2 x Frantisek Uhlir

2 x Frantisek Uhlir

F

Eigenverlag / ATS

Story of my Life / The KUH Trio

 

Frantisek Uhlir – Story of my Life
Eigenverlag


Zu seinem 70. Geburtstag hat der tschechische Kontrabassist Frantisek Uhlir, gelegentlich als Doyen des Prager Bassspiels bezeichnet, eine siebenteilige Suite komponiert, die er selbst verlegt hat. Es ist die musikalische Geschichte seines Lebens. Diese wird von einem umfangreichen Booklet begleitet, dass die Lebensgeschichte von sieben Jahrzehnten in Text und Fotos nachzeichnet, auch die Karriere als Musiker, aber eben nicht nur. Dass Uhlir in eine Musikerfamilie hineingeboren wurde, hat gewiss auch die musikalische Erziehung und den späteren Lebensweg befördert. Vater Uhlir war nicht nur Pianist, sondern unterrichtete auch an einer Musikschule in Usti nad Orlici, wo Frantisek 1950 das Licht der Welt erblickte. In der Big Band des Vaters trat der junge Frantisek erstmals, allerdings als Pianist und nicht als Bassist, in Erscheinung. Da war er gerade einmal 13 Jahre alt! Die Ausbildung zum Bassisten erfolgte am Konservatorium in Brünn. Doch nicht nur Big-Band-Jazz faszinierte Frantisek Uhlir, sondern auch klassische Musik. Während seiner Zeit in Brünn spielte er in einem klassischen Kammerorchester und im Opernorchester. Zu den Ensembles, mit denen er momentan zusammenspielt, gehören das KUH Trio, eine Kooperation mit Uhlírs langjährigem Schlagzeuger Jaromír Helesic und dem österreichischen Gitarristen Edi Köhldorfer, das MUH Trio mit dem italienischen Pianisten Roberto Magris, das Baroque Jazz Quintet, das klassische Kompositionen mit Jazzrhythmik verschmilzt, und die Prague-Vienna Connection. Sein „Geburtstagsalbum“ hat er mit einem Septett eingespielt. Ein solches Ensemble bestehend aus einer Rhythmusgruppe sowie Posaunisten, Trompeter, Alt- und Tenorsaxofonisten gleicht beinahe einer kleinen Big Band, auch wenn diese ja durch die Verdopplung und Mehrfachbesetzung der Bläser gekennzeichnet ist.

Nach einer Einführung folgen Stationen des Lebens, die „Home“, „Youth“, „Usti-Brno-Praha“, “A Life as a Musician“, „Children“, „Turbulence of Life“ und schließlich „From my Heart to All of You“ heißen. Bereits der Prolog kommt sehr aufgeweckt und mit südamerikanischen Rhythmen angereichert daher. Zugleich ist dieser Einleitungsteil auch sehr beschwingt. Uhlirs Spielfreude ist in dem eingebetteten Solo nicht zu überhören. Unterlegt sind diese Teile durch vollmundig klingende Bläsersätze. Was sich in dem ersten Arrangement bereits andeutet, ist das Prinzip der musikalischen Rotationen. Neben Uhlir hören wir dann auch den Trompeter Frantisek Tomsicek in einem weich gezeichneten Solo. Der gemeinsame Chorus der Bläser knüpft nachfolgend durchaus an die Spiel-Tradition einer Big Band an. Mit viel Swing und mit Anlehnungen an die Musik von Cannonball und Nat Adderley geht es weiter, wenn „Home“ angestimmt wird. Und was will uns dabei Premek Tomsicek in seinem Posaunen-Solo erzählen? Wie bereits oben angedeutet, sieht sich Frantisek Uhlir nicht als Nabel der Welt, sondern gibt den Mitgliedern seines Ensembles Raum, auch solchen sich auf Post-New-Orleans und Ragtime-Anlehnungen einzulassen - siehe Standa Macha am Piano. Sehr starke Akzente setzt der Pianist, abseits von Monk'schen Setzungen. Gestrichen und leicht klagend vernehmen wir den Bass, den Uhlir spielt. Doch nach und nach mischen sich die Bläser ein und stimmen ein gewaltiges Tutti an, wenn es dem Ende des Stücks entgegen geht. Feines perlendes Klavierspiel trifft bei „Youth“ auf einen dichten Klangteppich, den die vereinten Bläser knüpfen. Wenn dann Soli als Destillate erscheinen, so sind sie immer eingebettet in die Bläserriege. So samten im Ansatz wie bei Paul Desmond geht der solistisch präsente Saxofonist nicht zu Werke, ist aber auch nicht zornig und überlaut zu vernehmen. Im Gegenteil, da ist stets ein wenig Swing mitenthalten. Tasten-Kaskadierungen treffen im Weiteren auf die Phalanx der Bläser, das wohl tragende Element nicht nur bei „Youth“, sondern auch in allen anderen Teilen der Suite. Klare und schwungvolle Klanglinien zeichnet der Trompeter Frantisek Tomsicek, bevor er sich wieder in den Bläserchor einfindet. Stationen des musikalischen Lebenswegs bündeln sich in „Usti-Brno-Praha“, eingeleitet von einem getragenen Basssolo, das durchaus hier und da aufgrund der Melodie und der Harmonien an Wehmut denken lässt. Dieses Solo erscheint wie der Blick zurück, auch an die Anfänge des Musikers Uhlir. Sehr getragene Passagen sind außerdem im Weiteren zu hören. Bisweilen meint man, einem Tanzorchester zu lauschen, das zum Tanztee aufspielt. Und dann ist erneut der Bassist im Fokus, zupft die Saiten des Tieftöners kräftig und auch flink. Man meint gar, der Bassist würde uns das Bild einer Tänzerin nahebringen, die sich auf schwungvolle Pirouetten versteht. Aus dem massiven Korpus des Basses dringen filigrane Tonfolgen ans Ohr des Zuhörers. Selten genug ist es ja, dass der Bass mal nicht nur eine Nebenrolle spielt.

