Francesco Chiapperini - Italian Mottetto
F
Caligola Records
„Fünf Jahre nach „On the Bare Rocks and Glaciers“ kehrt Francesco Chiapperini mit einem thematischen Werk und einem Ensemble im Kammermusikstil zu Caligola Records zurück. Der Klarinettist erkundet in „Italian Mottetto“ neue klangliche Perspektiven, indem er einige Werke von Giulio Caccini aus Jazz-Perspektive interpretiert. Als wegweisende Persönlichkeit am Hof der Medici im frühen 17. Jahrhundert spielte Caccini eine zentrale Rolle in der musikalischen Entwicklung. … Nun verbindet das Quartett von Chiapperini den Geist der Kammermusik mit der afroamerikanischen Musiktradition. “ Das ist unter anderem im Pressetext über das Album zu lesen.
Glockenspiel und Xylofon sind wohl bei „Benvenuti a corte“ in einer tragenden Rolle zu erleben, aber auch die Geige spielt auf, mal abgesehen vom Vokalen, hier einem gesprochenen Text, mit Hall unterlegt. Klanggewaltig kommt der Kontrabass daher. Und immer wieder durchziehen Textpassagen das Stück, Weiter geht es mit „O, che felice giorno!“. Das ist vom Charakter her ein Kammermusikstück, in dem die Streicher ebenso wesentlich sind wie auch der Bassklarinettist. Beim Hören hat man die Vorstellung, man erlebe höfische Musik, gar barocke Musik. Jazzfreiheiten im Sinne von Improvisation sind nicht vorhanden. Im ähnlichen Duktus wie der Lobgesang auf den glücklichen Tag ist „Amor io parto“ ausgeformt. Ganz maßgeblich prägt die Vokalistin Valentina Fin das Stück, in dem die Bassklarinette von Francesco Chiapperini ein Gegenstück zu dem Soprangesang ist. Fürwahr hier erleben wir eine „italienische Mottete“. Weiter geht es mit „Dovrò dunque (morire)“ und „Fere selvagge“. Weniger kammermusikalisch kommt „La danza delle fere“ daher mit furiosem Bassklarinettenspiel, das teilweise im Klang an einer Dudelsack denken lässt. Die Vokalistin erscheint als Instrumentalistin, die in den Dialog mit der Bassklarinette einfällt. Dem Bassisten gehören übrigens die letzten Takte des Stücks. Mit starken erdigen Basslinien macht „Lacrime sospese“ auf. Diese werden im Fortgang des Stücks durch das Vokale und das rhythmische, aufbrausende Geigensolo in den Hintergrund gedrängt. Hören wir da nicht auch Perkussives? Es ist vielleicht der Bassist, der auf den Korpus des Basses mit seinen Fingern trommelt.
Zu den Stücken, die das Quartett eingespielt hat, gehört auch „Piume sonore“ mit einer folkloristischen und jazzigen Note, dank an den Bassklarinettisten und den starken Bass als Rhythmusgeber. Die Vokalistin ist in dem Stück „Klangfeder“ - so die deutsche Übersetzung des Titels – eine ganz wesentliche Stimme, wie auch in anderen, die auf dem Album vorhanden sind.
„Amaryllis, meine Schöne, Glaubst du nicht an mein Herz Süßes Verlangen, dass du meine Liebe bist? …“ sind einige Zeilen aus dem Original „Amarilli mia bella“ von Giulio Caccini, Gesang und Notierungen lassen uns ins 17. Jahrhundert reisen. Und das ist in einem Großteil der Aufnahmen der Fall. Doch Jazz mit seinen musikalischen Freiheiten der Improvisstion und offenen Formen findet sich auf dieser CD nicht. Es scheint durch und durch komponierte Musik die zu hören ist. Aufgrund der einleitend zitierten Ankündigung zum Album hätte man anderes erwartet, oder?
© f. dupuis-panther 2026
Musicians
Francesco Chiapperini (bass clarinet)
Valentina Fin (vocals)
Virginia Sutera (violin)
Andrea Grossi (double bass)
Tracks
1) Benvenuti a corte
2) O, che felice giorno!
3) Amor io parto
4) Dovrò dunque (morire)
5) Fere selvagge
6) La danza delle fere
7) Lacrime sospese
8) Queste lagrim amare
9) Diteli voi
10) Piume sonore
11) Tu ch’hai le penne
12) Eco di un dolcissimo sospiro;
13) Tra i petali di Amarilli
14) Amarilli mia bella
15) Queste lagrim amare (pizzicato reprise)
All compositions by Francesco Chiapperini, inspired by the music of Giulio Caccini
















