Luca Sisera – im Gespräch mit dem aus Chur gebürtigen, nun in Luzern ansässigen Kontrabassisten

Ich traf mich mit Luca Sisera am Rande der Jazzahead 2016 in Bremen. Zuvor hatte ich ihn in der Black Box im cuba (Münster) bei einem Konzert von Michael Jaegers Band Kerouac erlebt.

Ist ein musikalisch orientiertes Elternhaus notwendig, um eine Karriere als Musiker zu beginnen? Niemand wird ja als Musiker geboren. Einflüsse, auch frühe, sind entscheidend. Wie war das in deinem Falle?

LS: Nee, ich denke nicht, dass es zwingend ist, dass die Eltern besonders musikalisch oder musikalisch aktiv sein müssen. Ich glaube, es ist gut, Eltern zu haben, die ihren Kinder die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, was sie machen wollen. Hast du Lust, Sport zu machen? Hast du Lust, Musik zu machen? Es war jetzt in unserem Fall nicht ganz so. Mein Vater ist passionierter Amateurmusiker. Er ist aus Italien, aus Neapel, und ist von dort in die Schweiz gekommen. Er hat immer Musik gemacht. Er ist v. a. E-Bassist und Sänger. Er hat mit uns, meinem Bruder und mir, als wir klein waren, oft italienische und neapolitanische Songs gespielt. Wir haben gesungen, und er hat mit der Gitarre begleitet. Er hat uns schon sehr geprägt. Er hatte praktisch jedes Wochenende Auftritte, Konzerte und Tanzabende mit italienischen Liedern, und war dementsprechend viel unterwegs. Er hat als Bauarbeiter von Montag bis Freitag gearbeitet; am Wochenende ging er dann spielen. Mindestens zu Beginn, als wir noch sehr klein waren, hat er wegen der Musik immer wieder seine Jobs verloren, weil er montags, müde und erschöpft von den Auftritten des Wochenendes, immer zu spät kam. Das war für einen Neapolitaner ganz normal. Hey, ich bin eine Stunde zu spät. Ich hatte gestern ein Konzert. Das ist doch kein Problem. In der Schweiz war das aber ein Problem. (Lachen) Irgendwann hat er dann die Regeln verstanden und hat seinen Brotjob auch zuverlässig gemacht.

Als wir im Kindergarten waren, hatten mein Bruder und ich die Möglichkeit, bei einer ganz, ganz alten Dame, Frau Schädler hieß die, für fünf Franken eine Klavierstunde zu nehmen. Die war 80, als ich sechs war. Mit zittrigen Händen saß sie bei mir am Klavier. Die hat nur Kinder genommen, die sich die Gemeindemusikschule nicht leisten konnten. Mein Vater, wie gesagt, aus Italien und Bauarbeiter, sprich kleiner Lohn. Sie hat zu dem gleichen Preis unterrichtet, den sie in ihrer Jugendzeit für Klavierunterricht bezahlt hat. Das waren die fünf Franken für 60 Minuten. Sie ist, glaube ich, verstorben, als ich zwölf war. Mein Bruder war da neu. Mein Vater hat zu dieser Zeit mittlerweile besser verdient, womit es uns möglich war, die reguläre Musikschule zu besuchen. Mein Bruder und ich besuchten Klavierunterricht an der Musikschule Chur, bis ich 16 war. Zu dieser Zeit gefiel mir Rockmusik immer mehr. Ich mochte nicht mehr Bach oder Beethoven am Klavier spielen. Mein Vater war ja primär E-Bassist, womit der Bass als Instrument sehr naheliegend war. So habe ich begonnen, E-Bass zu spielen. In unserem Fall hat das Elternhaus deutlich geprägt, aber ich kenne viele andere Beispiele, bei denen die Eltern nichts mit Musik zu tun hatten und die Türchen für die Kids doch geöffnet haben.

In deiner Biografie findet man den Eintrag, dass du schon mit 14 in einer Band Bass gespielt hast?

