Krishna Biswas - La Castagna
K
Dodicilune
„Die Veröffentlichung von „La Castagna“ ist das jüngste Album des florentinischen Gitarristen, Komponisten und Lehrers Krishna Biswas. Seine Mutter ist Amerikanerin und sein Vater Inder. Er studierte klassische Gitarre und sammelte anschließend Erfahrungen auf der E-Gitarre in den Bereichen Rock, Metal und Jazz. Anfang der 2000er Jahre näherte er sich der Welt der klassischen Gitarre mit einer sehr persönlichen Sprache und einem ebenso ungewöhnlichen Stil – umso mehr für die Welt der akustischen Gitarre –, der sich zwischen zeitgenössischer Musik und Jazz bewegt und durch seine verschiedenen früheren Erfahrungen sowie durch die unterschiedlichen Kulturen, die er in seiner Familie kennengelernt hat, bereichert wird.“ So lesen sich einige Zeilen zum Album.
Gleichsam als Prolog ist das Stück „Genesi“ anzusehen, gibt es doch am Ende des Albums einen Epilog. Der Höreindruck ist leider wegen der „Beitöne“ aufgrund der Griffart und Aufnahmetechnik teilweise unangenehm gestört. Man hört nämlich neben den Sequenzen ein metallisches Geräusch, wenn die Finger auf den Saiten zu liegen kommen bzw. abgehoben werden. Unabhängig davon jedoch überzeugt der Gitarrist schon im ersten Stück, bei dem er das Stimmspektrum seines Instruments ausreizt. Dynamik und Dramatik finden sich im Spiel von Krishna Biswas. Das Diskante trifft auf das Basslastige. Klassisch anmutende Etüdenanlehnungen treffen auf schnelle Läufe, die an Improvisationen denken lassen. Lagen des Klangs werden geschichtet. Teilweise meinen wir im Verlauf des Stücks, Reminiszenzen an „Friday Night in San Francisco“ zu erleben, oder? „Gefächerte Klänge“ mit aufsteigenden Melodielinien werden dargeboten. So entstehen dichte Klanggewebe in unterschiedlichen Färbungen. Daher ist das Stück eben nicht thematisch-monolithisch, sondern variantenreich gegliedert. Und das ist überaus spannend.
Weiter geht es mit „Metropoli“. Der Duktus bleibt dabei durchaus ähnlich wie im Prolog des Albums. Eine starke rhythmische Durchwirkung ist nicht zu überhören. Man hat den Eindruck, Klangfragmente werden zusammengesetzt. Anders beschrieben: Klangmosaike werden überwiegend aneinander gereiht. Fäden werden vom Gitarristen gesponnen, fallen gelassen und neu aufgenommen, um bildlich zu beschreiben, worin die Musik des Gitarristen besteht.
Nach „Filtra moderato ottimismo“ folgt „Carlo Emilio“. Das zuletzt genannte Stück lässt sich wie folgt charakterisieren: Ein wenig Fingerpicking, so scheint es nicht allein zu Beginn, ein wenig klassische Folkgitarre in der Melodieführung, ohne Lyrik und Gesang. Dazu erleben wir „rollende Melodielinien“. Zugleich erinnern uns die Harmonien an den Klang einer Sitar. Deren 13 Resonanzsaiten (Taraf) spiegeln wie gesagt die volle Skala des Raga (Skala) wider und sorgen für den charakteristischen, schimmernden Klang. Diesen Klangeindruck scheint Biswas teilweise auch seiner Gitarre zu entlocken.
Nachfolgend hören wir neben „Lebbroso“ und „Vigilia“ das Stück „Kashinath“. Bezieht sich dieses Stück auf den indischen Filmemacher und Schauspieler gleichen Namens? Man müsste den Gitarristen und Komponisten des Stücks dazu befragen, um Gewissheit zu erhalten. Beim Hören überkommt den geneigten Hörer unter Umständen der Eindruck, er lausche einem der Granden der Gitarrenkunst der Gegenwart, ob Paco de Lucia, Pat Metheny oder John McLaughlin, die zu einer Melange verarbeitet wurden. Dicht gewebt sind die Saiten-Muster, die wir hören. Zugleich aber ist auch wieder ein wenig der Klang einer Sitar im Ohr. Ist da nicht auch ein wenig Ragtime verarbeitet worden?
Noch ein Wort zu „Raffaella“, ehe das hörenswerte Album mit dem „Epilogo“ ausklingt: Auch in dem Stück „Raffaella“ findet sich die Bandbreite dessen, was den Gitarristen Krishna Biswas ausmacht. Klassik, Folk und ein Hauch Rock gehen eine sehr harmonische Verbindung ein. Insgesamt ist das vorgelegte Album wahrlich ein Ohrenschmaus.
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Musician:
Krishna Biswas, acoustic guitar (mod. Collings OM2HT)
Tracks
1) Genesi
2) Metropoli
3) Filtra moderato ottimismo
4) Carlo Emilio
5) Lebbroso
6) Vigilia
7) Kashinath
8) Kumarone
9) Cocci rotti
10) Catulus
11) Bellatrix
12) Raffaella
13) Epilogo
All compositions by Krishna Biswas















