Trio Elf - Fram

Trio Elf - Fram

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Jazz aus der Oberpfalz, Jazz im Trio, Jazz mit Grenzüberschreitungen auch in Richtung Hip Hop und mit harten Techno-Beats – das, ja das bietet das Trio von Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug), Walter Lang (Piano) und Sebastian Gieck (Bass).

Jüngst befragt, antwortete Gerwin Eisenhauer bezogen auf seine Schlagzeugwirbel, die an einen Schlagzeugcomputer denken lassen, dass er schon ein Faible für Drum and Bass habe, aber eben doch keine menschgewordene Maschine sei: "Im Gegensatz dazu kann ich aber reagieren und interagieren. Das ist das, was einer Maschine fehlt und das, was den Sound von Trio Elf ausmacht.“ Streckenweise musste der Rezensent beim Hören des aktuellen Albums auch an LBT denken, eine Band, die den Jazz mit Techno, House und Hip-Hop anreichert und würzt. Übrigens das Hamburger Abendblatt charakterisiert Trio Elf wie folgt: „Trio Elf gehört zu einer neuen deutschen Jazzgeneration. War der Jazz zuletzt zur Lounge-Musik degradiert, entdeckt sie das, was den Jazz einst großmachte: Risiko, neue Sounds und Energieausbrüche.“ Und im Kontext einer Australien-Tour konnte man 2018 im Sydney Herald Morning lesen: „Germany’s Trio Elf were unashamedly extrovert, their music a fascinating blend of drum ‘n’ bass rhythms, lyrical melodies, startling dynamic shifts and electronic effects. The remarkable Gerwin Eisenhauer has been described as a drum machine come to life, but machines don’t radiate joy like Eisenhauer and his colleagues Walter Lang and Peter Cudek , building delicate pin pricks of sound into thumping pop euphoria in the blink of an eye.“ Für das aktuelle Album ist allerdings Peter Cudek nicht mehr der Bassist des Trios, sondern Sebastian Gieck!

Was wir mit „Fram“ aktuell hören, ist das achte Album des Trios, das im Jahr 2006 mit „Elf“ ihr Debüt gabe. Fram ist Norwegisch und mit „voran, vorwärts“ zu übersetzen. Das ist auch die Richtung des Trios: vorwärts, auch in Richtung von elektronisch beeinflusster Tanzmusik, obgleich das Trio rein akustisch unterwegs ist. Mit „Fram“ eröffnet das Album, gleichsam auch als Motto zu begreifen, also den Blick nach vorne richtend und immer zu neuen Ufern unterwegs. Nachfolgend hören wir „I wonder“, „Little brother“ und „Addicted“. Außerdem sind auf dem aktuellen Album Tracks wie „Halfmoon bay“, „An ode to Bach“ und schließlich als Schlussakkord „Afterglow“ zu hören. Die Tracks wurden im übrigen überwiegend vom Pianisten Walter Lang komponiert!

Bereits vom ersten Takt an hämmern der Pianist und der Schlagzeuger auf ihren Instrumenten. Stete dumpfe Beats sind auszumachen. Die Basshand des Pianisten ist ohne Frage dominant. Dumdum-klikcklick-klackklack – so lautmalerisch lässt sich beschreiben, was wir hören. Filmszene von einem Fliehenden, dessen Schritte auf Kopfsteinpflaster aufschlagen, kommen manchem Zuhörer in den Sinn. Die Botschaft des Stücks scheint: Vorwärts, vorwärts und nie zurück. Übrigens, kann man sich auch eine über eine Wiese galoppierende Herde wilder Pferde vorstellen, wenn die Musik ihren Fortgang nimmt. Unablässig agiert der Schlagzeuger mit harten Beats und reißt uns mit seinem „Trommelgepeitsche“ mit. Techno-Beats scheinen nicht weit von dem entfernt, was wir vernehmen. Zurückhaltender ist der Schlagzeuger zu Beginn von „I wonder“. Sonorer Bassklang liegt unter den kurz gehaltenen Tastenklängen, die nach und nach in elektronisch anmutende Schwingungen einmünden. Alles fließt, mit und ohne Übergänge. Ist da etwa auch ein Rhodes mit im Spiel? Oder wurde das Piano schlicht elektronisch moduliert? Feine Basslinien lässt der Bassist erklingen. Dabei treffen diese auf kristalline Strukturen, so der Eindruck. Und stetig ist der Schlagzeuger mit gespreiztem Klick-Klick unterwegs. Hier und da flammt dann wieder das sehr melodisch ausgeformte Thema auf, das im Verlauf klanglich immer mal übermalt wird. Redundanzen nehmen wir beim Spiel des Pianisten wahr, wenn „Little brother“ zu hören ist. Dabei verzahnen sich Bass- und Diskanthand, werden wir durch das Erzählende der Melodie mitgenommen, auch wenn die Basstöne und die aufreizenden Beats unser Augenmerk auf diese lenken. Darüber hinaus versteht es Walter Lang, lyrische Klanginszenierungen zu zelebrieren, dabei stets der Schönheit der Melodie verpflichtet. In Teilen hat man den Eindruck, man sehe vor seinem geistigen Auge einen kaskadierenden Strom, der kleine und große Stromschnellen besitzt.

„Halfmoon bay“ weist ein perlendes Klangspiel mit schwarzen und weißen Tasten auf. Dabei kann man den Eindruck gewinnen, man lausche einer klassischen Klavieretüde, sei Chopin im Geiste mit von der Partie. Mit gleichsam tänzerischer Leichtigkeit bringt Sebastian Gieck die Basssaiten zum Schwingen. So entsteht eine feine lyrische Melange. Nur wenn der Bassist seinen Tieftöner durch Bogenstriche anspielt, dann macht sich eine gewisse Melancholie breit. Dass nicht allein Jacques Loussier es versteht, Bach zu verjazzen, unterstreicht das Trio Elf in „An ode to Bach“. Allerdings muss man bei diesem Arrangement eher an Keith Emersons Rezeption von Bach als an Loussier denken. Und auch Ian Anderson kommt einem im Weiteren in den Sinn, abgesehen von der Spielweise des Trios um den leider viel zu früh verstorbenen Esbjörn Svensson. Schließlich mag der eine oder andere genau aufgrund der Referenz zu Bach auch Lars Danielssons Liberetto in den Sinn kommen. Alle Genannten teilen einen ähnlichen, an klassischer Musik orientierten Duktus. Zum Schluss noch ein Wort zum „Nachglühen“ („Afterglow“): Eher getragen breitet sich der perlende Klavierklang aus. Das Bild eines sich ausbreitenden Flussdeltas mit träge dahin fließendem Wasser blitzt als Assoziation auf. Bleche schwirren, und Tickticktick ist der Modus des Schlagwerkers. Die in anderen Stücken so prägnante Basshand von Walter Lang ist nahezu verschwunden. „Klanglicher Spitzentanz“ statt stampfendem Bassrhythmik ist für das „Abendleuchten“ – so eine weitere Übersetzung von „Afterglow“ – kennzeichnend. Und irgendwann schluckt die Dunkelheit der Nacht das „Abendleuchten“.

© ferdinand dupuis-panther


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http://walterlang.de/bands
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