LS: Ja, ja, das stimmt. Klassischer Fall: An der Schule gab es eine Rock-Band. Ich war der Pianist, der nur klassische Musik macht, aber ich wollte eigentlich auch Rock machen. Ich habe die dann gefragt: „Könnt ihr nicht noch einen Mann gebrauchen?“ Die haben gesagt: „Klar, wir haben keinen Bassisten!“ (Lachen) Da hat es Klick gemacht: Vater Bassist und die Instrumente hatten wir ja Zuhause. Das geschah auf dem Pausenhof; so wurde ich Bassist, ohne dass ich je einen Ton zuvor gespielt hatte. Dann habe ich so richtig Rock gemacht. Ich hatte damals lange Haare!

Was für eine Art von Rock war das?

LS: Das war schon eine Cover-Band. Sex Pistols, AC/DC, Metallica und all das Zeug haben wir gecovert. Harte Sachen. Vom Rock ging's dann eigentlich bald mal zum Hip-Hop. In meiner Heimat gab es eine große Hip-Hop-Szene. Und es war plötzlich ziemlich angesagt, dass man als Hip-Hopper eine Liveband hat. Man hatte nun nicht mehr nur einen DJ; sondern neuerdings auch Instrumentalisten auf der Bühne. So bin ich in diesen Kreis gekommen. Mit dem Hip-Hop sind wir ja schon bei der Black Music. So war es nur ein kleiner Schritt zum Funk. Vom Funk war es nur ein kleiner Schritt zum Jazz Funk, Acid Jazz oder wie das alles so hieß. Im Weiteren interessierte mich immer mehr akustischer Jazz. So war es dann klar, dass ich Kontrabass spielen muss.

Ich habe begonnen, an der Musikhochschule Luzern E-Bass zu studieren. Nach einer Zwischenprüfung hat es mal geheißen: „Alles toll, du spielst sehr gut E-Bass, cool, aber deine Transkriptionen, hast du es bemerkt? Du schreibst immer Kontrabass-Soli raus - man musste für die praktischen Prüfungen immer ein Solo transkribieren. Warum nimmst du immer Holland, Haden und Ray Brown? Du bist doch E-Bassist. Du musst doch eher Jaco Pastorius umsetzen. Nein, mir gefallen diese Soli viel besser als diese E-Bass-Virtuosen. Ich mag den Kontrabass. Dann haben sie gesagt: „Dann stelle den E-Bass mal in die Ecke.“ Man hat mir nach zwei Jahren Grundstudium die Möglichkeit gegeben, als Kontrabassist weiter zu studieren. Mein Onkel ist Fagottist und studierte am Konservatorium als zweites Instrument den Kontrabass. Der stand bei ihm Zuhause in der Ecke. Ich habe ihn angerufen und gefragt, ob ich seinen Bass für's Studium haben darf. Ratzfatz hatte ich auch einen Kontrabass.

Wieso haben es dir der Bass und die Position im Bühnenhintergrund so angetan? Passt er zu deinem Naturell?

LS: Ja, schon.

Du stehst ja auch in deiner eigenen Band im Hintergrund. Von der Regiesicht her steht Michael Jaeger im Zentrum.

LS: Ja, aber ich sehe leichter von hinten. In meiner Band sieht es in optischer Hinsicht zwar nicht so aus, aber ich ziehe schon die Fäden. Ich habe aber immer gesagt, dass ich die Grundaufstellung nicht neu erfinden möchte. Wir stehen wie ein übliches Jazz Quintett auf der Bühne. Ich möchte die beiden Bläser vorne an der Front. Ich muss jetzt als Leader nicht zwingend vorne am Bühnenrand stehen, um das Ganze zu leiten. Der Bass hat definitiv eine tragende Rolle in meiner Musik. Er spielt da und dort Melodien oder bedient eine kontrapunktische Gegenstimme. Er improvisiert immer wieder mit dem Saxofon oder anderen Instrumenten zusammen im Kollektiv und verlässt somit klar die Rolle des reinen Begleitinstruments.

Wir haben wie gesagt viele kollektive Improvisationen. Ich wollte auch diese Grenzen sprengen, diese Konventionen von Thema, dann kommt ein Solo und dann ein Solo eines weiteren Solisten, dann wieder Thema, sprengen. Man merkt im Konzert, dass die Leute manchmal klatschen wollen, aber sie wissen nicht genau, wo das Solo fertig ist. Es gibt darum selten Szenenapplaus, weil es bei uns nicht offensichtlich ist, wann das Solo fertig ist, ob nun improvisiert wird oder ob es komponiert ist. Auch der Tontechniker hat mir nach den Aufnahmen gesagt, er habe oft keinen Plan, was bei uns komponiert und was improvisiert wurde. Das war ein sehr schönes Kompliment.

