Nils Landgren - Nature Boy

Nils Landgren - Nature Boy

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ACT

Die vorliegenden Soloaufnahmen des „Mannes mit dem rotkupfern glänzenden Horn“, Nils Landgren, entstanden in der im 19. Jahrhundert erbauten Ingelstorps Kyrka. Im Gegensatz zu sonstigen Einspielungen Landgrens,  der nach eigener Aussagen Funk zu seiner Religion gemacht hat, widmet es sich auf dem vorliegenden Album eher der schwedischen Folklore, aber auch Duke Ellingtons „In A Sentimental Mood“. Bezüglich schwedischer Folklore ist zu erwähnen, dass Landgren zuvor schon zwei Alben herausgegeben hat, die sich diesem Genre widmen: "Swedish Folk Modern" und "Layers Of Light".

Cat Stevens hat vor Jahren „Morning Has Broken“ in seinem Repertoire gehabt, ehe er zum Islam konvertierte und der Musik für Jahrzehnte abschwor. Nunmehr erleben wir Nils Landgren mit diesem Stück solistisch. Nicht nur in diesem, sondern auch in anderen Aufnahmen des Albums gewinnt man bisweilen Eindruck, man vernehmedie Klangfärbung eines Wald- oder Alphorns. Das wird gewiss auch durch die Akustik des Kirchenraums befördert, die uns denken lässt, die Aufnahmen seien auf einer Alm inmitten hoher Berge entstanden, die als Resonanzkörper dienen. Doch der Resonanzkörper ist ein neogotisch ausgeformter Baukörper.   Und noch etwas: Hier und da meint man eher Sakrales zu hören, denkt man an einen klassischen kirchlichen Posaunenchor, der Choräle und Psalmen anstimmt, oder?

„Nature Boy“ folgt als zweites Stück des  Albums gleichen Namens. Dabei handelt es sich um ein „One-Hit-Wonder“,  das der Jazz-Pianist und -sänger Nat King Cole 1947 aufnahm. Mit diesem Song begründet sich sogleich auch die weitere steile Karriere des Vokalisten Cole. Von Jazz spürt man in der Solointerpretation Landgrens nichts. Eher muss man von einer eingängigen, bisweilen melodramatisch inszenierten Melodie sprechen, die getragen ans Ohr des Zuhörers dringt. Zugleich scheint der Vortrag bestimmt von nordischer Schwere, wie wir sie in den Kompositionen von Edvard Grieg und Jean Sibelius finden. Auch ein Hauch von Weite, wie wir sie aus dem Fjord-Sound von Jan Gabarek kennen, ist in den Vortrag eingebunden, oder?

Von Duke Ellington stammt „ In a Sentimental Mood“. Erwähnt werden muss allerdings, dass der Saxofonist John Coltrane einen wesentlichen Anteil an der Einspielung dieses Songs hatte. Da der Vortrag Landgrens von der Lyrik wie „In A Sentimental Mood / I can see the stars come thru my room / While your loving attitude ...“ befreit ist, können wir uns ganz den melodischen Linien hingeben. Nach dem getragen „A Minor“ ändern sich der Duktus und die Harmonien für die „sentimentale Stimmung“ nur unwesentlich. Irgendwie wohnt dem Stück etwas Rührseliges inne, oder? Folgt man Landgrens Spiel so wird man von Gefühlen wie Sehnsucht übermannt, könnte man sagen. Zugleich scheint auch ein wenig Fernweh bei diesem Song mitzuspielen. Auch von Ellington stammt das folgende „Solitude“: Ja, von Einsamkeit spricht der Song, unter anderem mit nachstehenden Zeilen: „In my solitude / You haunt me / With dreadful ease / Of days gone by ...“. Diese gilt es beim Solovortrag von Landgren mitzudenken. In gewisser Weise lauscht man nicht nur der Einsamkeit, sondern auch einem Lament, so der Höreindruck.

Zu den traditionellen Volksliedern, die Landgren für „Nature Boy“ aufgenommen hat, gehören unter anderem „Värmlandsvisan“ und „Der Mond ist aufgegangen“, ein Kinderschlaflied mit einem Text von Matthias Claudius. Seit 1822 ist „Värmlandsvisan“ bekannt und wurde als Jazzstandard „Dear Old Stockholm“ von Stan Getz in den 1950er Jahren eingespielt. Gibt es harmonisch nicht streckenweise eine Nähe zu Smetanas „Die Moldau“, auch wenn die Färbung von „Värmland, du Schöne“ durchaus von „frühlingsgrünen Klangfärbungen“ durchzogen wird? Doch auch eine gewisse Alltagsschwere und ein wenig depressive Grundstimmung schwingen in dem Stück mit, oder? Sehr getragen geht der Mond in „Der Mond ist aufgegangen“ auf. Lineare Melodieschraffuren sind erkennbar. Da gibt es keine Ausschläge, sondern eher ein Verharren in einem sakral anmutenden Klangkanon. Nach weiteren traditionellen schwedischen Volksweisen endet das Album mit „Sov på min arm“, einem Nocturne mit einem Text von Evert Taube. Dabei deutet der Originaltext auf ein Schlaflied hin. Anbei die deutsche Übersetzung von wenigen Zeilen des Lieds: „Schlaf auf meinem Arm! Die Nacht versteckt unter den Flügeln deine flammende Wange./ Fröhlich und warm, sobald du träumst ...“, Von der Melodie her scheint es Anknüpfungen an „Der Mond ist aufgegangen“ zu geben, oder? Ohne Frage muss man beim Hören der letzten Aufnahme des Albums auch an klassische Kirchenlieder denken, die wenig Fröhlichkeit und mehr Tragik zum Ausdruck bringen.

© ferdinand dupuis-panther





Infos

Line up:
Nils Landgren / trombone
http://www.nilslandgren.com

Tracks

1 Tänk att få vakna / Morning Has Broken (traditional) 02:52
2 Nature Boy (Eden Ahbez) 04:07
3 A Minor (Nils Landgren) 03:33
4 In a Sentimental Mood (Duke Ellington) 04:31
5 Solitude (Duke Ellington) 03:37
6 Värmlandsvisan (traditional) 02:56
7 Allt under himmelens fäste (traditional) 03:19
8 Der Mond ist aufgegangen (traditional) 02:55
9 Nu sjunker bullret (traditional) 03:11
10 Din klara sol går åter opp (traditional) 02:05
11 Som stjärnor små (Evert Taube) 03:17
12 Den blomstertid nu kommer (traditional) 03:23
13 Jag lyfter ögat mot himmelen (traditional) 02:58
14 Sov på min arm (Evert Taube) 02:05


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