Tim Sund electrified – The Future On Our Doorstep

Tim Sund electrified – The Future On Our Doorstep

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SIGNAL SOURCE MUSIC

Tim Sund (Keyboards und Synthesizers), Alex Will (E-Bass) und Jonathan Gradmann (Schlagzeug) kennen sich seit vielen Jahren und haben schon in der Progressive-Rock-Band „Green Desert Tree“ zusammengespielt. Nun also legen sie ein aktuelles Album vor und über die besondere Bandmelange erfahren wir im O-Ton Folgendes: „Joni und Alex sind für mich das, was Dave Weckl und John Patitucci für Chick Corea waren. Eine Rhythmusgruppe, der man seine Kompositionen auf den Leib schreiben kann.“ So äußert sich Tim Sund zu seinen Bandkollegen.

Wuchtig, rockig und mit vielfarbigen Klangteppichen versehen sowie orchestral ist das Album ausgerichtet. Bisweilen meint man, Referenzen an The Nice und Keith Emerson wahrzunehmen, auf alle Fälle zu Jazz Rock vom Feinsten. Da gibt es keinen elektronischen Überfluss, kein gekünsteltes „Klangköcheln“ mit viel Synth- und Moog-Einsatz, sondern eine Melange aus handgemachter Musik und elektronischen Phrasierungen, vor allem wenn Tim Sund wie in „Lyle Travels“ die Tasten des analogen Flügels (?) antippt und nachfolgend in Klangwellen von Keyboards eintaucht. Es ergießen sich dann klangliche Gezeitenströme, vernimmt man durchaus auch Anklänge an Sphärisches, ohne dass Ambient Music präsentiert wird. Das gilt unter anderem für „The Future on our Doorstep“, also für eine musikalisch umgesetzte Frage nach dem Wohin des Blauen Planeten. Zugleich, so liest man es im Booklet, ist dieses Stück den Kids von Friday for Future gewidmet, die die ungewisse Zukunft unserer Erde umtreibt. Übrigens hier und da muss man bei diesem wie anderen Stücken auch an die Kompositionen von Mike Oldfield denken.

Aufgemacht wird das Album mit „Emersonia“. Beim Hören muss man dabei an Filmmusik denken, gelegentlich auch an „Shaft“. Wie man im Booklet erfahren kann, ist dieses Stück eine Hommage an den aus Tim Sunds Sicht virtuosesten Orgelspieler der Rockära: Keith Emerson. Und weiter lesen wir im Booklet: „Upon listening in school to ELP’s “Pictures at an Exhibition”, when I was about 12, I knew that I wanted to dedicate my life to making music. Keith’s amalgamation of rock, jazz and classical music as well as his innovative use of synthesizers looked like the blueprint of my own musical path.“ Nicht nur in diesem Stück, sondern mit dem gesamten Album ist Sund diese Verschmelzung von Genres wie Jazz, Rock und Fusion gelungen.

Bei „F Minor Trip“ vermischen sich elektronische Klangstrudel mit analogem Pianotasten-Klang und dunklen Bassinterventionen. Nach und nach wird ein vielfarbiger Klangteppich ausgebreitet, der uns gleichsam wie ein fliegender Teppich in ungeahnte Sphären bringt. Sind da nicht auch Synth-Klänge zu vernehmen, die an modulierte Flöten bzw. Oboen denken lassen? Kurzwelliges breitet sich aus. Ab und an erleben wir auch ein rauschendes Zischen und „statische Entladungen“ sowie ein nachdrückliches Wau-Wau. Elektrisch verstärktes und verfremdetes Vibe Lap oder was? Und ist da nicht auch eine Orgel zu hören, deren hohe Register gezogen werden? Übrigens, ein Schelm, wer beim Zuhören nicht auch an Can oder Kraftwerk denken muss.

Das Tastenspiel, das wir bei „Artanis“ erleben, zeugt von Dramatik, scheint wie ein nach und nach erkaltender Lavastrom des Klangs. Und dann ist da auch wieder der Klang einer Hammondorgel, so wie sie in der Vergangenheit Keith Emerson und Brian Auger spielten. Dann vernimmt man Gestisches, wie es auch bei den Künstlern des Informel zu finden ist. Farbige Sgraffitos werden obendrein aneinander gefügt. Theatralisch ist gewiss das, was wir hören.

Bei „Walking in the Sonic Field“, dem am stärksten sphärisch ausgerichteten Stück des Albums, ist tatsächlich ein Moog mit im Spiel: „Within the mixing process of the album I acquired a Moog Matriarch and started playing around with its modular possibilities. The spacy stereo atmosphere of this step sequence inspired me to add other synths on top of it and take a walk in the sonic field," so Tim Sund. In der Weite des Universums entschwinden modulierte und geschichtete Klangfragmente, von denen man den Eindruck gewinnt, sie seien auch mittels im Off entschwebenden Vibrafonklangs und Gitarren-Wimmern zustande gekommen. Zischen und Donnerhall sind außerdem auszumachen, von Klangredundanzen mal abgesehen. Was für ein klangliches Finale eines sehr hörenswerten Albums!

© fdp2023




Line-up

Tim Sund – keyboards
http://www.timsund.com
Alex Will – electric bass
Jonathan Gradmann – drums


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