Ich wollte jetzt nicht Musik machen, bei der der Bass künstlich in den Vordergrund gestellt wird. Es gibt ja Leaderbassisten wie zum Beispiel Renaud Garcia-Fons, die eindrücklich demonstrieren, was sich so alles aus einem Bass rausholen lässt. Bitte nicht falsch verstehen - ich schätze ihn durchaus. Garcia-Fons ist ein unglaublicher Techniker. Ich halte es diesbezüglich aber doch eher wie Dave Holland oder auch Charlie Haden. Die klingen in ihren eigenen Bands jetzt nicht großartig anders als bei ihren Sidemen-Projekten. Die machen, ob jetzt als Leader oder Sidemen, einfach ihren Job.

Wie stark siehst du dich in rhythmischer und wie in melodischer Hinsicht? Das Spiel am Bass, so meine Gespräche mit anderen Bassisten, sei sehr physisch und auch sehr rhythmisch. Und bei dir?

LS: Ich sehe mich schon als Rhythmiker am Bass. Du kannst rhythmisch starke Akzente setzen und dich dabei auch harmonisch am Geschehen beteiligen. Die (harmonische) Macht des Basstones ist unglaublich. Als ich noch unterrichtet habe, habe ich den Schülern immer wieder demonstriert, was passiert, wenn du z. B. einen C-Dur-Akkord mit unterschiedlichen Basstönen unterlegst. Du kannst als Bassist natürlich den offensichtlichen Grundton, in diesem Falle das C, spielen. Zum exakt gleichen Akkord kann man beispielsweise aber auch ein A spielen, und es geht eine neue Welt auf. Du hast extrem Macht am Bass. Mit wenigen Änderungen – ich nehme mal diesen anstatt diesen Ton – kannst du eine ganz andere Wirkung erzielen, einen ganz anderen harmonischen Mood vermitteln. Das kann nur der Bass! (Lachen) Ich stehe aber schon sehr auf Rhythmus, wie man das auf unserem Album "Prospect" hören kann. Da zählen Polyrhythmik und Polymetrik klar zu den Hauptakteuren. In diesem Kontext agiere ich natürlich sehr rhythmisch, versuche aber das Harmonische und Melodische ebenfalls mitzunehmen.

Was war denn nun bei all deinen Schilderungen deines Werdeganges das zentrale Schlüsselerlebnis, Jazz zu spielen, welcher Art auch immer?

LS: Es war ganz klassisch: „Kind of Blue“! Ich komme aus den Bergen, aus Chur (Graubünden). Ich wollte Jazz hören; ich wollte Jazz spielen. Ich hatte nur keine Möglichkeiten dazu. Jazz zu erlernen, war so gut wie unmöglich. Es gab keinen Basslehrer, der mir irgendwie nur annähernd zeigen konnte, wie der Jazz funktioniert. Den gab es in meiner Jugend nicht. Es gab einen Plattenladen, der hatte vor allem Rock und Pop sowie eine winzige Jazzabteilung. Dort fand ich diese Miles-Davis-Scheibe. Ich fand das Cover schön. Dann diese Musik – das war magic. Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut.

Gab es für deinen Spielduktus Vorbilder wie Ron Carter, Charles Mingus, Paul Chambers oder Oscar Pettifort? Oder hast du das komplett ausgeblendet?

LS: Nee, ich bin schon beeinflusst. Klar. Das kann ich nicht verleugnen. Mingus habe ich auf und ab gehört, auch als Vorbereitung zur aktuellen Platte, aber das ist eine andere Geschichte. Mingus war ganz prägend, Charlie Haden war ebenfalls extrem prägend. Es ist wahnsinnig, wie der spielt. Der hat mir gezeigt, wie man simpel spielen kann, aber doch von den Ideen her mutig und visionär. Er ist nicht so der Techniker, aber überaus musikalisch. Charlie Haden hat mal gesagt: „Ich verstehe bei Bassisten nie, wenn sie denn mal einen guten Ton gefunden haben, warum sie den nur einmal spielen.“ Er ist ja dafür bekannt, dass er mehrfach die gleiche Note spielt und dann nochmals diese schöne Note anspielt. Diese Repetition, die Ruhe im Spiel, dieses fast schon Meditative, zugleich hochgradig auf Improvisation ausgerichtet – das alles hat mir sehr zugesagt. Auch Ray Brown, überhaupt die ältere Bassisten-Generation, welche klar aus der Tradition kommen, haben es mir angetan. Mingus, wie der komponiert, den Jazz weiterentwickelt und somit Wege geebnet hat, ist unglaublich. Daneben habe ich mich aber auch immer mit jüngeren Bassisten auseinandergesetzt, welche neue Spieltechniken, Improvisations- und Soundkonzepte entwickelten.

