Jasper Van't Hof: Jazz Because

Jasper Van't Hof: Jazz Because

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Jaro Medien (Box mit 4 CD und Booklet (Niederländisch/Deutsch), limitierte Auflage von 500 Ex.)

Seit Jahrzehnten ist Jasper Van't Hof Teil der Jazzszene. Er wurde in Enschede zu einer Zeit geboren, als die Webstühle noch den Takt des Alltags bestimmten. Jaspers Eltern waren selbst Musiker, der Vater Trompeter und die Mutter eine klassisch ausgebildete Sängerin. Sehr früh begann Jasper mit dem Klavierunterricht, wobei der Vater stets deutlich machte, dass ein Leben als Musiker kein Zuckerschlecken ist und stets ein bürgerlicher Beruf zur finanziellen Absicherung unabdingbar ist. So arbeitete denn Jasper auch zeitweilig in einer Versicherungsgesellschaft und ging seiner eigentlichen Passion nur in seiner Freizeit nach. Vielen ist Jasper als Vater von Pili Pili bekannt, obgleich er auch solistisch von sich Reden machte und auch seine erste Band namens Association P.C. für Furore sorgte, verband sie doch Jazz und Rock.

Auch das Bandprojekt Pork Pie, entstanden 1973, bewegte sich im Fahrwasser von Fusion, der Melange von Rock und Jazz. 1976 war das Jahr, in dem Van’t Hofs Solokarriere mit dem Album “The Selfkicker” ihren Anfang nahm, gefolgt von “Axioma” beinahe 20 Jahre später. Archie Shepp, Manfred Schoof, Wolfgang Dauner, Zbigniew Seifert, Toto Blanke, Stu Martin, Alphonse Mouzon und Bob Malach waren bekannte Wegbegleiter des niederländischen Pianisten.

Für sein kompositorisches Werk erhielt Jasper übrigens 1997 den ‘Bird Award’– die höchste Auszeichnung, die man in den Niederlanden als Jazzer erhalten kann. Stets umtriebig hob Jasper 2004 das Bandprojekt Hotlips mit drei Hörnern, Bass und Schlagzeug aus der Taufe.

Nunmehr kann man dank einer Box mit vier CD und einem Booklet mit der Biografie Jasper Van't Hofs der einzigartigen Karriere des Pianisten und Organisten aus Enschede folgen. Was hier vorliegt, ist zugleich ein Stück europäischer Jazzgeschichte, obgleich sich Van't Hof stets auch in der amerikanischen Jazztradition sah.

Schon allein wegen der umfänglichen Biografie, die der Box mit vier CD beiliegt, lohnt es sich diese „Jubiläumsbox“ zu erwerben. Angesichts der geringen Auflage ist diese Box zugleich auch ein begehrtes Sammlerobjekt!

Nur in Ausschnitten kann auf die vier CD eingegangen werden, so auch auf Pork Pie mit dem Song „Hippie“, mit dem die erste CD aufmacht: Rhythmisches Hufgetrappel liegt unter den Saxofonverwehungen und dem nachhaltigen Bassfluss. Orchestral klingt das Stück, in dem auch ein sphärisch gestimmtes Keyboard eine wesentliche Rolle spielt. Beteiligt waren an dieser Einspielung unter anderem der unvergessene Charlie Mariano (sax), dem auch ein sehr virulentes Solo zu verdanken ist, Don Alias (percussions), Nicolas Fiszman (bass) und Philip Catherine (guitar), der sich gegen Ende des Songs mit einem berauschenden und elektrisierenden Solo zu Wort meldet.  Gemeinsam im Duett erleben wir Van't Hof und Archie Shepp in „Mama Rose“. Dabei fällt Van't Hof zu, für die rhythmische Unterfütterung der entfesselten Saxofonkaskaden zu sorgen. Shepp scheint dabei wie ein Rufer in  der Wüste, Mahner und Warner zugleich. Zu hören ist der amerikanische Saxofonist auf der Einspielung auch mit den Zeilen eines von ihm geschriebenen Gedichtes, das den Titel „Mama Rose“ trägt und nach dem Tod von Malcolm X entstand. Es ist im Kern eine Hommage an seine Großmutter, die ihm erst die Karriere als Musiker ermöglichte. Dieser Titel unterstreicht ganz nachhaltig die Melange zwischen europäischem und amerikanischem Jazz, zwischen Shepps und Van't Hofs Spielauffassungen, auch streckenweise in duettähnlichen Passagen.


