Kruglov-Sooäär 4tet - Arsenal

Kruglov-Sooäär 4tet - Arsenal

K

self produced

Die Kompositionen für das Album stammen von dem 1935 geborenen russischen Saxofonisten Aleksei Kozlov. Er gründete das Ensemble Arsenal, die erste russische Rock-Jazz-Fusion-Band der 1970er Jahre. Die Gruppe bestand bis 1976 im Untergrund, da es damals ein Verbot derartiger Musik in der UdSSR gab. Das erste in Riga eingespielte Album der Band konnte erst 1980 vor den Olympischen Spielen in Moskau veröffentlicht werden. 1998 löste sich das Ensemble schließlich auf, weil sich Kozlov anderen Projekten widmen wollte, vor allem im Bereich Theater und Oper. Die Musiker um den russischen Klarinettisten und Saxofonisten Alexey Kruglov und den estnischen E-Gitarristen Jaak Sooärr haben diese Musik der 1970er und 1980er Jahre arrangiert und in neuem Gewand wieder aufleben lassen. Zum Quartett rund um die Genannten gehören der Bassist Mihkel Mälgard, der Kontrabass und Bassgitarre spielt, und der Schlagzeuger Tanel Ruben.

Die Kompositionen „Nostalgia“ und „Elegy“ stehen am Anfang der Einspielungen, ehe ein zweiter Wind („Second Wind“) aufkeimt und sich ein unsichtbarer Schatten („Invisible Shadow“) ausbreitet. Zu hören sind obendrein Stücke wie „Sad Pierott“ und „She is a Stranger“. Den Schlusspunkt bildet „A Dangerous Game“. Bei „She is a Stranger“ handelt es sich um die „Rezitation“ des Gedichts „Der Fremde“ von Alexander Block.

Zur Genese des Albums zitiere ich nachstehend aus dem „Waschzettel“ zum Album: „For many people both at the times of USSR and nowadays all around the post-Soviet States Alexey Kozlov has remained an emblematic figure whose influence over several artistic generations cannot be overestimated. This new album reveals a whole new level of our collaboration with Alexey Semionovich. In April 2019 Kruglov-Sooäär Quartet performed at «Jazz Near The Old Fortress» Festival in Novokuznetsk. Having met with our Estonian friends in Moscow a couple of days before the festival, we gathered together at Vladimir Osinsky studio where we recorded three compositions of this program.

The other four were recorded as a part of our three-day recording session six months later at Estonian Public Broadcasting Studio, where we were also working on an album with Tchaikovsky music. The whole recording process was very fluid and pleasant. We were making up arrangements on the spot, always greatly respecting the master’s music, trying to attach a bit of our style to it while keeping its original spirit. This album consists of Alexey Kozlov’s works of different years. For example, there is «Elegy», which he performed with his band “Arsenal” in Tallinn in 1974, also the legendary «Nostalgia», «She is a Stranger» inspired by Alexander Block`s poem «The Stranger», and other famous works. The disk is being released to commemorate Alexey Kozlov’s 85th year. This is a great honor for us to make an artistic contribution to the celebration of dear Alexey Semionovich’s anniversary!“

Noch etwas: Wer an Fusion denkt, mag an Pili Pili, an den späten Miles oder das United Jazz and Rock Ensemble denken, aber niemals an Arsenal, es sei denn ,er ist in Osteuropa sozialisiert worden. Jazz aus dem ehemaligen sogenannten Warschauer Pakt war jahrelang unbekannt oder nur denen bekannt, die Kontakte nach Osteuropa hatte. So öffnet die aktuelle Veröffentlichung auch ein Fenster in die Jazzgeschichte des Ostens Europas!

Nun zur Musik: Beinahe an ein Lamento erinnern die ersten Takte des Albums, die der Saxofonist Alexey Kruglov anstimmt. Man muss bei „Nostalgia“ zu Beginn auch an sakrale Musik denken. Doch nach der getragenen Eröffnung geht es dann rockig zu. Anfänglich dominiert die Stimme des Saxofons, ehe der Gitarrist Jaak Sooärr die Melodiestränge weiter spinnt. Dabei überdreht er nicht, versucht nicht die bekannten R&B-Gitarristen zu kopieren, weder Alvin Lee noch Eric Clapton. Das Wechselspiel zwischen Saxofon und Gitarre wird nachfolgend in kurzen Segmentfolgen fortgesetzt. Dabei hat man den Eindruck, dass sich Saxofonist und Gitarrist gegenseitig musikalisch befruchten und gleichzeitig auch herausfordern. So entwickelt sich nach und nach ein Klangtornado, der nichts mehr mit dem schwermütigen Beginn des Stücks gemein hat. Und zum Ende schließt sich die klangliche Rahmenhandlung. Das Motiv des Beginns bestimmt so auch den „Epilog“.

„Elegy“ steht danach auf dem Programm. Dabei ist die Stimme des Saxofons durchaus dominant, wenn auch mit weniger Verve als in „Nostalgia“ umgesetzt. Man hat eher den Eindruck, es werde eine Ballade zum Besten gegeben. Wie das sanfte Rauschen des Windes, in dem ein Papierdrache auf- und niedersteigt, erscheint das, was wir hören. Sehr fein sind die Saitenspiele, die Jaak Sooäär zu verdanken sind. Es scheint, als werde durch ihn ein klangliches Spinnennetz geknüpft. An diesem ist auch der Bassist beteiligt, dem ein Solo eingeräumt wird. Ganz zum Schweigen gebracht, wird das Saxofon nicht. Es stimmt im Duo mit dem Bassisten das Thema an, sehr lyrisch bis zum Ende. Für „Second Wind“ hat Kruglov das Saxofon beiseitegelegt und sich die Klarinette gegriffen. Kruglov macht uns glauben, ein heulender Wind werde inszeniert. Laubblätter rascheln, so meint man angesichts des rauschenden Blechspiels des Drummers. Und dann vernimmt man erneut das Saxofon, das sich schnarrend und krächzend zu Wort meldet. Das steht im Kontrast zu den weich gezeichneten Linien des Gitarristen. Diesen Linien folgt der Saxofonist hier und da. Doch der Charakter des Saxofons ist nun mal eher marktschreierisch und vorlaut, vorwitzig und tonangebend. Und das zeigt sich auch bei diesem Stück. Eine Phase der Ruhe wird nachfolgend durch den Bassisten Mihkel Mälgard eingeleitet. Es ist eine Atempause, die man als Zuhörer schätzt, oder?

Aus der Tiefe des Raums entwickelt sich „Invisible Shadow“. Das Rauschen der Becken trifft auf den feinen Gesang des Sopransaxofons (?). Von den Melodiefolgen und Harmonien her scheint es Ähnlichkeiten zu „Nostalgia“ zu geben. Oha, dann folgt ein ausschweifendes Drumming, ehe der Saxofonist wieder den roten Faden spinnt. Dabei scheint sich die Stimme des Holzbläsers zu überschlagen. Die Entäußerung ist hautnah erlebbar. Tumult und Aufruhr scheinen beschworen zu werden. Und am Ende steht ein langer Atemzug als der ultimative Schlusspunkt!

© fdp

Informationen
https://kruglov-sooaar-quartet.bandcamp.com/album/arsenal


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