Ich begann, die neue Platte von ROOFER auf einem Frachter zu komponieren. Ich fuhr von Genua nach New York, drei Wochen auf hoher See. Ich war zuvor mit Kerouac drei, vier Wochen auf Tour unterwegs. Ich dachte, endlich mal Zeit, Musik zu hören. Ich hatte eine Festplatte mit Musik für drei Monate vorbereitet. Ich hatte sie liegen gelassen, vergessen. Ich darum nur meinen Laptop dabei mit lediglich zwei abgespeicherten Scheiben, eine von Duke Ellington und eine von Mingus. Hör mal ins neue ROOFER Album rein. Es hat schon Stimmen gegeben, die haben gesagt, man könne Mingus heraushören, also rein vom Kompositorischen und nicht vom Bassspiel her. Wen wundert's: Ich hatte drei Wochen lang Mingus auf und ab gehört!

Du spielst in unterschiedlichen Formationen z. B. mit Michael Jaeger bei Kerouac, mit Kapelle Kessler, im Trio mit Franz Hellmüller und Tony Renold sowie im Yves Theiler Trio und nun mit deiner eigenen Band ROOFER, an der auch Michael Jaeger mitwirkt. Kannst du bitte mal die musikalischen Konzepte beschreiben?

LS: Ich habe immer gesagt, ich habe 15 Jahre lang sehr intensiv ziemlich unterschiedliche Musik gespielt. Ich war da in puncto Stilrichtung nie wählerisch. Ich bin kein Dogmatiker. Ich bin kein Purist und unterscheide lediglich zwischen für meinen Geschmack guter und schlechter Musik. Ich wollte nie sagen, Mainstream ist scheiße, und es muss möglichst avantgardistisch sein, damit's gut ist. Ich trage einen Rucksack gefüllt mit den Erfahrungen dieser vielen unterschiedlichen Projekte. Durch diesen Rucksack hat sich natürlicherweise meine eigene musikalische Vision gebildet. Die Kompositionen von Michael Jaeger haben mich durchaus geprägt. Ich bin ja Gründungsmitglied von Kerouac. Michael und ich sind seit 15 Jahren mit Kerouac zugange. Personell hat es immer wieder gewechselt, aber wir zwei sind geblieben. Ich weiß, wie er tickt, kenne seine Musik, weiß weitgehend, wie er musikalisch funktioniert. Sein unkonventioneller Schreibstil hat mich sicherlich auch geprägt. Auch andere Leute wie Hellmüller, Kessler oder nicht zuletzt mein jüngerer Bruder, der Schlagzeuger und Perkussionist Dario Sisera, der viel früher angefangen hat zu komponieren als ich, kommt eine entscheidende Rolle zu. Eigentlich hat mich vieles geprägt. Natürlich auch die aussermusikalischen Erlebnisse und Erfahrungen aus meinem Alltag.

Meine Musik ist freier als das, was z.B. Radar Suzuki macht oder was das Trio mit Hellmüller macht. Vieles ist bei ROOFER relativ offen gehalten. Ich wollte starke Improvisatoren in meiner Band, starke eigenständige Stimmen, die meine Musik stets weiterentwickeln und meine Kompositionen für mich vollenden. Alle beteiligten Musiker bei ROOFER entsprechen meiner ersten Wahl. Sozusagen meine Traumband. Es gibt bei uns klar komponierte Teile, die z.T. eine technische Herausforderung darstellen, daher auch der Name ROOFER (Anm.: Dachdecker). Man begibt sich in die Höhe ohne Netz und doppelten Boden. Die Fallhöhe ist also dementsprechend hoch bei ROOFER. Dieses Risiko mag ich. Daher brauche ich Leute, die balancieren und auch im Risiko noch eine hohe Leistung bringen können. Aus dem erwähnten Rucksack meiner Erfahrungen habe ich irgendwie mein eigenes Ding kreiert. Natürlich gibt es da verwandte Sache. Ich habe das Rad schließlich nicht neu erfunden. (Lacher)