„A Life as a Musician“ zeichnet sich durch das Orchestrale aus, so als wollte uns Uhlir vermitteln, dass die großen Orchester von Duke Ellington, Thad Jones, Count Basie und andere für ihn Leitbilder waren und sind. Sehr gelungen ist im Übrigen das Posaunensolo von Premek Tomsicek. Zumeist ist es ja an den Saxofonisten in einem orchestralen Rahmen die solistischen Akzente zu setzen. Ja, das passiert bei Uhlirs Septett auch, aber eben nicht in der Ausschließlichkeit. Die „Turbulenzen des Lebens“ bleiben bei Uhlirs Rückblick nicht ausgespart. Folgt man den Melodielinien, gab es wohl Aufs und Abs, die sich in Uhlirs Leben abwechselten und nun Eingang in einen Teil der „Lebenssuite“ finden. Doch von Ausweglosigkeit oder Katastrophen ist nicht die Rede, oder? Sehr berührend ist schließlich das einleitende Solo des Bassisten in „From My Heart to All of You“. Sentimentalität macht sich breit, oder? Und in diese Stimmung verfällt auch der Pianist in seinem fließenden Tastenspiel. Mit ihm tritt Uhlir in eine Art intimen Dialog ein, wenn das Stück seine Fortsetzung findet. Sehr behutsam agiert der Drummer dabei im Hintergrund. So liegt am Schluss der Fokus dann auf der Rhythmusgruppe und vor allem auf Uhlir, der uns streckenweise ein wenig Melancholie vermittelt. Das Leben ist eben nicht immer nur ein Freudensprung.

Infos

www.frantisek-uhlir.cz

Line-up :

Frantisek Uhlir - bass
Frantisek Tomsicek - trumpet
Premek Tomsicek - trombone
Andy Schofield - saxophone alto
Suzanne Higgins - saxophone tenor
Standa Macha - piano
Marek Urbanek - drums




KUH Trio – Old Souls
ATS


Im Herbst 2018 trat das Dreigespann von KUH bei einem Festival in der Steiermark auf. Die Chemie stimmte von Anbeginn, sodass im darauffolgenden Jahr eine ausgedehnte Konzertreise unternommen wurde. Nun liegt ein aktuelles Album vor, das mit „Just for us“ und „Mainart“ aufmacht, aber auch von „Old Souls“ erzählt, mit „KUH Monk“ sich vor einem der Jazzlegenden verneigt, aber auch den Hörern „From Heart to Heart“, „Game III“ und „Jaro“ präsentiert. Komponiert haben diese Stücke jeweils Frantisek Uhlir und Edi Köhldorfer.

