The Vampires feat Chris Abrahams – Skydancer
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Earshift Music
Seit zwei Jahrzehnten gibt es die Band The Vampires. Im Text zum Album auf Bandcamp lesen wir: „Across eleven tracks, Skydancer explores The Vampires’ fascination with time, melody, and texture. It’s a record that consolidates the group’s evolution: a sound that feels both familiar and freshly redefined. The music unfolds organically, weaving rhythmic intricacy with atmospheric production and a deep sense of place. Whether through the reflective pulse of Asiago, the ambient shimmer of South Coast Noir, or the cinematic sway of Spirit, The Vampires draw listeners into a world that is immersive, rhythmic, and emotionally resonant.“ Und im O-Ton Jeremy Rose über die Art der Aufnahmen im Studio: “Each of us recorded additional parts, layering horns, synths, and percussion, but always with restraint. The challenge was to create new worlds without losing the immediacy that defines the band.” Das mag mal als O-Ton genügen und nun zum Album.
Aufmacher ist „Asiago“. Bereits in diesem Stück offenbart die Band eine spezifische, durch die Bläser geprägte Klangwelt. The Vampires sind im australischen Jazz vielleicht das, was im Rock, Midnight Oil oder Man at Work sind/waren. All diese Bands erkennt man nach den ersten Takten. Da ist das volle Tutti; da ist eine unbeschwert und losgelöst klingende Musik bei The Vampires; da ist das Wechsel- und gemeinsame Spiel von Nick Garbett und Jeremy Rose. Vielleicht könnte man in Anlehnung an den Fjord Sound von Jan Garbarek vom Pacific Sound von The Vampires reden, die ähnlich wie Garbarek die Weite der Landschaft, hier das Outback oder Mallee Country durch entsprechend angelegte Klangbilder „beschwören“. Angesichts des Zusammenspiels des Trompeters und Saxofonisten, so auch in „Unfinished Dream“, meint man gar, hier und da auch Randy und Michael Brecker als Paten dechiffrieren zu können.
Was die Musik ausmacht ist der Tatbestand, dass sie dank der Rhythmik tanzbar ist. Lassen etwa The Vampires zudem in ihrer Musik den Geist von „the lucky country“ auferstehen? Dafür hielt man Australien jahrzehntelang. „Happy music“ hören wir auf alle Fälle. Die Alltagssorgen verfliegen beim Hören, auch wenn „Desperation“ auf dem Programm steht. Die Musik gleicht einem „Fliegenden Teppich“, auf dem man in ferne Welten segeln und dem Alltag entfliehen kann. Begleiter dabei sind Jeremy Rose und Nick Garbett nebst Mitmusikern. Wir tauchen gerade im zuvor genannten Track tief in fein gestaltete „synthetische Klangbilder“ ein, über die sich die Stimmen der Bläser erheben, mit eingängigen thematischen Melodien, die im Gedächtnis bleiben. Chorgesang mit mehreren sich abwechselnden Stimme ist vielleicht die angemessene Beschreibung dessen, was wir hören. Bläserkanon könnte man auch dazu sagen.
Nach „Mr Gadabout“, „South Coast Noir“ und „Lofti Life“ folgt dann „Skydancer“. Aufgemacht wird das Stück mit einem distinkten Klack-Klack des Drummers. Die Rhythmik nehmen die Bläser in ihrem Spiel auf. Man könnte meinen, man erlebe tatsächlich die Schrittfolge eines Tanzes. Doch ein „Skydancer“ ist eine aufblasbare Puppe, die in der Luft tanzt und zumeist Werbeträger ist. So ist das, was wir hören, eher die Bewegung der Puppe im Wind. So gibt es auch in der Musik ein Hier und Da, ein Hin und Her zu erleben, auch dank Nick Garbett an der Trompete. Sonor ist das Gebläse von Jeremy Rose, auf das sich Garbett mit Trompetenexkursionen bezieht. Und im Hintergrund gibt es konstantes Tack-Tack bzw. Klack-Klack zu hören.
„Stillness in Motion“ eröffnet mit einem wohl vom Synth geschaffenen Klanggewebe und einem Bläser im Off. Das, was man als zarten Orgelklang vernimmt, ist wohl auch dem Synth geschuldet. Sonor und in Klangtiefen sich ausbreitend ist die Bassklarinette, die Jeremy Rose anstimmt. Kontrapunkt dazu ist ein zartes Gebläse im Off. Ja, es gibt einen Bassisten im Quartett, denn sonst wäre die Eröffnung von „Spirit“ nicht gelungen. Doch wie in anderen Stücken von The Vampires sind es die Bläser die den Ton angeben und diejenigen, die „sonnige und schattige Klangfärbungen“ entstehen lassen. Beschwingt ist das Trompetensolo, das an unser Ohr dringt. Zwiesprache mit dem Saxofonisten ist angesagt. Im Hintergrund vernehmen wir ein dahin schwebendes Synthklangbild. Ist bei dem genannten Stück nicht auch ein bisschen Funk mit im Spiel? Mit „Whisper Gently, Stay Strong“ findet das Album seine grandiose Vollendung.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Jeremy Rose tenor sax, bass clarinet, synthesizers
Nick Garbett trumpet
Noel Mason bass
Alex Masso drums
Tracks
1. Asiago
2. Unfinished Dream
3. Desperations 04:51
4. Mr Gadabout
5. South Coast Noir
6. Lofi Life
7. Skydancer
8. Stillness in Motion
9. Spirit
10. Pitah
11. Whisper Gently, Stay Strong
