Ich habe kurz in das neue ROOFER Album hineingehört und dachte, oh, das ist ja Musik aus dem Moment, ungebunden. Dann jedoch bricht dieses Ungebundene ab und geht abrupt in Gebundenes über, ähnlich wie bei Kerouac. Die Hörfarbe ist gespreizt und du meinst, mehr Gespreiztes könnte sich entwickeln, aber dann geht es ins Melodische auf. Ist das die von dir angedachte Bandbreite?

LS: Ja, absolut. Ich schätze die frei improvisierte Musik extrem. Ich liebe es, Musik aus dem Moment zu spielen. Ich schätze aber auch kluge Kompositionen. Ich wollte das vereinen. Wie gesagt, ich bin kein Dogmatiker, der sagt, dass, wenn wir freie Impro-Teile haben, dürfen wir keine komponierten spielen. Die komponierten Teile dürfen es auch in sich haben, auch von den spielerischen Anforderungen richtig hochstehend sein. Ich habe solche Bands auch gehört, als ich ein halbes Jahr in New York war. Es hat mir wahnsinnig imponiert, wenn eine Band, einfach einen Head gnadenlos nageln kann und auch frei improvisiert at its best.

Mit Hellmüller und Renold entstand das Album „Roots“. Das bedeutet ja auch, dass das, was heute im Jazz passiert, ohne den Jazz der 40er, 50er und 60er Jahre nicht möglich wäre. Wie kam es dazu?

LS: Die letzte Platte vor „Roots“ war ziemlich frei. Wir hatten da zwei, drei Stücke, die wir auch sehr frei behandelt haben. Aber auch ganz freie Improvisationen wie „Alaska“ oder „Schlange K.“ aufgenommen. Dann haben wir überlegt, wie es weitergehen soll. Bei einem Bier haben wir entschieden, einfach Standards aufzunehmen. Denn alle drei von uns schätzen Standards sehr. So haben wir gesagt, lass uns den Hut vor der Tradition ziehen. Das ist etwas Schönes. Das Ganze ist bei uns ja nicht durch und durch traditionell gespielt. Es ist zwar klar im Mainstream-Idiom gehalten. Doch wir haben z. B. das Stück „All The Things You Are“ in 5/4 mit kleinen schönen Modernisierungen eingespielt. Grundsätzlich soll aber der Song und den damit verbundenen Improvisationen für sich sprechen. Die nächste Platte ist in Planung und die wird nicht in diese Richtung gehen.

Gibt es einen Trend in die Richtung Standards? Was bewegte euch denn dazu?

LS: Es war nicht der Trend. Wir hatten nicht gedacht, dass das Album gut ankommt, aber wir wollten es machen. Es kursiert ja die Haltung: Standards spielt man heute nicht mehr, außer du bist das Keith Jarrett Trio. Es wurde ja schon so gut wie alles darüber gesagt und so weiter und so fort. Für mich bieten Standards harmonische Gerüste, welche oft eine gesangliche Melodie haben. Es ist toll, über diese harmonischen Gerüste und gebundenen Formen zu improvisieren und stets neue Wege zu finden damit umzugehen. Standards werden meiner Meinung nach immer aktuell sein. Das ist unser Gut, auf welches wir uns berufen, das wir benutzen und weiterentwickeln können. Lustigerweise habe ich beobachtet, dass diverse Bands in letzter Zeit ähnliche Standards-Projekte realisiert haben.

Noch eine Bemerkung zu Standards, die von dem Bremer Posaunisten Ed Kröger stammt, den ich bei einem Konzert vor längerer Zeit getroffen habe. Er sagte, dass es nicht auf das Was, sondern auf das Wie ankomme.

LS: Ja, dieser Satz entspricht auch meiner Grundhaltung. Darüber haben Lukas Mantel (Drummer vom Yves Theiler Trio) und ich vor zwei Tagen gesprochen. Es geht um das Wie; es geht um eine gewisse Haltung: Das ist Jazz.

Ich danke dir für das Gespräch.

Interview und Fotos: © ferdinand dupuis-panther

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