Nachstehend noch das Zitat eines Kritikers: „The KUH Trio“ schafft es jeden Abend das Publikum mit seiner Spielfreude, Groove und den melodischen und manchmal auch herausfordernden Kompositionen zu begeistern! … Es ist eine wunderbare CD geworden. Zauberhaftes und Bezauberndes geben sich die Hand …“ (Herbert Uhlir, ehemaligerThe Leiter Ö1 Jazzredaktion)

Frisch und aufgeweckt, auch ein bisschen in Latin Fever gefangen, meldet sich der Gitarrist Edi Köhldorfer bei „Just for Us“ zu Wort. Das flotte Fingerspiel lässt Klangpassagen an unser Ohr dringen, die sich in einem Bild von bunten Papierdrachen, die im Wind aufsteigen, verfestigt. In den Spuren des Gitarristen bewegt sich nachfolgend der Bassist Frantisek Uhlir mit dem kurzen Anreißen der Basssaiten. „Mainart“, komponiert von Edi Köhldorfer“, schließt sich an das Eröffnungsstück an. Eher im Songhaften bzw. Balladenhaften ist das Stück eingebunden. Aufgrund der feinen Gitarrenmelodie kann man durchaus das Bild von einem Morgen mit glühend rotem Sonnenaufgang am Meer vor Augen haben. Würde man die Sequenzen, die der Gitarrist spielt, in ein Gemälde umsetzen, so müsste man Paul Signac und seine luministische Malerei unbedingt erwähnen. Scheinbar setzen die drei Musiker bei diesem Stück ihre musikalischen Bildpunkte zu einer lichtdurchfluteten Collage zusammen. Das Licht des Südens ist beim Zuhören ganz und gar präsent. Nachfolgend tanzen wir dann einen Samba und sind daher dem „Alten Europa“ ganz entrückt: „O Samba Boemio“ lautet der Titel und das heißt wohl „Oh böhmischer Samba“. Man achte mal auf das ausgewiesene Rhythmusspiel des Schlagzeugers und die Klangtänzcleien, die uns Edi Köhldorfer präsentiert. Und auch Frantisek Uhlir ist mit seinem gestrichenen Bass ganz und gar mit südamerikanischem Hüftschwung unterwegs, oder? Rio mag zwar fern sein, aber das Dreigespann aus Böhmen und Österreich kann auch richtig einheizen. Oye, Oye, Samba Boemia!

„Old Souls“ zeigt, dass das bömisch-österreichische Dreigestirn den Blues im Blut hat, also die uramerikanische Musik schlechthin. Doch es ist nicht unbedingt eine Voraussetzung für das richtige Bluesgefühl, dass die Musiker ausschließlich afroamerikanischer Herkunft sein müssen. Wer sich die Geschichte von Blues und R&B anschaut, der stößt auf eine Vielzahl weißer Bluesmusiker, ob Alexis Korner, Gary Moore und John Mayall oder Joe Bonamassa. Wunderbar jault und weint die Gitarre, die Edi Köhldorfer zupft. Nicht minder vermittelt Frantisek Uhlir den Blues, geerdet und eher hin zum Country Blues tendierend, der auf den Schnickschnack von Verstärkern oder elektronischem Schatzkästlein verzichtet.

Dass Sprunghafte und das Plink, Plonk, Plonk bei Theolonious Monk findet man bei „KUH Monk“ wie auch den Ansatz von R&B, vielleicht auch ein wenig J.J. Cale, wenn man seiner Fantasie freien Lauf lässt. Selbst ein Hauch von Rock 'n' Roll kann man aus dem Stück herausfiltern. Für Puristen ist das gewiss eine Herausforderung. Doch es ist ja nicht allein der Gitarrist, der die Farbnuancen des Klangs definiert, sondern auch seine Mitspieler. Und diese sorgen dann für die angenehme Jazztemperierung.

Voller Melodramatik ist „From Heart to Heart“ und im kompositorischen Kern sehr nahe an der Komposition „From My Heart to All of You“ aus der siebenteiligen Suite „Story of my Life“. Und zum Schluss erklingt dann „Jaro“, sehr temporeich und durchaus auch mit Fusionverweisen, wenn auch auf Fender Rhodes, Hammond B3 und stimmgewaltigen Bläsersatz verzichtet wird. In der Beschränkung liegt eben auch die Kunst, ein funkelndes Klangspektrum überzeugend vorzustellen.



Infos

www.edikoehldorfer.com
www.frantisek-uhlir.cz

Line-up :

Frantisek Uhlir - Bass
Jaromír Helesic - Schlagzeug
Edi Köhldorfer - Gitarre


© ferdinand dupuis-panther  -  foto Frantisek Uhlir © B. Hacova


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