsall
Jean-Pierre Goffin
Claudy Jalet
Chris Joris
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Ieva Pakalniškytė
Anne Panther
Etienne Payen
Quentin Perot
Jacques Prouvost
Jempi Samyn
Renato Sclaunich
Yves « JB » Tassin
Herman te Loo
Eric Therer
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Jean-Jacques Vandenbroucke
Peter Van De Vijvere
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst