Peggy Buard & Émilie Chevillard – DYADE
P
Yolk Records
„Zwei neue Künstler geben ihr Debüt bei Yolk mit einem fesselnden Album, das aus Kristallen sowie einigen Kaleidoskopen geformt ist. … „Dyade“ ist das Ergebnis eines eingespielten Duos mit einer klaren und unverwechselbaren Stimme. Die Harmonie der Klangfarben, die Brillanz von Klang und Ideen stehen hier im Dienst eines einfühlsamen, originellen Stils – mal friedlich, mal feurig, fließend oder mechanisch, mal ein wenig New Age, mal Klassik, mal Gitarrenklang, der der Harfenistin zu verdanken ist. Innehalten, Durchatmen, Pausieren im Alltag, ein wenig Meditativ, in Lüften schwebend – das sind Begrifflichkeiten, die auf die Musik anzuwenden sind.“ So lautet ein einführender Text zum Album.
Eine Art Formel steht als Track am Beginn des sehr zu empfehlenden Albums: „R2“: Rhythmische Bassklänge, die wie ein Metronom ausgeformt sind, treffen auf Saitenfluss, dank an die Harfenistin. Sehr lyrisch ausgeformt ist das, was wir hören. Zugleich erscheint das Spiel der Harfenistin klassisch angelehnt. Die Basstöne sind übrigens einem präparierten Klavier zu verdanken. Teilweise hat man beim Spiel der Harfenistin den Eindruck, man lausche einer Oud oder einer Baritongitarre. Zwischendurch erlebt man überbordenden sich wiederholenden Klangfluss und die Basshand der Pianistin. Gegen Ende verwandelt sich das Stück noch in ein wenig Pop-Song, oder?
Mit „Dee“ setzt das Duo Musik mit eher außergewöhnlicher Instrumentierung fort. Zart werden die hohen Tasten des Klaviers angeschlagen. Es klingt so, als würde man zerbrechliches Glas antippen. Dazu greift die Harfenistin in die Seiten, lässt aber dem kristallinen Klangeindruck Raum. Wüsste man es nicht besser, so meinte man, man höre eine Gitarristin. Energiegeladene Tastensetzungen folgen. Teilweise zerfließen die Klänge, die der Pianistin geschuldet sind. Nicht Meeresfluten, aber Flussströmungen sind Bilder, die zu dem Tastenspiel passen. Immer wieder gibt es Momente der Ruhe, des Nachdenkens, der Besinnung. Auch das präsentiert uns das Duo. Das Spiel ist nicht überbordend und voll Dynamik, sondern eher auf Kontemplation ausgerichtet. Und die Harfenistin scheint sogar in ihrem Ansatz an das Spiel mit einer Saz zu erinnern. Doch viel entscheidender ist der Modus des Spiels, ist die Tendenz, das langsame Rinnen der Zeit und wiederkehrende Momente einzufangen. Das gelingt ohne Zweifel.
Nach „ Ancolie Street Song“ folgt der „Circle Song“: Dumpfe Trommelschläge, verspieltes Klavierspiel, nachhaltiger Bassklang – das sind die ersten Höreindrücke. Gedämpftes Saitenzupfen hören wir wohl auch. Es klingt so, als würde auf einer Hanging Tom mit Fingern getrommelt. Ist das vielleicht mit dem präparierten Klavier möglich gewesen? Jedenfalls ist das stete Rhythmisieren besonders charakteristisch für das Stück. Hinzu kommt der kristallklare Tastenfluss, der dem Eindruck von Stromschnellen gleicht, die rasch dahinrauschen. Sind hier gar Loops mit am Werk?
Nachfolgend hören wir „Poussières“ mit starkem klassischen Einfluss – man muss hier und da an Chopin denken - und „Tear Drop“, ehe es dann musikalisch um die „Square Pyramid“ geht. Klopfgeräusche, Pochen, Pling-Pling, Kristallinklang – das sind erste Eindrücke, ehe sich dann der Song melodisch entwickelt. Allerdings bleibt es bei einem gleichfarbigen Muster, das musikalisch seine Form findet. Die steten Wiederholungen haben etwas Hypnotisches, oder? Gekrönt wird das Album schließlich mit „Little Thing“. Fazit: Es ist ein Album, das nicht auf reine Klassik setzt, sondern schon die Freiheit des Jazz schätzt. Besondere Hörerlebnisse erlauben die präparierte Harfe und das präparierte Klavier, aber auch die beiden Instrumente ohne Manipulationen im Klangspektrum.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Émilie Chevillard, chromatic harp,prepared harp
Peggy Buard, piano, prepared piano
Tracklist
1. R2 07:34
2. Dee 09:08
3. Ancolie Street Song 06:38
4. Circle Song 05:47
5. Poussières 03:35
6. Tear Drop 05:47
7. Square Pyramid 07:26
8. Little Thing 07:42
















