Jasper van’t Hof trio feat Christof Lauer – Skin Under

Jasper van’t Hof trio feat Christof Lauer – Skin Under

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Jaro Medien

Der 1947 in Enschede geborene Jasper van’t Hof kann mit Fug und Recht als ein Urgestein des europäischen Jazz bezeichnet werden. Seinen Namen verbindet man nicht nur mit der Band Association PC und Pork Pie, sondern vor allem mit der Fusionband Pili Pili. Zu den Musikern, mit denen der niederländische Pianist zusammengespielt hat, gehören u. a. Archie Shepp, Manfred Schoof, Wolfgang Dauner, Zbigniew Seifert, Toto Blanke, Stu Martin, Alphonse Mouzon und Bob Malach. Aus dieser Kooperation heraus schuf Jasper Van’t Hof mehere Dutzend Alben. Übrigens: „Jazz because“, bei Jaro Medien erschienen, gibt mit vier CDs einen sehr guten Überblick über das musikalische Schaffen des Pianisten.

Aktuell liegt nun das Album „Skin Under“ vor, das zusammen mit dem Bassisten Stefan Lievestro und dem Drummer Jamie Peet eingespielt wurde. Als Gast hören wir den Saxofonisten Christof Lauer (1953). Das ist übrigens nicht das erste Mal, dass van’t Hof mit einem Saxofonisten zusammen zu hören ist. Mit dem ursprünglich aus Ungarn gebürtigen Saxofonisten Tony Lakatos hat er das Album „Go With The Wind“ aufgenommen.

Ob und wie uns die Musik des niederländischen Pianisten und dessen Mitmusikern unter die Haut geht, können wir gleich zu Beginn mit „Skin Under“ erleben. Übrigens, von den sieben Tracks auf dem Album stammen sechs aus der Feder von van’t Hof. Nur „Marsch fuer Oelze“ hat Ralf Huebner komponiert, eine Hommage an den bildenden Künstler Richard Oelze, der dem Surrealismus zuzurechnen ist. Und noch etwas vorab: Die Klangfärbungen der einzelnen Stücke werden sehr stark von den Sequenzen geprägt, die Christof Lauer auf seiner Klangpalette mischt. Das ist auch bei „Skin Under“ der Fall, einem sehr temporeich strukturierten Stück. Bei diesem scheint es so, dass Lauer die musikalischen Fäden in den Händen hält, derweil van’t Hof auf dem Flügel für Zäsuren und punktuelle Akzente sorgt. Der melodische Fluss liegt in den Händen des Saxofonisten, und zwar solange, bis Jasper van’t Hof seine Finger über die Tasten des Flügels tanzen lässt und die Klänge nur so sprudeln, als wäre man auf eine verborgene Quelle gestoßen, die man eröffnet hat. Doch dann ist es erneut an Lauer, der röhrende und sonore Klangeskapaden unternimmt. Bisweilen könnte man auch von Klangsalti sprechen. Doch das Trio von van’t Hof erweist sich nachfolgend nicht als monolithisch, hat der Drummer doch Raum und Zeit seine Sticks auf die Felle der Trommeln niedergehen zu lassen, solistisch versteht sich. Nach diesem Solo vereint sich das Trio bzw. Quartett in den Kernmotiven von „Skin Under“.

Bei „That Blue Wonder“ meint man gar zeitweilig eine Klarinette zu hören bzw. ein Altsaxofon. Es zeigt sich sehr lebendig, aufbrausend, schäumend und ungebremst.  Das ist das genaue Gegenteil von den Piano-Passagen, die sich anschließen. Beim Hören von diesen drängt sich der Eindruck auf, dass wir aus dem Wildwasser in seichtes Wasser oder Kehrwasser gedriftet sind. Nach diesem solistischen Einschub von van’t Hof, ist es dann wieder an Christof Lauer den Ton anzugeben. Doch der letzte kristallin anmutende Ton gehört van’t Hof. „Borderless Contents“ heißt es nachfolgend, dabei den Duktus im Kern beibehaltend, der auch für die beiden zuvor gespielten Titel maßgebend ist. Also hören wir auch das kaskadierende Tastenspiel des niederländischen Pianisten. In der dann zu hörenden Triobesetzung füllen auch Bassist und Drummer ihre Rollen aus, ohne besonders hervorzustechen. Der Hörer fokussiert sich ganz und gar auf das Tastenspiel, das im Verlauf sich mehr und mehr verflüssigt und einem „Perlenfluss“ gleicht. Keine Frage, wie zuvor ist Christof Lauer mehr als umtriebig, wenn er das „Klangwort“ führt.

Warum es nun für den surrealistischen Maler Richard Oelze einen komponierten Marsch gibt, müsste man den Komponisten des Stücks fragen. Beim Hören hat man eher den Eindruck, dass wir einem Lamento folgen. Getragenes dringt an unser Ohr. Das hat auch etwas von leichter Melancholie, oder? Es drängt sich obendrein auch etwas von sakraler Musik auf. In diesem Stück bekommt der Bassist dann seinen zu füllenden Klangraum, derweil sich Drummer und Pianist im Hintergrund halten. Eine gewisse Behäbigkeit wohnt dem Bass-Solo inne. Zu hören ist allerdings auch ein Solo des Pianisten mit welligen Linien, die bildhaft gesprochen ähnlich wie Wellen am Strand auslaufen. Sanftes Saxofonspiel ist außerdem zu hören. Und dann erklingt erneut das Thema, das einem Psalm nicht unähnlich scheint, oder?

Nach „Endless Past“ dringen die Klänge von „Associations“ an unsere Ohren. Kraftvoll und unverwässert ist das Tastenspiel van’t Hofs. Und dann, ja dann hört man Lauer am Saxofon. Alto- oder Soprano, oder doch Tenor – das ist dabei die Frage. Das Spiel des Saxofonisten gleicht stellenweise einem Malstrom bzw. einer klanglichen Windhose, die über die Zuhörer rollt.  Den Abschluss findet das Album mit dem Stück „Fleur Protegée“.

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https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/j/jasper-vant-hof-jazz-because/
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/j/jasper-vant-hof-on-the-move-live-at-theater-guetersloh/
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/j/jasper-vant-hof-b-e-trio-three-of-a-kind/
https://www.jazzhalo.be/reviews/cdlpk7-reviews/j/jasper-van-t-hoftony-lakatos-go-with-the-wind/
https://www.jazzhalo.be/reviews/concert-reviews/jasper-vant-hof-b-e-trio-konzert-im-alten-rathaus-vreden-26-sept-2019/


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