Tania Giannouli, Nik Bärtsch – Metakosmos
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Fuga Libera/outhere Music
Aus der Feder von Volker Doberstein die nachstehenden Zeilen zur Charakterisierung dessen, was wir musikalisch erwarten können: „The music of the two master pianists, Nik Bärtsch and Tania Giannouli, in this extraordinary duo follows – both sonically and spiritually – a philosophy that might be described as pure, unintentional giving. This music inscribes itself entirely organically into life and its conditions as a harmonising element and symbol of a natural beauty that culminates in a synaesthetic experience. Over Giannouli’s beguilingly sparkling melodies – which at times possess the evocative quality of film music – Bärtsch weaves a tapestry of dark rhythms, leading to a condensation and superimposition of the senses, until this music is ultimately perceived as a warm, earthy flavour on the tongue.“
„Willow Wind“ ist das Eröffnungsstück. Dabei vermeint man, wiederkehrende Gitarrenklänge zu hören und zudem dumpfe Piano-Akzente, die an Pauke oder Basstrommel denken lassen. Hell und kristallen ist das was wir nachfolgend vernehmen. Die Frage ist nur, wie der Gitarrenklang zustande kommt. Werden da die verspannten Saiten im Flügelinneren so angerissen, dass man an eine Gitarre denken muss? Uns begleitet in diesem Stück aber auch der Klang des Zerbrechlichen. Bassklänge werden wohl nicht nur mit der entsprechenden Taste, sondern auch durch Saitenspiel im Flügelinneren erzeugt. Dumpfe Schläge sind im Übrigen auch am Ende des Stück zu vernehmen.
Sehr rhythmisch geht es bei „Then When“ zu. Da weder Harfe noch Bariton-Gitarre im Spiel sind, werden die entsprechenden Klangfärbungen rein durch das entsprechende Saitenspiel im Flügel möglich. Die Wiederkehr des Rhythmischen hat auch etwas von Techno. Die angetippten Tastenklänge sind Klangfragmente, mal im Bass, mal im Diskant. Umspielungen sind zu vernehmen und nachdrücklich der stete Rhythmus, der im Klang an ein Cello oder Bass erinnert, der angeschlagen bzw. gezupft wird. Lyrisches ist zu vernehmen, das aber nicht ausgespielt wird. Bruchstellen werden durch die beiden Pianisten offen gelegt: hier das Rhythmische und dort die Klangfragmente. Im Verlauf ist es das Ringen um das Harmonisieren, das in dem Stück auszumachen ist. Signalgleiche Klänge vernimmt man, die im „Bassgewand“ aufgehen; dann ist Schluss.
Fließende Linien mit Folklore-Anlehnungen stoßen bei „Intonal“ auf ein Klack-Klack und angerissene Saiten, die an das Spiel auf einem Hackbrett bzw. Santur erinnern. Derweil umfängt uns eine „sommerlich erscheinende Melodie“. Man könnte gar beim Zuhören meinen, hier sei ein Volkslied aufgegriffen worden. Im Weiteren treffen Bassklänge auf teilweise angerissene Saiten, die hier und da auch an eine Bouzouki denken lassen. Je länger wir zuhören, desto mehr ist die Verquickung von „Bassgedröhne“ und melodischer Saiten-Sprache zu erleben. Immer im Kopf müssen wir haben, dass zwei Flügel bespielt werden, kein anderes Instrument. Gewiss dürfte einer der Flügel präpariert worden sein oder im Spiel präpariert werden. Ohne Frage gelingt es den beiden Musikern einen Gesamtklangkörper zu inszenieren, der das Spektrum der beiden Instrumente widerspiegelt. Fulminant!
Weitere Tracks sind „Electric Sea“ und „Spiral Spirit“. Ruhig beginnt der Gesang über die „Electric Sea“. Da ist kein Getöse, keine Gischt, kein Wellenschlag zu spüren. Vielmehr rinnen die Wellen an der Küste sacht aus, so ist jedenfalls die „musikalische Botschaft“. Steter Wellenschlag wird im Vortrag auch suggeriert, doch kein Malstrom oder irgendwelche Monsterwellen. „Spiral Spirit“ beginnt mit niedergehenden Schlägen und einer verspielten Melodielinie. Wird da etwa wie bei der armenisch-australischen Pianistin Zela Margossian ein armenisches Volkslied interpretiert? Man höre mal zum Vergleich Margossians Album „Remedy“! Ich hoffe, die beiden Musiker sehen mir diesen kurzen Verweis nach.
Wie klingt wohl ein “Glass Labyrinth“, wenn es zwei Pianisten klanglich darstellen? Lyrisches Spiel ist zu vernehmen, aber auch harte Schläge auf Holz und Meeresrauschen, oder? Im oberen Diskant werden Tasten angeschlagen. Eine Art Miniatur wird wiederkehrend zu Gehör gebracht. Dazu hören wir Paraphrasierungen. Auch das gelegentliche „Meeresrausches“ ist Teil der Präsentation. Fragile Klänge dringen zudem an unsere Ohren. Momente der Wiederholung sind charakteristisch für das Stück. Doch was verbindet das mit „Glass Labyrinth“? Nach „Door 13 / Pink Athens“ folgt dann der „Schlussakkord“: „Bela’s Move“. Spielt das etwa auf eine Arbeit von Béla Bartók an? Unabhängig von dieser Frage, muss man konstatieren, dass auch in diesem Stück nachhaltig harte Rhythmik eingewebt ist. Der Tastenfluss bleibt in dem Rahmenwerk von starker Rhythmik und entwickelt sich dynamisch-feurig. Wie ein feuriger Tanz, oder?
© ferdinand dupuis-panther 2026
Fuga Libera
Outhere Music
Musicians
Tania Giannouli, Nik Bärtsch - pianos
Tracks
1. Willow Wind
2. Then When
3. Intonal
4. Electric Sea
5. Spiral Spirit
6. Glass Labyrinth
7. Door 13 / Pink Athens
8. Bela’s Move
Composed, arranged and performed by Tania Giannouli and Nik Bärtsch
















