Triple Dip - Live in Paris 1 und 2
T
Blaser Music
Das Trio von Samuel Blaser, Russ Lossing und Billy Mintz ist basslos, soweit es den Kontrabass betrifft, der zu klassischen Jazz-Trios gehört. Nun ja, Samuel Blaser übernimmt halt die Tieftönigkeit und die dunklen Klangfärbungen in dem Trio. Das Album enthält den Mitschnitt eines Live-Konzerts in Paris.
„Twitch“ macht den Anfang des Live-Auftritts des Ensembles. Aus den Tiefen des Klangraums entwickelt der Pianist mit dunklen Sequenzen, die im Diskant auslaufen, das Stück. Samuel Blaser kommt als zweite Stimme hinzu, derweil der Pianist mit schnellen Schritten agiert. Auch der Posaunist ist den dunklen Tönen verpflichtet, aber nicht nur. Als Dialog entwickelt sich das Stück, hier der Pianist und dort der Posaunist, hier der Tastenfluss und dort ein Posaunist, der dem Pianisten Schritt für Schritt folgt. Im Hintergrund agiert der Drummer mit Umsicht. Das Stück hat Dramatik, die vor allem durch den Pianisten inszeniert wird. Im weiteren Verlauf vereinen sich der Posaunist und der Pianist in einem kontrastreichen Dialog. Basslastigkeit trifft auf Klanghelle. Trägheit des Klangflusses verbindet sich mit sprudelnden Klangformen, die durchaus an klassische Musik des 20. Jahrhunderts denken lassen, oder?
Der Posaunist eröffnet als Solist „Jingle“ und erinnert dabei an die Jazzposaunisten der Vergangenheit. Ob J.J. Johnson eine Rolle spielt, lassen wir mal offen, liegt aber nahe. Bedient sich Blaser bei seinem Spiel an New Orleans oder an Chicago-Jazz, das mag man sich fragen. Auf alle Fälle ist dieses Stück eher gebunden und aus dieser Gebundenheit ergeben sich Paraphrasierungen. Modern Jazz oder was - das stellt sich als zusätzliche Frage, oder? Auf alle Fälle ist dieses Stück von der melodiösen Durchwirkung geprägt. Energiegeladen agiert der Pianist und der Posaunist begibt sich stellenweise in die Rolle eines Bassisten. „Nervös“ gestaltet der Drummer seine Setzungen, so dass sich hier und da Swing-Momente ergeben. Irgendwie schwingt in dem Stück auch die Broadway-Revue mit entsprechender Musik mit.
Nicht Passacaglia, sondern „Blasercaglia“ heißt es zum Schluss des ersten Teils des Mitschnitts. Helle Klangtropfen lässt uns der Pianist hören. Neben den Klangspielen des Pianisten erleben wir die getragene Stimme des Posaunisten. Der Klang der Posaune vibriert, scheint zeitweilig gedämpft und das Gegenstück zu den teils kristallinen und perlenden Tastenkaskaden. Feines Gebläse-Säuseln erleben wir ebenso wie ein Tastenspiel, das einem Wasserspiel nahe kommt.
„Roundabout“ ist das erste Stück auf des zweiten Konzertteils, das aufgenommen wurde. Trockenes Schlagwerk trifft auf die Zweisamkeit von Piano und Posaune. Klangliche Wolkenwirbel erleben wir im Verlauf des Stück. Leitinstrument scheint das Piano zu sein. Beigabe ist das Gebläse von Samuel Blaser. Wiederkehrende Klangfragmente lassen durchaus einen Kreisverkehr entstehen. Hier und da bricht der Posaunist allerdings aus dem „Roundabout“ aus. Das Spiel der drei Musiker bekommt etwas Eruptives, auch etwas, das an Stop und Go erinnert.
In Basstiefen entführt uns Samuel Blaser solistisch in „Root Beer Rag“. Teilweise hört sich das Gebläse so an, als würde Samuel Blaser ins Mundstück sprechen und blasen. So entsteht ein „Jajajaja“ und ein dunkles Schwirren, das an einen schweren Flügelschlag eines fliegenden Käfers denken lässt. In helle Sphären des Klangs geleitet uns nachfolgend der Pianist. Und auch das Gebläse des Posaunisten nimmt helle Klangfärbungen an. Irgendwie hat das Stück dann im Folgenden etwas von Blues, von der Schwere des Blues. Tragik und im nächsten Moment Ausgelassenheit scheinen sich zu paaren. Wie konstantes Glockengeläut hören sich in der Fortsetzung des Stücks einige Passagen an, die Russ Lossing vorträgt. Doch dann nimmt das Bluesige seinen Lauf. Einen Dialog mit Zeitversetzungen erleben wir obendrein. Pianist und Posaunist sind in einer Helix miteinander verbunden, so der bildliche Eindruck.
„Triple Dip“ findet sich gleichfalls auf dem Album. Dabei ist das einleitende Solo des Drummers hervorzuheben, dessen Spiel teilweise so klingt, als würde er einzelne Basssaiten anreißen. Wirbel fügt sich an Wirbel, ohne Tempoverschiebung im großem Maße. Basslastig agiert der Pianist, und der Posaunist lässt Klangformen gleichsam auslaufen. Beide zuletzt genannten Musiker setzen „Klangdrippings“, ehe ein Fluss des Klangs zu hören ist, der an einen Jazz-Standard erinnert. Im Weiteren drängen sich Bilder von englischen Landschaften auf, wie sie u.a. John Constable und Thomas Gainsborough schufen. Stürmisch ist die Musik zudem. Es gibt nur ein Vorwärts wie in der Parforcejagd. Mit dem recht kurzen „A presto“ setzt das Trio den gekonnten Schlusspunkt.
© f. dupuis-panther 2026
BANDCAMP
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Musicians
SAMUEL BLASER - trombone
RUSS LOSSING - piano
BILLY MINTZ - drums
Tracks
Live in Paris 1
1. Twitch 09:45
2. Jingle 06:41
3. Blasercaglia 07:10
Live in Paris 2
1.Roundabout 07:39
2.Root Beer Rag 11:31
3.Triple Dip 10:34
4.A presto 01:11















