Rempis/Adasiewicz/Corsano - Dial Up

Rempis/Adasiewicz/Corsano - Dial Up

R

Aerophonic Records

Auf der Seite des Labels lesen wir unter anderem: „On Dial Up, you get instantly wrapped into the sinews of the band’s shared aesthetic.  There’s no ego here, simply a collaborative ethos that powers the music forward.  While that’s a noted feature of the Chicago improvised music scene historically, it’s also one that Corsano has embraced in his own work for decades.  And that’s key to what makes his transition to being a resident of the city and the scene there so natural.  These three breathe together with a sensitivity that’s rare, whether they’re riding high through the anthemic bluster of Past and Present Hallucinations, or delving into the pointillistic explorations of Third Person.  And while all three command broad and unique palettes on their instruments, there’s never a feeling that technical dazzle takes the place of musicality.  Every motion is in service to the evolution and development of the spontaneous sound they bring forth.“ 

„Cuptus“ ist der Eröffnungstitel des Albums. Kurzes Drumming und Blechschwirren sowie nachhallender Vibraphonklang – das erleben wir zu Beginn. Der Vibraphonist Jason Adasiewicz setzt im weiteren feine „Klangsilben“ an „Klangsilben“. Ein wenig aufgeraut erhebt der Saxofonist Dave Rempis seine Stimme. Lange Klangwellen sind es, die den Raum füllen. Beinahe wie ein Glockenspiel erscheint das, was der Vibraphonist in der Folge hören lässt. Aufgeregtes und erregtes Gebläse vernehmen wir außerdem. Im Hintergrund wirbelt der Drummer Chris Corsano.

Klangstufen erklimmt derweil der Saxofonist, teilweise auch solistisch zu hören. Dumpfe Trommelschläge in kurzem Rhythmus sind Teil der Inszenierung. Diese Rhythmik scheint Dave Rempis mit seinem Holzbläser aufzugreifen und zudem „Klang-Schlingen“ zu formen. Und immer wieder gibt es Momente, die Aufregung und Erregung erkennen lassen. Gegenüber dem schnurrend-gutturalen Klang des Holzbläsers steht das Vibraphon mit Glockenklang, mittelalterlichen Glockenspielen in den belgischen Belfrieden gleichend. Gelegentlich werden die Klangstäbe des Vibraphons gedämpft, ehe dann wiederkehrende Klangeinheiten an unsere Ohren dringen. Und dann, ja dann hört man wieder ein „Glockenspiel“, so als würden auf der Insel Malta alle Glocken in den Kirchtürmen der Insel zeitgleich schlagen. Der Beginn des Albums umfasst ein Stück, das eine viertel Stunde dauert und sehr nach dem Konzept der freien Improvisation „strukturiert“ erscheint. Dabei gibt es durchaus thematische Module und nicht etwa Improskizzen um ihrer selbst Willen.

Nachfolgend heißt es „Down That Path/Madness“: Paukenschlag und Blechschlag mit kurzen Pausen und ein „wanderndes“ Getrommel auf Toms – das macht den Anfang des Stücks aus. Doch dann gibt es spitze kurze Schreie des Saxofons, vermutlich am separierten Mundstück oder am S-Stück des Instruments erzeugt. Was Rempis vorträgt, klingt teilweise so, als würde er eine Nasenpfeife spielen. Geläut ist hörbar, dank an den Vibraphonisten. Röhrend zeigt sich der Saxofonist im Fortgang des Stücks. Zwischendrin vermeint man eine Ententröte wahrzunehmen, mit der Enten auf der Wildentenjagd angelockt werden. Immer erregter wird das Spiel des Saxofonisten, während der Vibraphonist einen transparenten Klangvorhang knüpft.

„One Dollar Cheaper“ ist erneut ein Stück von längerer Dauer. Viel Getrommel zu Saxofonklängen hören wir. Es hat den Eindruck, dass der Saxofonist im Verlauf klangliche Achten erzeugt, teilweise sonor, teilweise leicht kehlig. Scheinbar schwebende Klangtropfen im Diskant sind Sache des Vibraphonisten, der von den Klangfärbungen her ein Antipode des Saxofonisten ist. Organische Klangmuster sind es, die nach und nach entstehen. Sie erscheinen von den Klangwiederholungen her hypnotisch und in einer Art Techno-Modus. Im Hintergrund inszeniert der Drummer Blechnebel und ein „fernes Donnerwetter“. Dave Rempis mischt sich im Fortgang des Stücks auch ein. Sein Gebläse ist beinahe lyrisch und wenig aufdringlich. Man meint, er würde den Scirocco musikalisch einfangen. Dem Titel des Stücks sollten wir beim Zuhören keine Aufmerksamkeit schenken, sondern unseren Gedanken angesichts des Gehörten freien Lauf lassen. Gewiss mögen die drei Musiker beim Vortrag anderes im Sinn gehabt haben, als der Zuhörer und Rezensent. Nun gut, wild ist das Spiel von Dave Rempis, aufgebracht; hier und da ist es außer Rand und Band geraten. Turbulenzen und musikalische Windhosen erleben wir. Höhepunkte werden angesteuert und verworfen – so ein weiterer Eindruck. Selbst der Vibraphonist kann sich von Wildheit nicht frei machen. Dave Rempis entäußert sich von Minute zu Minute mehr und mehr. Doch am Ende verflachen die Klangwellen, um im Bild zu sprechen.

Nach „Past and Present Hallucinations“ steht dann das Schlussstück „Third Person“ auf dem Programm. Wie das Trompeten von Singschwänen klingt es, wenn das Stück seinen Lauf nimmt. Dave Rempis ist allein auf weiter Flur. Hektisches und verhaltenes Dum-Dum ist Teil des Stücks. Auch ein schrilles Klong wird beigefügt. Die Klangnuancen und -färbungen liegen jedoch in der Hand von Dave Rempis. Alt- oder Tenorsaxofon? – das ist die Frage. Oder spielt er in diesem Stück Sopransaxofon? Durch die „Klangätzungen“, deren wir gewahr werden, ist das schwer auszumachen. Treibende Rhythmik wird im Laufe des Stücks auch wesentlich. Der Eindruck eines Schwarms trompetender Singschwäne allerdings bleibt konstant, oder? Wie fallende gläserne Dominosteine hört sich das an, was der Vibraphonist in das Stück einbindet. Ja, wir erleben außerdem im Weiteren auch eine Form von Klangekstase; doch diese löst sich gegen Ende auf.

© Ferdinand Dupuis-Panther 2026


BANDCAMP

Musicians
Dave Rempis – soprano/alto/tenor/bariton saxophone
Jason Adasiewicz - vibes
Chris Corsano – drums

Tracks
1. Cutups 15:18
2. Down That Path/Madness 5:32
3. One Dollar Cheaper 18:20
4. Past and Present Hallucinations 3:32
5. Third Person 12:25

Reviews
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/a/archer-sudden-dusk/
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/w/wheelhouse-house-and-home/


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