Ten Part Invention - Time is Moved

Ten Part Invention - Time is Moved

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ABC Music

Ten Part Invention wurde 1986 vom legendären australischen Schlagzeuger, dem verstorbenen John Pochée OAM, gegründet. Das aktuell vorliegende Album ist das fünfte Album der Band und ihr erstes seit über zwanzig Jahren. „Time is Moved“ enthält Erstveröffentlichungen wegweisender Kompositionen von Miroslav Bukovsky, Sandy Evans und dem verstorbenen Roger Frampton und führt den Hörer mit neuen Stücken von Miroslav Bukovsky, Andrew Robson und Paul Cutlan in die Gegenwart.

Seit dem Jahr 2000 sind fünf neue Mitglieder zu Ten Part Invention gestoßen, die das Erbe der Gründungsmitglieder weiterhin mit großer Leidenschaft fortführen. Dieses Erbe wird zudem in Evans’ ergreifender Hommage an Frampton, „The Invisible Man“, und in Andrew Robsons „Hymn for John“ gewürdigt, einer Hommage an den Gründer von Ten Part Invention, John Pochée. Die Entwicklung der Musik auf dieser aktuellen Aufnahme von ABC Music wurde zudem maßgeblich von der Kreativität von Paul McNamara beeinflusst, der von 2000 bis 2022 als Pianist bei Ten Part Invention tätig war.

Mit „For John“ (comp Andrew Robson) beginnt das Album. Wir hören ein Lamento für den verstorbenen Musiker John Pochée. Die Klangfärbung ist dunkel, der Duktus getragen. Beim Saxofonsolo gewinnt man als Zuhörer den Eindruck, man sitze in einem weiten gotischen Kirchenschiff und lausche den Klangbildern, die Andrew Robson am Altsaxofon zu verdanken sind. Dass man beim Zuhören an einen Kirchenpsalm denken muss, scheint naheliegend. Sandy Evans nimmt in ihren Trompetensequenzen das auf und paraphrasiert das, was wir vom Altsaxofonisten gehört haben. Und auch bei Ihrem Solovortrag muss man an einen kirchlichen Posaunenchor denken. Wenn man im weiteren die Bläser spielen hört, dann drängt sich das Bild auf, dass am Ende der Totenmessd der Sarg aus der Kirche geleitet wird. In den Setzungen bündeln sich Trauer und Schmerz. Und das ist so gänzlich konträr zu den Trauerfeierlichkeiten in New Orleans, wenn das Ereignis auch ein Grund zur Freude und Ausgelassenheit ist. Zu erwähnen ist schließlich noch das Solo des Posaunisten. Er scheint noch einmal das Leben von John Pochée in allen Nuancen Revue passieren zu lassen.

Nachfolgend hören wir „Nock On Effect“ (comp Paul Cutlan) mit Solos des Drummers Rease Cameron, des Trompeters Miroslav Bukovsky und des Bassisten Steve Elphick. Starke rhythmische Linien dringen an unser Ohr, wenn auch nicht vom Drummer, sondern von den Bläsern des Ensembles, die wiederkehrende Motive hören lassen, so als würden Jazzer Techno in die eigene Sprache umsetzen. Getragenere Passagen erleben wir und auch ein stetes Beckenrauschen, dank an den Drummer. Miroslav Bukovsky ist es, der uns mit seinem Trompetensolo einnimmt. Es scheint über dem Rest der Mitmusiker zu schweben, gleicht musikalischen Cirruswolken. Und ja, dann ist wieder das Thema präsent, wenn auch mit Abweichungen. Das Tempo flacht ab, erhebt der Posaunist sein dunkles Timbre und trifft auf die Stimme des Saxofons. Orchestrale Klangfülle ist obendrein zu erleben. Teilweise hat man den Eindruck, man könne mit einigen Passagen einen Mantel-und-Degen-Film musikalisch untermalen. Ein klanglicher Ohrenschmaus ist das Solo des Bassisten, der sich nicht in Schwarznuancen, sondern eher in „Ockerfärbungen“ auslässt.

Crescendo und Klangrausch macht den Beginn von „Never Been To KC“ aus, ehe das Ensemble dann durchaus ins Fahrwasser der bekannten Big Bands abdriftet. Man hat sogar eher den Eindruck, Ten Part Invention agiert hier als eine Tanzband aus den 1940er und 1950er Jahren, als Tanzen und Jazz im Gegensatz zur Bebop-Ära kein Gegensatz war. John Mackey bringt am Tenorsaxofon alles mit, was man von einem Solisten in Bezug auf das genannte Genre erwartet. Dabei klingt schon ein wenig an, was sich abzeichnet: Jazz wird als Popmusik von Rock ´n Roll verdrängt. Im Übrigen weiß auch der Trompeter Warwick Alder solistisch zu brillieren. Selten genug gibt es in Großensembles Raum für den Bassisten, der zumeist Staffage bleibt, doch bei Ten Part Invention ist es anders, auch wenn das Solo des Bassisten sehr kurz ausfällt.

Zum Schluss des Vol 1 des Albums hören wir schließlich „Prelude To Night And Water“ (comp Miroslav Bukovsky) beginnend mit einem Solo des Pianisten Kevin Hunt. Es ist ein opulenter Klangreigen, der an unser Ohr dringt. Beinahe fragil mutet an, was Andrew Robson mit seinem Altsaxofon spielt. Und dann wird es orchestral und klangvoll im wahrsten Sinne. Dabei meint man erneut, das Ensemble begebe sich ins Fahrwasser von Big Band-Jazz. Doch durch die Soli wird dieses Bild korrigiert und das macht auch den Reiz der Musik von Ten Part Invention aus.

