Eric Thielemans & Jozef Dumoulin – Daimon

Eric Thielemans & Jozef Dumoulin – Daimon

E

YOLK RECORDS

Dies ist das erste Studioalbum der beiden belgischen Musiker. „Das Album entstand aus einer informellen zweitägigen Session im Studio eines Freundes in Antwerpen. Es gab keinen Plan, eine Platte aufzunehmen; stattdessen wollten die beiden wieder musikalisch zueinanderfinden, um zu sehen, wohin ihre künstlerische Praxis sie geführt hatte, und um die Fragen zu ergründen, die ihre Arbeit nach wie vor prägen. Dumoulin, der seit Langem in Paris lebt und tief in der französischen zeitgenössischen Jazzszene verwurzelt ist, und Thielemans, der in Antwerpen ansässig ist und eine forschungsorientierte Improvisationspraxis pflegt, brachten unterschiedliche und dennoch sich ergänzende Perspektiven mit. Ihre Gespräche über Musik, ihre Ethik, ihre Verbreitungswege und ihre Spannungsfelder mit kommerziellen Rahmenbedingungen waren für den Entstehungsprozess ebenso zentral wie das Musizieren selbst.“ So lesen wir über die Platte, in Übersetzung des Originaltextes.

Weiter heißt es zum Album: „DAIMON ist weniger ein Thema als vielmehr eine Ausrichtung: eine Einladung, die Art und Weise zu erfahren, wie die Musik Mehrdeutigkeit, Nuancen und die leuchtenden Ränder des Unbekannten in sich aufnimmt. DAIMON ist ein intimes Dokument zweier Künstler, die sich intensiv mit dem Zuhören, dem Erforschen und der Ethik des heutigen Musizierens auseinandersetzen – eine Begegnung des Duos, die in einer klangvollen, mitreißenden Aufnahme verewigt wurde.“ Doch kein Wort lesen wir zum Titel der Veröffentlichung. Welchen Dämon beschwören die beiden Musiker? Geht es gar um den Flaschengeist, der sich zeigt? Unter Umständen ist dies aber auch für die Musik ganz nebensächlich.

Bei „Mutus Liber“ vernimmt man neben einem lang gezogenen Signalton und einem an Marschmusik erinnernden Trommelrhythmus elektronische Klanglandschaften und Synthklänge, die an getragene Kirchenmusik, einschließlich Kirchenorgelklang, erinnern. Nachhaltig und aufdringlich ist stets der Trommelschlag. Im Verlauf des Stücks wartet man gar auf den Gesang des Kirchenchors oder der anwesenden Kirchgänger, oder? Doch der bleibt aus. Marschrhythmus ist allgegenwärtig, auch zu den Orgelpassagen, die angestimmt werden. Wann findet die Musik, ihren Höhepunkt, fragt man sich beim Zuhören. Irgendwie scheint Gleichmaß das Prinzip. Auf das Eröffnungsstück folgt „Casia“: Gänzlich anders als zu Beginn der Platte ist dieses Stück. Weicher Keyboardklang vereint sich mit dem steten Klick-Klick-Dum-Dum des Trommlers. Dabei haben die melodischen Passagen, die Jozef Dumoulin spielt, etwas von Popmusik und Singer/Songwriter, oder? Klangtiefen und -höhen werden ausgelotet. Ansonsten breitet der Pianist des Duos einen flauschigen Klangteppich aus. Wie die Einschläge von Hagelkörnern muten die Trommelklänge an, die auf den Hörer gleichsam niedergehen. Ähnlich wie im ersten Stück ist auch bei „Casia“ die Klangvarianz begrenzt.

„Fall Seven Times, Stand Up Eight“ heißt es auch auf dem Album. Es ist eine Einspielung von fast einer Viertel Stunde! Nach und nach, Klang für Klang, Facette für Facette entwickelt sich das Stück. Diesmal erlebt man Jozef Dumoulin am Piano, von dem man annehmen muss, dass es such manipuliert wurde. Stoisch ist das Drumming zu charakterisieren. Dumoulin scheint stets aufs neue Melodien anzudenken und zu spielen, ohne sie auszuformen. Fragmentarisch muss man das bezeichnen, was wir hören, auch das perlende Spiel im Diskant, das aufscheint und verschwindet. Synthklänge sind im Hintergrund zu hören. Sehr dynamisch und mit Verve greift der Pianist stellenweise in die Tasten. Dabei kann man hier und da an Wolkenrauschen denken. Beigemischt sind dem Stück auch Keyboard- oder Synthklänge, die gegen das Klavierspiel gesetzt sind oder solistisch zu hören sind. Stolperndes Drumming wird hinzugefügt. Tastensalti auch in den höchsten Tönen dringen an unser Ohr. Streckenweise gleicht das Klavierspiel einem schrillen Pling-Pling. Und ist da nicht auch der Klang einer Drehorgel am Ende des Stücks zu erleben?

Nach „Underpaint“ folgt „Obsidian Tiger“. Zu letzterem ein paar Worte: Paukenschlag oder was – das fragt man sich zu Beginn. Oder hört man gar eine Rahmentrommel zu dem sehr weichgezeichneten Keyboardklang? Anschwellender Synthklang ist susserdem zu vernehmen, so hast es den Anschein. Und stets hören wir ein dumpfes Getrommel, auch dann, wenn der Pianist in die Klaviertasten greift und eine Art Miniatur präsentiert. Das Finale lautet dann „The Largest Field“ und damit endet die Klangsrchiteltur des Duos.

© f. dupuis-panther 2026


YOLK RECORDS

Musicians
Eric Thielemans, drums, percussions
Jozef Dumoulin, piano, keyboards, electronics

Tracklist
01. Mutus Liber - 09:49
02. Casia - 07:03
03. Fall Seven Times, Stand Up Eight - 13:52
04. Underpaint - 05:04
05. Obsidian Tiger - 06:37,
06. The Largest Field - 08:21


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