Tonino Miano Trio – MOSS/electric

Tonino Miano Trio – MOSS/electric

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AUTRecords

Aus dem übersetzten Begleittext zum Album ist Folgendes zu entnehmen: „MOSS/electric entfaltet sich aus dem Bild des ... Mooses: eine stille, widerstandsfähige Präsenz, die sich über Oberflächen ausbreitet und unsichtbare Verbindungen zwischen dem, was oben ist, und dem, was darunter liegt, webt. Es suggeriert einen Abstieg in einen Bereich, in dem das Leben unbemerkt fortbesteht – dicht, uralt und still im Überfluss. Eine diffuse Lebenskraft durchströmt es – sie wächst, passt sich an, verknüpft sich. Das „Digitale“ fügt eine weitere Ebene hinzu: Ströme, Impulse, Schwingungen, die Raum und Materie durchqueren und entfernte Punkte miteinander verbinden. Innerhalb dieses Feldes interagieren Klavier, Kontrabass, Schlagzeug, Synthesizer und modulare Systeme als ein einziges Ökosystem. Klang zirkuliert, verzweigt sich, verwandelt sich – und wechselt dabei zwischen Abstraktion und flüchtigen, erkennbaren Formen. ….“.

 

Dieser Text umschreibt generell schon sehr gut das, was wir hören. Dabei zirkuliert die Musik zwischen dem Analogen wie dem akustischen Bass und seinen „Tiefgängen“ sowie den digitalen Spuren, die wir vernehmen. Perlende niedergehende Tropfen hören wir neben dem Klang von Klangschalen und einem aufdringlichen Schwirren zu Beginn von „Intro/Light Under the Tongue“. Der Rhythmus einer Sambaband erzeugt mit Bambusklangstäben, so scheint es, drängt sich nachfolgend auf. Sicherlich ist dies mittels Synth erzeugt worden, auch der Flötenklang, der in Schwirrgeräusche übergeht und dann wiederkehrend in einfachen Mustern zu hören ist. Beckenschwirren dringt ans Ohr des Zuhörers und elektronische Klangschwaden, die uns denken lassen, ein Tenorsaxofonist sei auch präsent. Klangbilder reihen sich an Klangbilder ergeben nach und nach ein impressionistisches Gemälde, lichtdurchflutet wie bei den Luministen. Im Nachgang agiert dann das Trio ganz klassisch, hört man die „Springprozession der Tasten“. Tonino Miano ist der Mann, der die Tastenwelt beherrscht. Dazu kommt die Begleitung von Riccardo Grosso (double bass) und Andrea Melani (drums). Beim Solo des Bassisten erleben wir nicht nur ihn mit „Umbrafärbungen des Klangs“, sondern auch den „Gesang einer singenden Säge“, so der Eindruck gegen Ende des Stücks.

„Moon Droplets on my Sleeve“ wird durch den Bassisteneingeleitet. Bei seinem Spiel hat man den Eindruck, er bringe uns die „Mond-Tropfen“ nahe. Der Pianist nimmt im Übrigen Bezug auf den Bassisten, derweil der Drummer hier und da seinen Trommelstock auf die Becken fallen lässt. Der Mann an den schwarzen und weißen Tasten ist gegen Ende des Stücks mit melodiös perlendem Spiel zu hören. Weiter geht es mit „Mycelium“. Da hören wir doch eine aufbrausende Posaune, deren Klang im nächsten Moment verhallt. Sicherlich wurde dazu das Synth genutzt, da ein Posaunist nicht aufgeführt wird. Klassisch agiert das Trio im Weiteren, auch wenn man hier und da erneut Posaunenklang hört. Das unterbricht den Tastenfluss, den wir nachhaltig hören. Dieser geht in Tastenturbulenzen über. Verwirbelungen vernehmen wir, auch vom Bass und Drummer. Unruhe wird signalisiert. Und was hat das mit „Wurzelwerk“ zu tun? Und zudem mit Moos? Myzelium ist bei Pilzen vorhanden, sonst bei keiner anderen Pflanze.

Nach „After Current“ lauschen wir der Komposition „Moss Electric“: Beckenschlag, Beckenschlag, Beckenschlag, präparierte Klaviertasten klingen, Gongs geben Laut, diskante Töne werden aufgereiht, Altsaxofon ist zu hören, digitale Irritation tritt auf. Hektisches Tiktiktik und entsprechende Tastenklänge vereinen sich. Und dann ist Schluss. „Wassertropfen“ dringen an das Ohr des Zuhörers ebenso wie Beckenschlag, wenn „Filament Drift“ zu hören ist. Gitarrensaiten werden angespielt, und ein E-Piano ist ebenso zu hören wie Klanggetrappel. Digitale „Zaubereien“ treffen auf analoge Verbundenheit. Hören wir da nicht auch ein elektronisches Vibra Zap und ein elektronisches Husch sowie Wurzlitzertöne? Man möchte es meinen. Mit „Chlorophilia“ und „Eight Minutes to the Sun“ geht es weiter, ehe wir am Ende mit „Outro“ einen musikalischen Nachschlag erhalten.

© ferdinand dupuis-panther 2026


https://www.autrecords.com/

Musicians
Tonino Miano: piano, synth, composition
Riccardo Grosso: double bass
Andrea Melani: drums

TRACKS
1) Intro/Light Under the Tongue 8:08
2) Moon Droplets on my Sleeve 3:05
3) Mycelium 5:34
4) After Current 6:46
5) Moss Electric 4:09
6) Filament Drift 5:15
7) Chlorophilia 5:56
8) Eight Minutes to the Sun 7:35
9) Outro 4:01
Music by Tonino Miano


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