Mit „Time Is Moved“ (Miroslav Bukovsky) erleben wir den Beginn vom „zweiten Set“. Tastenklang vereint sich mit dem dunklen Timbre des Posaunisten und dem Gebläse des übrigen Ensembles. Nein, das Ensemble und Miroslav Bukovsky scheinen weniger eine schnelllebige Zeit im Sinn gehabt zu haben, als das Stück entstand. Vielmehr schleicht die Zeit dahin. Nur kurz sind eher „hektische“ Zeiten. Klangwellen dringen an unser Ohr, dank an den Posaunisten, der auch in den „orchestralen Passagen“ stimmlich führt. Einer surrenden Biene gleicht das Spiel des Klarinettisten Paul Cutlan, jedenfalls in Teilen. Das ist alles unaufgeregt und eher im Gleichklang der Zeit zu sehen, auch wenn es ins Tutti geht.

Mit scheinbar gängigem Big-Band-Klang weiß „Expletive Included (comp Roger Frampton)“ zu überzeugen. Doch im Gegensatz zu klassischen Big-Bands, die einer ritualisierten Abfolge der Soloeinlagen nachgehen, ist dies bei Ten Part Invention anders. Die Soli sind nicht berechenbar, sondern entwickeln sich organisch, auch wie im vorliegenden Stück im Zwiegespräch zwischen der Solostimme und dem Tutti. Weiter geht es mit „The Invisible Man“ (comp Sandy Evans). Sehr lyrisch ist der Beginn des Stücks und mit getragenem Tempo daherkommend. Zugleich haben wir beim Hören die Orchester der Vergangenheit im Ohr, in Deutschland z.B das von Kurt Edelhagen, und ansonsten das von Duke Ellington und anderer us-amerikanischer Granden des Jazz. Sehr beeindruckend ist das dahin schwebende, teilweise kristalline und dahin sprudelnde Tastenspiel von Kevin Hunt. Doch dieses wie auch das Solo des Trompeters Warwick Alder und des Bassisten Steve Elphick sind nur Zwischenspiele, Interventionen, Klangbrücken zwischen den Tutti-Einsätzen. Sie brechen den orchestralen Monolith Ten Part Invention auf und das ist wahrlich der besondere Reiz der zuhörenden Musik.

Mit „Bittersweet And Cry“ (comp Sandy Evans) und „Nostalgia (Isn’t What It Used To Be)“ (comp Miroslav Bukovsky) findet das Album einen sehr gelungenen Abschluss. Präsentiert werden „klangliche Drippings“ aus Down Under, und die sollte man sich nicht entgehen lassen.

© ferdinand dupuis-panther 2026


Info

BANDCAMP

Ten Part Invention Line-up
Miroslav Bukovsky (Co-musical director) trumpet – all tracks except Hymn For John: flugelhorn
Sandy Evans (Co-musical director) tenor sax – all tracks except Nock On Effect: soprano sax
Paul Cutlan (Co-musical director) baritone sax – all tracks except Time Is Moved: clarinet & flute and Nostalgia: bass clarinet; plus sopranino sax on Never Been To KC and Expletive Included, and flute on Bittersweet And Cry
Andrew Robson alto sax
John Mackey tenor sax
Warwick Alder trumpet
James Greening trombone – all tracks; plus trumpet on Nostalgia
Kevin Hunt piano
Steve Elphick bass
Rease Cameron drums

Special guest: Dane Laboyrie lead trumpet: Expletive Excluded, The Invisible Man, Bittersweet And Cry

Tracks

Volume 1
1 For John (Andrew Robson) 9’35
Solos: Sandy Evans trumpet, James Greening trombone, Andrew Robson alto sax

2 Nock On Effect (Paul Cutlan) 9’16
Solos: Rease Cameron drums, Miroslav Bukovsky trumpet, Steve Elphick bass

3 Never Been To KC (Miroslav Bukovsky) 9’21
Solos: Kevin Hunt piano, John Mackey tenor sax, Warwick Alder trumpet, Steve Elphick bass

4 Prelude To Night And Water (Miroslav Bukovsky) 9’15
Solos: Kevin Hunt piano, Andrew Robson alto sax, Rease Cameron drums

Volume 2
1 Time Is Moved (Miroslav Bukovsky) 9’39
Solos: James Greening trombone, Paul Cutlan clarinet

2 Expletive Included (Roger Frampton) 9’07
Solos: John Mackey tenor sax, Warwick Alder trumpet, Paul Cutlan sopranino sax, Rease Cameron drums

3 The Invisible Man (Sandy Evans) 11’04
Solos: Kevin Hunt piano, Warwick Alder trumpet, Steve Elphick bass

4 Bittersweet And Cry (Sandy Evans) 7’10
Solo: Sandy Evans tenor sax

5 Nostalgia (Isn’t What It Used To Be) (Miroslav Bukovsky) 8’28
Solos: Andrew Robson alto, Sandy Evans tenor sax, James Greening trombone, Paul Cutlan bass clarinet, Kevin Hunt piano, Steve Elphick bass, Rease Cameron drums


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