Florian Willeitner - What the Fugue

Florian Willeitner - What the Fugue

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ACT

Zu dem Album lesen wir bei ACT unter anderem: „Wie lässt sich das Prinzip der Fuge, einer der komplexesten Gattungen der abendländischen Musikgeschichte, in die Moderne weiterentwickeln? Dieser Frage widmet sich das „New Piano Trio“ bestehend aus Geiger Florian Willeitner, Cellist Ivan Turkalj und Pianist Alexander Wienand. Statt vor den barocken Vorbildern in Ehrfurcht zu erstarren wagen die drei klassisch ausgebildeten, extrem Stil-offenen Musiker auf „What the Fuge“ einen Balanceakt zwischen der Strenge der Fugenkunst und der Freiheit des Jazz“

Die meiste Kompositionen des Albums stammen aus der Feder von Florian Willeitner, auch das Stück „JSB on LSD“. "Hidden Prelude" und "Fuga in E" stammen vom Pianisten des Trios: Alexander Wienand. Na, ob das dem Meister gefallen würde? Mit „Tigran’s Prelude“ werden wir in die „neue Kunst der Fuge“ eingeführt. Es geht ja dem Trio nicht um die möglichst werkgetreue Wiedergabe des Bachschen Werkes, sondern um einen modernen Zugang zur Fuge. Und über den Beweggrund Präludien und Fugen zu komponieren, schreibt der Violinist des Ensembles Nachstehendes: „In 2012, my interest in fugues – the supreme discipline of the Baroque era – turned into something serious. I composed “Fuga in Odd” as the final movement for my second Piano Trio. My studies of the counterpoint of both Bach and Shostakovich provided me with one important source, but there was another: I was equally captivated by West African groove music. Both, it struck me, involve the highly complex interplay of many layers and the harmonious intertwining of several equal voices.“

Und hören wir außerdem, was der Komponist aller Stücke des Albums zu diesen generell sagt: „The key “Orient” is influenced by the vibrant colours and rhythmic ideas of Middle Eastern music, and in particular one of my greatest musical heroes, Tigran Hamasyan. In “Dimensions,” I delved into the rich harmonic possibilities of the “super-ultra-hyper-mega-meta-lydian mode”, inspired by Jacob Collier’s innovations. The key “Bach”, though not an attempt to mimic Bach’s tonal language, pays tribute to his preludes from the Well-Tempered Clavier. And lastly, “The Twinkle” sought to capture the mischievous spirit of Sergei Prokofiev, infusing the compositions with his playful energy and wit.“

Nun gut, nun also zur Musik, die wir hören. Der Aufmacher des Albums „Tigran’s Prelude“ empfängt den Hörer mit einer „sakralen Schwere“. Hier und da hört man ein Lamento heraus. „Orientalisches“ ist weder aus diesem Stück noch aus dem nächsten namens „Abde(l)“ zu destillieren. Beim letztgenannten Stück hat man im Verlauf des Stücks des Eindruck, man lausche The Flock oder Jean-Luc Ponty, wäre klassische Musik eine Nebensache und Geigen-Jazz der Fokus. Schließlich steht „Fuga in Odd“ auf dem Programm, wie andere Stücke auch, getragen vor allem durch die beiden Streicher und im Duktus einer Fuge mit „fliehenden Stimmen“ und einem schnellen Tempo. Ein Stück furios bis zum Ende.

Nachfolgend hören wir die Vielfalt von Key “The Super Ultra Hyper Mega Meta” mit Vor- und Zwischenspiel, mit Fuga und „Postludium“. Insbesondere im Präludium bringen die Streicher eine gewisse Tragik musikalisch zum Ausdruck. Da wird auch Verzweiflung Raum gegeben, insbesondere durch die Streicher, derweil sich der Pianist teilweise in kristallinen Passagen ergeht. Nahtlos folgt „Interludium“. Und noch immer ist die Stimmung gedämpft. Man meint beim Zuhören, man höre Musik für Trauernde, die sich in den Netzgewölben einer hochgotischen Kathedrale fängt. Das Kristalline, das Zerbrechliche, das wir zuvor als „Stimme“ des Pianisten wahrgenommen haben, kehrt in „Centrum“ wieder. Im Anschluss daran hören wir die Fuge, eingeleitet durch die kristallinen Tastentropfen des Pianisten. Der Violinist schließt sich „imitierend“ an, ehe dann der Cellist die zu einer Fuge gehörende Mehrstimmigkeit vollendet.

Key “Bach” bildeten den dritten Block zum Thema Präludium und Fuge. Sollte es angesichts eines Tracktitels wie „JSB on LSD“ gar elektronische oder gar psychedelische Musik geben? Nein, derartige Effekte hören wir nicht, aber statt dessen ein Violinenspiel, dass an die Legenden des Violinen-Jazz wie Didier Lockwood und Jean-Luc Ponty denken lässt. Bisweilen entdeckt man beim Hören tänzerische Linien und Zirkuläres, das dem Pianisten zu verdanken ist. Im weiteren Verlauf jedoch wird der Hörer von getragenen Linien eingenommen. Zugleich erweist sich der Pianist in seinem Spiel als jemand, der Klangkaskaden auf uns niedergehen lässt.

Nach „Hidden Prelude“ folgt dann erneut eine Fuge, diesmal in E. Zum Abschluss des Albums heißt es dann Key “The Twinkle”, eingeschlossen „Sergeys Zwinkern – Präludium“ und „Sergeys Zwinkern – Fuge“. Ob die Verbindung von klassischer Fuge und Präludium sowie Jazz gelungen ist, mag jeder Hörer für sich entscheiden. Hier und da mag das zutreffen. Doch der Impetus klassischer Musik überwiegt.

© ferdinand dupuis-panther


Info
ACT MUSIC

Musicians
New Piano Trio
Florian Willeitner violin
Ivan Turkalj violoncello
Alexander Wienand piano

Track Listing
Key “Orient”
01 Tigran’s Prelude 7:42
02 Abde(l) 7:24
03 Fuga in Odd 4:31
Key “The Super Ultra Hyper Mega Meta”
04 Dimensions - Präludium 2:54
05 Dimensions - Interludium 1:33
06 Dimensions - Centrum 0:59
07 Dimensions - Fuga 4:21
08 Dimensions - Postludium 2:21
Key “Bach”
09 JSB on LSD 4:17
10 Hidden Prelude 1:45
comp. Alexander Wienand
11 Fuge in E 3:12
comp. Alexander Wienand
Key “The Twinkle”
12 Sergeys Zwinkern - Präludium 2:55
13 Sergeys Zwinkern - Fuge 7:31


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