Francisco Mela - Carnaval De Oriente
F
577 Records
Im Begleittext zum Album lesen wir: „Some memories never disappear. They change shape, becoming rhythm, voice, silence. With Carnaval De Oriente, Francisco Mela presents his very first solo recording—an intimate work inspired by memories of his childhood in eastern Cuba. The album looks back to the Carnaval de Oriente, better known as the Carnaval de Santiago de Cuba, where music, family, and community became inseparable in the young musician's imagination. Rather than recreating the carnival itself, Mela follows its lingering resonance. The music recalls parents who are no longer here, celebrations belonging to another time, and the place where joy and loss quietly coexist. What remains is not nostalgia, but memory transformed into sound.“
Ergänzend dazu muss angefügt werden, dass Mela eine sehr reduzierte Instrumentierung bevorzugt. Eigentlich ist es im Kern ein Schlagwerk bestehend aus Tom und Becken, die bei der musikalischen „Begleitung“ eine Rolle spielen. Es ist also nicht der kubanische Karneval, der ein Revival findet mit orchestraler Instrumentierung. Mela ist eher ein Erzähler, der Geschichten, ganz persönliche Geschichten aus Santiago de Cuba und dem Karneval singend und mit Rezitation erzählt, so auch mit dem Eröffnungsstück „Carnaval De Oriente“. Seine Stimme, mal wirklich als Gesangstimme eingesetzt und mal als Rezitierender, steht im Mittelpunkt. Ja, neben der Stimme und Drumming vernimmt man auch Vogelpfeifen und ein Glockenspiel als Begleitung. Man erlebt zudem die Marschrhythmik, die für den Karneval typisch ist. Man höre sich in diesem Kontext mal „Yo Soy El Tambor / Deja Que Hablen“ an.
Manch einer mag Melas Karnevalimpressionen als spröde ansehen. Zu Recht, denn es fehlt an den Bläsern, die den Karneval ausmachen. Auch Bongos und Congas sowie Kuhglocken sind nicht zu hören. Insoweit ist Melas Konzert minimalistisch, auch roh in dem musikalischen Zugang. Der Gesang erinnert ein wenig an den von Flamencosängern, die Geschichten erzählen wie einst Moritatensänger es in mitgelalterlichen Mitteleuropa taten. Allerdings wer kein Spanisch versteht, der kann den Geschichten nicht folgen, sondern erlebt Schlagwerkrausch und Vokales wie zum Beispiel bei „Cuento Tu Cuenta“. Dabei gleicht das Schlagwerkspiel einem Sturm mit Wolkenbänken, Regenschauern und Blitzen. Letzteres kann man annehmen, wenn die Becken ins Schwirren gebracht werden.
Den Dialog Schlagwerk und Stimme pflegt Mela in „Lengua Del Tambor“, zu übersetzen mit „Trommelzunge“ oder „Sprache der Trommel“. Im Schlussstück „El Canto de Mi Guitarra“ hört man wenige Gitarrenakkorde neben der überbordenden Stimme. Doch richtig singen lässt Mela seine Gitarre nicht. Schade.
© Ferdinand Dupuis-Panther 2026
BANDCAMP
Musician
Francisco Mela - Drums, voice, Glockenspiel, percussion, guitar
















