Jazz Today - Samuel Blaser Trio

Black Box Münster 24. April 2026





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Zur Einstimmung: „Der französische Gitarrist Marc Ducret teilt eine langjährige musikalische Geschichte mit dem Schweizer Posaunisten Samuel Blaser und dem litauischen Saxophonisten Liudas Mockūnas – ob als Duo, Trio, Quartett oder in gemeinsamen Projekten wie Lady M, Metatonal und ICI. Erst im Oktober 2022 jedoch fanden die drei zu diesem Trio zusammen, um ihre unterschiedlichen musikalischen Sensibilitäten zu vereinen.“, so liest man es auf der Homepage der Black Box Münster.

„Trotz ihrer langjährigen Bekanntschaft ist es ein neues Abenteuer, geprägt von all der Musik, die sie auf ihren diversen Wegen gesammelt haben, und von den unzähligen gemeinsamen Momenten und Erinnerungen der letzten zwei Jahre.“ So lauteten einige zusätzliche Zeilen in der Konzertankündigung. Fürwahr, es war ein Abenteuer, eine Klangreise mit Höhen und Tiefen, mit leisen und lauten Klängen, mit Eruptionen und klanglichem Lavafluss, mit Feuerknistern und Feuersbrunst.

In der kurzen Einleitung zum Konzert wurde darauf hingewiesen, dass das Konzert ein Release-Konzert zur Platte „Twisted Summer“ ist und zudem eine Premiere, weil in der aktuellen Formation zuvor noch nie zusammen gespielt wurde, in anderen wohl, wie Marc Ducret mit Samuel Blaser im Rahmen von Jazz Today in der Black Box – siehe Link im Anhang.


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Wenn auch ein Trio in der Black Box stand, so gab es auch Solistisches und vor allem aber Dialogisches zu hören, so zwischen dem Saxofonisten und dem Posaunisten. Durchdringend wie eine Kirchenorgel in einem gotischen Kirchenschiff klang die Posaune, mit der Samuel Blaser auch die Tiefen des Klangs auslotete. Energiegeladen war das, was uns der Saxofonist vortrug. Teilweise meinte man, das eine der beiden Instrumente sei eine Art Widerhall des anderen. In das Dialogische schaltete sich Marc Ducret ein, machte mit metallischen Klängen auf sich aufmerksam. Schrill, angesäuert, ätzend … so klang teilweise das, was der Gitarrist auf seiner kleinen Reise-E-Gitarre spielte. Bisweilen meinte man, man erlebe Industrial Noise, auch wenn melodische Fragmente gleichfalls auszumachen waren. Brüche und Umbrüche zeichnete das Spiel von Marc Ducret ohne Frage aus. Eher überraschend war nachfolgend der Fanfaren-Set, den die beiden Bläser anstimmten. Das zeigte dann die Nähe zu einer traditionellen Blaskapelle bzw. Brass Band.

Durchaus bedächtige Passagen ohne Gebläse- Schwall und Klang von eruptiver Qualität drang an die Ohren der Zuhörer. Auf Raumwirkung und das Füllen eines Klangraums waren die drei Musiker durchaus aus.


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Im Fortgang des Konzerts meinte man, es werde Guggenmusik gespielt. Das ist eine stark rhythmische, meist absichtlich "schräg" oder mehrstimmig arrangiert gespielte Blasmusik, die traditionell zur schwäbisch-alemannischen Fasnacht in Süddeutschland und der Schweiz gehört. Doch auch dieser Höreindruck war nicht lang andauernd. Und auch kurze Anleihen in der Kirchenmusik hörte man aus dem Spiel von Samuel Blaser heraus, oder? Marc Ducret unterstrich mit seinem gekonnten Saitenspiel, auch phasenweise mit Moog, dass eine Gitarre jaulen, klagen, wimmern, brüllen, triumphieren und wie vibrierendes Blech scheppern kann.

Gänzlich ungebunden und in freier Entfaltung war die vorgetragene Musik nicht. Selbst etwas Choralklang war für Momente zu hören. Derweil schien es, dass der Gitarrist seinen eigenen Orbit erforschte. Rockiges gab es zu hören, aber auch ein gewisses Maß an „Dekonstruktivismus“. Klangfelder wurden erschlossen, mittels Tenorsaxofon auch in der Bariton-Lage. Die beiden Bläser des Ensembles waren ungestüm und unbändig unterwegs. Beim Zuhören konnte man durchaus das Schnattern von Gänsen im Vogelflug und von trompetenden Singschwänen aus dem Vorgetragenen herausfiltern, oder?