Aus der ersten CD greife ich noch exemplarisch „Verklärte Nacht“ (comp. A. Schönberg) heraus, aufgenommen mit Charlie Mariano und Philip Catherine. Hier mischen sich sphärische Klangwelten mit dem reinen Klang des Saxofons von Mariano, das wolkengleich über den ausgebreiteten Klangteppich schwebt, der Van't Hof zu verdanken ist. Hier und da hat man den Eindruck, man lausche einer Drehleier oder einer Orgel und deren Flöten- und Oboentöne bzw. einem um Effekte erweiterten Harmonium. Walgesänge vermeint man auch wahrzunehmen, obgleich Van 't Hof lediglich Keyboards, wahrscheinlich Synthesizer und Rhodes, spielt. Leider ist dies in den Infos nicht spezifiziert worden.

Auf der zweiten CD findet sich unter anderem „Whitewash“, eingespielt mit Pili Pili, einer Band, zu der auch die westafrikanische Sängerin Angelique Kito gehört. Ebenfalls mit dabei ist Tony Lakatos, mit dem Van't Hof, an der Kirchenorgel spielend, eine Reihe von Aufnahmen eingespielt hat, so auch „Formule E“ („Gone With The Wind, Jaro Records). Nachhaltige afrikanische Polyrhythmik ist auszumachen und dazu der Gesang Kitos sowie ein weich gezeichnetes Saxofon von Tony Lakatos. Das scheint ganz in der besten Fusion-Tradition rezeptiert worden zu sein, vielleicht gar ein wenig zu gefällig an Popmusik angelehnt.

Pili Pili war im Übrigen ein sehr wechselvolles Bandprojekt, bei dem stets neue Sängerinnen und Musiker mitwirkten, wie man dem Line-up von „Libertad“ entnehmen kann. Neben Tony Lakatos (sax) und Annie Whitehead (trombone) ist als Sängerin Izaline Calister zu hören. Rumbarasseln, ein Klangteppich aus Tastenlinien und die süßliche Sopranstimme von Calister ist die musikalische Mischung, die Van't Hof für diesen Titel angerührt hat. Eher der Musik der Antillen und der Steel Drums verbunden, scheint Pili Pili mit „Blind Date“. Schließlich brilliert Jasper Van't Hof nicht nur als Spiritus rector für die genannte Band Pili Pili, sondern stellt mit „The Countdown“ auch unter Beweis, dass das, wenn auch sehr kurze, Spiel mit der energetischen Basshand ebenfalls zu seinem Repertoire zählt.

Das dritte „Album“ eröffnet mit Titeln, die Jasper Van't Hof mit Association PC ausgenommen hat: „Elsen“ und „Solar plexus“. Es sind Aufnahmen von Radio Bremen. Unter den Mitmusikern Van't Hofs sind der Bremer Bassist Sigi Busch und der Gitarrist Toto Blanke, der bei „Elsen“ für feine Gitarrenläufe sorgt. Was wir hören, ist Jazz Rock oder Rock Jazz vom Feinsten. Dabei scheinen die Übergänge zu Progressive Rock, wie ihn Soft Machine pflegt, durchaus fließend. „Pas de deux“ gehört zu den Soloaufnahmen, die man auf den aktuell veröffentlichten CD findet. Dabei tanzen die Töne im Diskant über eine redundante „Basslinie“. Bildlich kann man sich dazu herumtollende Kinder vorstellen, die völlig selbst vergessen und abgehoben ihr Leben genießen. Im Duett mit Bob Malach entstand der Titel „New Bob“, mit dem die dritte CD der Compilation ausklingt.

Auf der letzten CD findet man Mitschnitte aus der Fabrik in Hamburg Altona, so „Dorothée“. Neben Charlie Mariano begleitet auch die in Dänemark beheimatete Schlagzeugerin Marilyn Mazur den herausragenden Pianisten und Organisten Jasper Van't Hof. Konzertante Anmutungen beinahe symphonischer Art sind Beifügungen dieses Stücks, in dem Mariano sein Altsaxofon mit aller Klarheit präsentiert, während Van't Hof für einen flächigen Tonteppich sorgt. „Ilê“ und „Marabout“ sind Songs, die mit Pili Pili entstanden sind, aufgenommen bei einem Konzert im Jovel in Münster bzw. im Posthof Linz. Mitgeschnitten wurde auch „However“. Mit dabei waren der Geiger Zbigniew Seifert und der Flötist Jiri Stivin. Van't Hof eröffnet das Stück mit einem ausladenden, perlenden Pianosolo, Stivin nimmt die Melodielinien dieses Solos auf und fügt die weiche Hörfarbe seiner Flöte hinzu. Einem jubilierenden Vogel gleich setzt er dann zu seinem weiteren Flötensolo an, das sich völlig losgelöst zeigt. Auch Seifert bekommt Raum für ein Solo und präsentiert seine ein wenig schmachtend wirkenden Violinenpassagen.

Text: © ferdinand dupuis-panther,

Informationen

Label
http://www.jaro.de/

Musiker
Jasper Van't Hof
http://www.jaspervanthof.nl


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