Nicola Meneghini - Metropolitan Views
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Dodicilune
Aktuell legt der Trompeter und Komponist Nicola Meneghini sein neuestes Album vor. Zu seinem 2019 gegründeten Synergika Jazz Quintet gehören der Tenorsaxofonist Fabio Pavan, der Pianist und Keyboarder Samuele Donadio, der E-Bassist Christian Guidolin und der Drummer Gabriele Grotto.
„Improvisation“ heißt es am Beginn, selbstverständlich. Denn Jazz ohne Improvisation ist nicht denkbar. Aus der Tiefe des Raumes vernehmen wir mit einem gewissen Hall den Klang einer weichgezeichneten Trompete. Dazu gesellt sich dann das sonore Tenorsaxofon und ein Keyboard mit hellen Klangnuancen. Im Fokus steht allerdings der Trompeter. Seine Mitmusiker scheinen fast wie Staffage oder auch nicht, sind sie es denn nicht, die das Moment von Improvisation repräsentieren? Und am Ende zeigt sich der Trompeter allein auf weiter Flur und dabei einen feinen Klangbogen bauend. Der Titel „Promenade“ folgt als zweiter Track. Klingen da nicht Fusion und ein bisschen Funk in unseren Ohren, hat man da nicht Gedanken an Ensembles wie Blood, Sweat & Tears? Ja, alles ist durchaus zutreffend und zugleich haben wir es eben nicht mit Kopisten zu tun, sondern mit Musiker, die ein Original zu Gehör bringen. Im Gedächtnis bleibt nicht nur der flotte Rhythmus, sondern auch das Zwiegespräch zwischen Trompeter und Saxofonist, der sich zeitweilig aus dem Duo löst und dann solistisch agiert. Dabei erleben wir den Holzbläser nicht röhrend-aufdringlich, sondern sehr dynamisch und mit sonorem Timbre. Lässt es uns nicht angesichts seines Spiel an „Shake your Body“ denken? An einen Flaneur auf einer Promenade erinnert so gut wie nichts in diesem Stück, das an den Jazz der späten 1970er und 1980er Jahre anknüpft, auch an Joe Zawinul und Weather Report. Wie bereits im ersten Stück fällt auf, dass der Bandleader zwar im Fokus steht, aber auch Raum für die Mitmusiker ermöglicht, so auch für den Keyboarder.
Nachfolgend widmet sich die Band „Giusy Theme“, melodisch getragen vom Zusammenspiel der beiden Bläser, aber auch durch den Tastenkünstler Samuele Donadio. Einer schummerigen Kreidezeichnung gleich legt der Saxofonist sein umtriebiges Spiel an, nie überdreht oder marktschreierisch. Mit kurzen Interventionen macht sich auch der Trompeter bemerkbar. Konzertant mutet im Weiteren dessen Spiel an. Klangbaustein setzt er an Klangbaustein und übergibt dann an den Saxofonisten, ehe beide im Duo aufspielen. Stetig ist im Weiteren der Wechsel zwischen Duospiel und Solospiel der beiden Bläser. Mit dunklen Schrittklängen macht sich der Bassist bemerkbar, zu dem sich der Pianist gesellt und fragile Klangnuancen erklingen lässt.
Beinahe wie ein Lamento hören sich die ersten Takte von „Remember Chick“ an. Ist dies eine Ode an den 2021 verstorbenen Pianisten Chick Corea? Teilweise wie in einer Fuge mit Dux und Comes sowie versetzten Stimmen ist das Stück strukturiert. Im Verlauf hört man auch ein bisschen Latin Jazz. Man achte mal auf das Spiel des Drummers, aber auch auf die übrigen Musiker, einschließlich des Trompeters.
Was macht wohl „Pavane Jazz“ aus? Sind dann auch Elemente des Schreittanzes vorhanden, der in der Renaissance (16./17. Jh.) von Adeligen in prunkvollen Gewändern getanzt wurde? Hören wir mal rein. Eröffnet wird das Stück durch den Pianisten, der augenscheinlich Elemente in wiederkehrende Klangmuster überführt. Dazu hören wir den Bass, der sehr leichtfüßig seine Melodie spielt. Und dann, ja dann erheben die beiden Bläser ihre Stimme. Gleichbleibend ist jedoch der „Schreitrhythmus“, der dem Drummer und dem Pianisten zu verdanken ist. Schnurrend kommt der Saxofonist daher. Klangliches Gegengewicht ist der Trompeter. Krönender Abschluss des Albums, das sich mit einer Spielart von Jazz Rock und Fusion befasst, ist dann „New Piece“. Fazit: Sehr gelungen und keineswegs ein Album mit triefender Nostalgie an die Blütezeit des Jazz Rock, sondern mit mitreißenden Klangformen im Heute!!
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Nicola Meneghini, compositions, trumpet, flugelhorn
Fabio Pavan, tenor saxophone
Samuele Donadio, electric piano
Christian Guidolin, electric bass
Gabriele Grotto, drums
Tracks
1) Improvisation
2) Promenade
3) Giusy Theme
4) Suspense
5) Remember Chick
6) Solar Requiem
7) Pavane Jazz
8) New Piece
All compositions by Nicola Meneghini, except 1 by Nicola Meneghini, Gabriele Grotto, Samuele Donadio, Fabio Pavan, Christian Guidolin