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Liudas Mockūnas ereiferte sich bei seinem Gebläse. Was er auch vortrug, klang wie analoge Loops auf dem Holzbläser. Gestisches wie in der Malerei des Informel und des Paintdrippings spielten ohne Frage in der Formung der Musik eine Rolle.

Angesichts der Bläsergewalt erwies sich Marc Ducret als eher dezenter Begleiter. Ab und an ließ er seine Gitarre flüstern und wispern. Wie ein Sturm, der losbrach, klang hingegen das Spiel der beiden Bläser. Röhrende Zungenschläge vernahmen wir. Mit wenigen Akkorden wurden Klangwiederholungen inszeniert. Schließlich wurde durch die Bläser ein Klangteppich ausgerollt. Elektronika und Synth bedurfte es dafür nicht.

Liudas Mockūnas wechselte im Verlauf des Konzerts mehrfach sein Instrument. So konnten wir zeitweilig auch den Weichklang der Klarinette genießen. Doch erwies sich der litauische Saxofonist durchaus auch auf der Klarinette als Berserker des Klangs, drehte, im Bild gesprochen, Klanggewinde, ließ Rotationen des Klangs zu und erklomm an dem eher feingliedrigen Holzbläser schrille Tonhöhen. Samuel Blaser „malte“ mit der gedämpften Posaune dunkle Konturen dazu, schuf Schummerungen und Schraffuren wie in einer Gouache, allerdings eher im Spektrum von Siena und Umbra statt pastellenen Sommerfarben.


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Teilweise hörten wir auch Sirenengesänge, meinten Marc Ducret würde eine Mure in Tönen umsetzen. Klangschritt um Klangschritt entwickelte sich, vor allem dann, wenn der Posaunist im Fokus des Geschehens stand. Driftende Saitenklänge waren zudem im Verlauf des weiteren Konzerts zu entdecken. Samuel Blaser schlüpfte das eine oder andere Mal in die Rolle des Ausgleichenden, der sich als Ruhepol sieht. Auch ein Wau-Wau-Wau entlockte der Posaunist seinem Blechbläser. Dämpfer, die zeitweilig das Schallloch verschlossen, waren dabei wichtig.

Nur selten wurden Titel angesagt. Einer dieser war „Air“, und tatsächlich wurde Luft in vielfältiger Weise verströmt, auch mit dem Sopransaxofon, dass von der Haltung her so gespielt wurde, als handele es sich um eine Ney, also schräg an den Mund gesetzt. Wurde dafür eigentlich das Blättchen aus dem Mundstück genommen? Handflächen wurden von Marc Ducret über die Saiten geführt oder schlugen dort auf die Gitarre, wo sich der Tonabnehmer befindet, wenn der Berichterstatter es richtig gesehen hat. Leise Luftströme waren dem Posaunisten zu verdanken, Explosives dem Saxofonisten. Spielte der Posaunist mit Verve auf, hatte man die Vorstellung, man höre den Rotor eines Hubschraubers, der über unsere Köpfe kreist.

Zu den angesagten Stücken gehörte auch die Komposition von Marc Ducret namens „Think of Three“. Stellenweise hatte man den Eindruck, es ginge nicht um die drei Musiker, sondern um drei Bodenakrobaten unterm Zirkuszelt, um Flic-Flacs und Saltos sowie clowneske Bespassung. Und dann war eigentlich auch Konzertschluss. Doch anhaltender Beifall brachte die drei Musiker zurück auf die Bühne für eine letzte Momentaufnahme eines verdrehten Sommers – siehe den Albumtitel „Twisted Summer“.


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© Text und Fotos A. Panther(ap)/Ferdinand Dupuis-Panther(fdp)


Musicians
Marc Ducret – Gitarre
Samuel Blaser – Posaune
Liudas Mockūnas – Saxophones

Mehr zu Samuel Blaser

Music
Samuel Blaser – 18 Monologues Elastiques
Samuel Blaser - 18 Monologues Elastiques (fdp)
Pierre Favre & Samuel Blaser notes - Same Place, Another Time
Samuel Blaser – Early In The Mornin’
Samuel Blaser/Marc Ducret - Audio Rebel

Interviews
Ontmoeting met Samuel Blaser
Samuel Blaser, a conversation with the Swiss trombonist

Concert Review
https://www.jazzhalo.be/reviews/concert-reviews/jazz-today-samuel-blaser-marc-ducret-voyageurs/


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