Ernesto Cervini – Water Pistols at Dawn

Ernesto Cervini – Water Pistols at Dawn

E

TPR Records

Nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Spitze des ursprünglichen Ernesto Cervini Quartetts schlägt der Schlagzeuger, Komponist und Bandleader Ernesto Cervini mit „Water Pistols at Dawn“ ein neues Kapitel auf. Vorliegend ist das Debütalbum seines neuen Quartetts mit Kae Murphy an der Trompete, Andrew Marzotto an der Gitarre und Mark Godfrey am Bass.

O-Ton Ernesto Cervini: “I figured it was time to see what some of the younger musicians on the Toronto scene were up to, and I think I hit the jackpot with this combination. They challenged me, inspired me, and made these compositions better than I ever imagined they could be.”

Auf dem Album finden sich drei Kompositionen von Cervini - „Waiting for a Win“, „Water Pistols at Dawn“ und „A Resonant Space“. Daneben hören wir neue Arrangements von Glenn Millers „Moonlight Serenade“ sowie Thelonious Monks „Evidence“ und „Free in the Knowledge.“

Ohne Frage der Eröffnungstrack des Albums lebt von der Brillanz des Trompeters Kae Murphy. Nicht nur er trägt zu der Klangfärbung von „Waiting for a Win“ bei, sondern auch der Gitarrist Andrew Marzotto, der ein feines Klanggewebe knüpft. Sehr behutsam agiert der Drummer im Hintergrund. Wortgewalt im übertragenen Sinne zeigt der Trompeter auch im zweiten Teil des Stücks. In diesem agiert außerdem der Drummer solistisch und verursacht Schlagwerkgewitter. Aus der Feder des Bandleaders und Drummers Ernesto Cervini stammt auch der nachfolgende Titel namens „Water Pistols at Dawn“. Zur Eröffnung des Stücks hören wir ausladende Gitarrenklänge, teilweise durchaus mit einer Anlehnung an Rockmusik. Triumphierend agiert der Trompeter, der sich allerdings auch auf leise Töne versteht. Eindrucksvoll ist das Geflecht zwischen der Stimme des Trompeters und der des Gitarristen. Es gibt aber auch Raum für den Gitarristen seine weich gezeichneten Klanglinien solistisch zu verfolgen. Das was wir hören ist durchaus mit wilden Klecksereien in der Kunst, man denke an Jackson Pollock, zu vergleichen.

Der Gitarrist ist es, der uns in den Glenn Miller Song „Moonlight Serenade“ einführt, ehe dann der Trompeter das bekannte Thema anstimmt. Sehr lyrisch und elegisch sind die nächtlichen Passagen ausgeformt. Der Drummer hat die Schlagstöcke weggelegt und bearbeitet die Felle mit seinen Handflächen, so der Höreindruck. Und dann, ja dann ist es die Stunde des Gitarristen, der über das Thema der Mondschein-Serenade paraphrasiert. Das ist wahrlich ein Ohrenschmaus. Ähnliches kann man auch über das Bass-Solo sagen, das zu hören ist. Nach diesen eher leisen Klängen, ist es dann am Trompeter erneut das Thema vorzustellen.

Anschließend hören wir eine Komposition von Ernesto Cervini namens „A Resonant Space“. Getragen und besinnlich kommt das Stück daher. Der Trompeter scheint dabei in die Rolle eines Kirchenmusikers zu schlüpfen, der einen Psalm anstimmt, so der Höreindruck. Nachfolgend meint man den Klang einer Wurlitzer zu hören, obgleich eine solche gar nicht aufgelistet ist. Wurde die Trompete etwa entsprechend verfremdet? Man muss es annehmen. Übrigens, auch der Klang einer Schalmei kommt dem Zuhörer in den Sinn, verfolgt er den Track.

Zum Schluss stehen dann gleich zwei Stücke vom Meister des Bebop Thelonious Monk auf dem Programm: „Evidence“ und dann als finaler Akkord „Free in the Knowledge“. Mit einer Prise Swing kommt „Evidence“ daher. Schlüpft da der Gitarrist in seinem Duktus nicht in die Rolle des Pianisten Monk? Wie schnell dahin ziehende Wolkenbänder mutet das an, was der Trompeter zum Besten gibt. Temporeich ist zudem das Gitarrensolo gestaltet. Dabei ist der Bezug zu den Klanglinien des Trompeters mehr als deutlich. Dunkler Bassschlag vereint sich mit dem gehauchten Trompetenklang, wenn „Free in the Knowledge“ erklingt. Nach und nach erhebt sich die Trompetenstimme, erklimmt tonale Höhen, scheint wie bei einem klassischen Trompetenkonzert zu klingen. Fazit: ein sehr gelungenes Debütalbum, ganz in Post-Bop, wenn eine solche Etikettierung erlaubt ist.

© ferdinand dupuis-panther 2026


Info
https://ernestocervini.com

Musicians
The Ernesto Cervini Quartet
Kae Murphy – Trumpet
Andrew Marzotto – Guitar
Mark Godfrey – Bass
Ernesto Cervini – Drums

Track Listing
1. Waiting for a Win – 7:16
2. Water Pistols at Dawn – 4:58
3. Moonlight Serenade – 8:06
4. A Resonant Space – 5:31
5. Evidence – 4:25
6. Free in the Knowledge – 6:48


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