Fausto Ferraiuolo | Gabriele Mirabassi - Disubbidire sempre
F
Dodicilune
“Disubbidire sempre” ist das Debutalbum des Pianisten Fausto Ferraiuolo und des Klarinettiscten Gabriele Mirabassi. Zum Album lesen wir: „It is a project that takes shape through playfulness, listening and a conscious irreverence: that of those who know the rules inside out and choose, time and again, to challenge them. In this context, disobedience is not an act of rebellion for its own sake, but a necessary step on the path of growth and selfdiscovery. It is an act as much a part of childhood as it is of maturity: the ability to deviate, to experiment, to open up unexpected possibilities. As in jazz, freedom arises precisely from this deviation — from the tension between structure and invention, between rigour and abandon. In the dialogue between piano and clarinet, this attitude takes on a sonic form: technique bends, expands, cracks; the sound becomes at times rough, airy, imperfect, only to rediscover balance in new configurations.“
Der Pianist sorgt für ein Klangfundament, derweil der Klarinettist für melodische „Eskapaden“ sorgt. Das gilt auch für das Eröffnungsstück „Rêverie“. Folgen wir also den Tagträumen, die uns das Duo erleben lässt. Dabei scheint der Klarinettist derjenige, der sich den Träumereien hingibt. Verhalten ist hingegen der Pianist. Mit „À deux“ geht es weiter, einem Titel, der für ein Duo sehr passend ist. Zu Beginn vernehmen wir den Pianisten mit großer Geste. Auf diese reagiert der Klarinettist mit feinen Tonfolgen. Dabei hat man den Eindruck, der Klarinettist würde ein Ballettpaar bei seinen Drehungen begleiten. Auch dem Pianisten gelingen nachfolgend melodische Drehungen. Will man die beiden Instrumentalisten mit Ballett und modernem Tanz vergleichen, so steht der Klarinettist für das Ballett und der Pianist für modernen Ausdruckstanz, oder?
Mit „Bluesol“ - hier und da scheint das Spiel von Sidney Bechet durchzuscheinen - hören wir ein Stück, das auch Bluesanlehnungen zeigt. Nachfolgend heisst es „Domande che non mi piacerebbe ricevere“: Getragen im Tempo ist das Stück. Eine gewisse Düsternis kann man ausmachen. Vielleicht ist es nicht Düsternis, sondern eher Winterruhe, wenn das Leben in langsamen Bahnen verläuft, die mit dem Stück eingefangen wird. Doch vom Titel her gibt es keinen Verweis darauf. Im Verlauf ändert sich auch der Charakter, wenn der Klarinettist brilliert und losgelöst erscheint. Der Pianist hingegen entführt uns in die Welt der Romantik der klassischen Musik, oder?
Im Weiteren folgen „Domande a un miliardario“ mit Swing- und Ragtime-Note und „Domande a me stesso“ mit kammermusikalischer Ausformung. Völlig aus dem bisherigen Programm fällt „Impro debout“. Ja, das ist wirkliche Impro in vollen Zügen, ehe wir „Domande che non otterranno risposta“ hören, Fragen, die nicht beantwortet werden. So lautet die deutsche Übersetzung. Anlehnung an klassische Musik ist offensichtlich. Zugleich hat man auch die Vorstellung eines tragischen Musicals und entsprechender Musik. Und mit dem „Wiegenlied für Elora“ (Berceuse pour Elora) beschließt das Duo seine melodische Exkursion, die durchaus auch Züge von klassischer Musik beinhaltet.
© Ferdinand Dupuis-Panther 2026
Musicians
Fausto Ferraiuolo, piano
Gabriele Mirabassi, clarinet
Tracks
1) Rêverie
2) À deux
3) Bluesol
4) Domande che non mi piacerebbe ricevere
5) Domande a un miliardario
6) Domande a me stesso
7) Impro debout
8) Domande che non otterranno risposta
9) Berceuse pour Elora
















