Tobias Frohnhöfer -Dragon Boat
T
Laika Records
Zur Einstimmung: Nach dem Abitur studierte Tobias Frohnhöfer Jazz-Vibraphon an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim bei Tom van der Geld und Claus Kiesselbach. Während eines einjährigen USA Aufenthalts (2014-2015) in Connecticut (Wesleyan University) und New York City, studierte er Schlagzeug bei Pheeroan AkLaff, Ralph Peterson, Victor Lewis, John Riley, Vibraphon bei Jay Hoggard und South Indian Percussion bei David P. Nelson.
Im Oktober 2020 verlagerte Frohnhöfer seinen Lebensmittelpunkt nach Hamburg und absolvierte im März 2024 den Dr. Langner-Jazz-Master an der HfMT Hamburg. Dort studierte er Schlagzeug bei Holger Nell und Billy Hart, sowie Komposition bei Richie Beirach und Wolf Kerschek. 2021 gründete er sein neues Hamburger Jazz-Trio „Tobias Frohnhöfer Trio“ mit namhaften Musikern der Hamburger Jazzszene, Boris Netsvetaev (piano) und Tilman Oberbeck (Bass). Zusammen mit Star Trompeter Alex Sipiagin als Special Guest nahmen sie im September 2022 das Album “Dragon Boat” auf. Erschienen ist das Album 2026. Manchmal dauert es seine Zeit zwischen Aufnehmen und Herausgeben!
Das Titel gebende Stück Dragon Boat wurde vom gleichnamigen chinesischen Volksfest inspiriert. „Als ich das Stück geschrieben habe, hatte ich schnell das Bild eines Drachens auf einem Boat, auf einem nebligen See im Kopf“, erzählt Frohnhöfer. Das Motiv des Reisens und des Ankommens in neuen Ländern und Umgebungen spielt eine zentrale Rolle in der Konzeption der sieben Stücke, welche die emotionale Klammer dieser musikalischen Erzählung bilden.“ Das sind einige Zeilen aus dem Pressetext zum Album, das teilweise kompositorisch durch den Unterricht bei Richie Beirach geprägt ist – siehe die nachstehend drei genannten Kompositionen.
Aufgemacht wird das Album durch eine Suite, die mit dem Titel „Nankan Ride“ beginnt, gefolgt von „Wawa“ und „Dragon Boat“. Der Trompeter prägt in dem Eröffnungsstück des Albums sehr nachhaltig die Klangfärbung. Anzumerken ist, dass auch der Bandleader und Drummer des Trios seine Momente gegen Ende des Stücks bekommt. Weichgezeichnete Trompetenklänge dringen ans Ohr des Hörers, wenn „Wawa“ erklingt. Lyrisches und Balladenhaftes paaren sich in diesem Stück, in dem der Pianist im Gegensatz zum ersten Stück an einem Flügel und nicht an einem Keyboard Tastenklänge hören lässt. Intensiv ist das Rauschen der Becken. Boris Netsvetaevs Tastenspiel lässt durchaus an romantische Musik der Klassik denken. Da sprudeln die Klänge und rinnen langsam dahin. Lauscht man den Weisen, die der Trompeter vorträgt, so gewinnt man das Bild der sogenannten blauen Stunde bzw. der nächtlichen Stadt, in der nur noch wenige wach sind. Schließlich wird die Suite mit dem Titel „Drachenboot“ abgerundet. Gemäßigt ist das Tempo mit dem sich das „Drachenboot“ bewegt. Wird der Wellenschlag etwa durch das Spiel des Trompeters imitiert? Was man nicht vernimmt, ist der Trommelschlag, der dazu dient, die Paddler im Boot in den richtigen Rhythmus zu bringen. Fein gestimmt ist der Kontrabassist, der in einem Solo zu erleben ist. Und weiter geht es mit dem synchronen Eintauchen des Stechpaddels, so ein Bild, das sich beim Hören aufdrängt.
Das Klavierspiel in „Black Hole“ ist energiegeladen. Man möchte gar das Bild von Funkenflügen bemühen, um das bildlich zu beschreiben, was wir hören. Davon kann man sich vor allem ein Bild beim Solo von Boris Netsvetaev verschaffen. Da hat man zudem den Eindruck, Tastenklänge würden sich wie Wellen durch den Raum bewegen, begleitet von Beckenrauschrn und überlagert von dem bewegten Trompetenspiel von Alex Sipiagin. Nach „Still Sure“ folgt dann „Talk Too Much“. Dabei bekommt der Bassist Tilman Oberbeck genügend Spielraum, derweil er ja in anderen Stücken eher eine „Nebenrolle“ einnimmt. Krönender Abschluss des Albums ist der Titel „You Make A Mistake“. Fazit: Das Album ist kein Einerlei und kein Klangbrei, sondern sehr differenziert in jeder Komposition, auch im Hinblick auf die Spielanteile der einzelnen Musiker und der Klangfärbungen.
© ferdinand dupuis-panther, 2026
Musicians
Tobias Frohnhöfer
Tilman Oberbeck
Alex Sipiagin
Boris Netsvetaev
















