Haard – Haard
H
Off Record
Zunächst ein kurzer Einführungstext zum Label zitiert nach der Veröffentlichung von Off Record: „Deriving inspiration from the Cretan mountains, this Brussels based band brings free improvised music going from ear-tickling noise to meditative soundscapes and free jazz outbursts. The improvisations have a suite-like form, developing slowly, sometimes cutting fast from one idea to another, creating one long body of work. The self-titled album is a first encounter of Jordi Cassagne (double bass), Manos Barkatsas (guitar & fx), Stan Maris (accordion & fx) and João Lobo (drums).“
„Neither the Night“ ist der Eröffnungstitel. Zu Beginn hat man den Eindruck, man lausche Schiffsignalen. Doch das erweist sich als Klangbeitrag von Stan Maris. Hört man nicht auch das Schlagen des Bogens auf die Bass-Saiten? Klapperndes Schlagwerk wird hinzugefügt. Manos Barkatsas schlägt einige tiefe Gitarrensaiten an, aus denen er eine kleine rhythmische Sequenz formt. Stan Maris entlockt seinem Zuginstrument kurze Passagen im Diskant. Effekte werden eingespielt und überlagern das Spiel von Maris & Co. Da hört man Gezische und ein Zrrr. Mehr und mehr nimmt das Akkordeon eine zentrale Position ein. Stetes Drumming nimmt uns ein. Und dann sind es wieder Space-Sounds und der Klang von Funkverkehr, der gestört erscheint, die uns von dem Klang der Instrumente wegführen. Irgendwie entführt uns die Band ins Orbit, ohne an Tubular Bells und andere elektronisch angehauchte Musik anzuknüpfen. Der Gitarrist entäußert sich und scheint auch mit einem Metallstab über die Saiten zu schaben. Klangmischmasch ist das Thema des Stücks. Die Stille der Nacht ist Nebensache, denn es geht ja weder um die Nacht noch um den Tag Doch das fehlt in der Begrifflichkeit des Titels, nämlich noch des Tages. Zum Schluss zerfließt Harmonium-Klang, den Stan Maris auf seinem Zuginstrument inszeniert.
Statt mit „Nor the day“ – eine gängige Redewendung in Verbindung mit Neither the night – heißt es bei Haard im Anschluss an den Eröffnungstitel: „Nor the last Drink“. Atmosphärisches Schwingen vernehmen wir, auch eine Form des Wehklagens. Gestrichen wird wohl der Bass mit nervöser Bewegung. Es ergibt sich ein Geräuschfluss, der durch elektronische Effekte „kommentiert“ wird. Lüdelüd, Lüd … dringt ans Ohr. Klangchaos wird beschert. Zischen und Jaulen vernehmen wir ebenso wie Knistern und ein tiefes Brummen. Angerissene Saiten sind zu hören. Der Bassist bemüht sich um eine Melodie und streicht dazu seinen Tieftöner. Effekte über Effekte werden eingestreut und vermitteln den Eindruck von Weltall-Klang. Wenn sich die Instrumentalisten im Weiteren zu Wort melden, dann ist das fragmentierte Musik nebst dumpfem Bassgetrommel. Teil der Veröffentlichung sind außerdem „Neither The Morning“ und „Nor The Bird“. Dabei erscheint die Musik weiterhin als „Hör-spiel“, scheinen die einzelnen Instrumentalisten nur wie „Resonanzkörper“ zu agieren. Jedes der Bandmitglieder äußert sich spontan, um die Klangmelange zu bereichern. Zugleich muss man die Klangäußerung jedes einzelnen als den individuellen Blick auf das „Thema“ begreifen. Negation steckt ja in allen Titeln. Kann man also die Musik auch als Negation des Konventionellen begreifen?
© f. dupuis-panther 2026
Musicians
Jordi Cassagne (double bass)
Manos Barkatsas (guitar & fx)
Stan Maris (accordion & fx)
João Lobo (drums
Track list:
1: Neither The Night
2: Nor The Last Drink
3: Neither The Morning
4: Nor The Bird
















