Emilie Škrijelj & Tom Malmendier – Tropism

Emilie Škrijelj & Tom Malmendier – Tropism

E

Carton Records

Das Elektro-Duo Emilie Škrijelj / Tom Malmendier legt nun sein zweites Album „Tropism“ (dt Drehung, Wendung)  vor. Der Begriff bedeutet inhatlich u. a. gerichtete Bewegung von Pflanzen Mit minimalistisch zu bezeichnendem Instrumentarium versucht das Duo nun diese Begrifflichkeit in Klangformen zu erschließen:  Ein Plattenspieler, ein Drumset reicht für wilde Musik, wie der erste Track „Pua Pii“, eine Blume von den Marquesas-Inseln,. Sie kann sich  dank ihrer hakenförmigen Ränder festkleben, um zu gedeihen. Verspielt geht es weiter, mit dem  Song „Patoko Mata“. Dabei handelt es sich um ein Gras, das sich die Inselbewohner, insbesondere die Kinder, in die Augenlider stecken, um sie weit offen zu halten. Um was es sich bei „Kipo Kipo“ handelt,  wird uns nicht verraten. Doch ein Blick ins Netz gewährt uns Aufschluss und so wissen wir dann, dass es sich um eine Schale handelt, die aus Rosenholz gefertigt wird und in Französisch-Polynesien zum Beispiel für das Servieren von Poipoi dient, das aus der Brotfrucht hergestellt wird.

Doch nun zum musikalischen Teil: Fiepsendes, quietschendes Geschiebe auf einem Plattenteller; Scratching halt, und dazu Trommelwirbel im Übermaß. Das Scratching hört sich an, als würde eine neue Comic-Animation mit Figuren gedreht, die eine neuartige Sprache sprechen. So setzten sich im Kopf Sprechblasen bei Hören der Musik ab wie Tsch, Tklingklingeling, Tätatä oder Ähnliches. Stetes Schlagen auf einer Kuhglocke ist zu Hören. Dädöt, Huihm, Rrrhä oder ähnliche Laute nehmen wir auf. Dazu wirbelt Tom Malmendier an seinen Trommeln unter Verzicht auf Beckenschläge, die wenn sie denn kommen, sehr dezent gesetzt sind. Eher hat man den Eindruck Sticks tanzen zwischen Toms hin und her. Ab und an gibt es auch einen Beckenwirbel. Aus voller Kehle hört man die Klänge des Turntables und auch Vogelstimmen. Diese dürften wohl der Erzeugung elektronischer Effekte geschuldet sein. Klänge stapeln sich übereinander, wenn Emilie Škrijelj den Plattenteller dreht. Nutzt sie ihn auch für Perkussives oder ist das dann doch Tom Malmendier, der die Trommelwände dafür einsetzt? Wusch, Wui, WuschWuah – das sind auch Geräuschmodule, die an unser Ohr dringen. Und das soll nun die musikalische Umsetzung einer Blume von den Marquesas in Musik sein? Nun ja, da mag der Hörer Fragezeichen setzen.

Radiofrequenzen spielen im Weiteren eine Rolle und ein Hmhmhui. Noise Music präsentiert das Duo ohne Frage. Und dazu stellt sich die Frage zu dem Bezug zu den Marquesas. Gleiches gilt für das „stolpernde Drumming“, das mit Dynamik daherkommt, im Fluss ist und wächst und wächst. Und dazu hört man vermeintliche Laute des Dschungels, Geschnatter und Geschilpe, Zikadengesang, Katzenlaute oder Ähnliches. Und singt da nicht jemand Hohohohe? Und am Ende scheint alles in Windgesäusel zu vergehen.

„Pua Pii“ hören wir nachfolgend. Zischlaute entfalten sich. Man kann sich vorstellen, wie Finger über einen Platte gleiten und entsprechende Klänge erzeugen. Tock, Tock, Tock – so als würde ein Udu bespielt oder eine Schlitztrommel - ist zu hören. Bläst da jemand einen „Graskamm“? Das dumpfe Tock ist weiterhin vorhanden, ebenso das hochtönige „Graskammgebläse“. Oder ist da jetzt doch mal so, dass das S eines Saxofons zum Einsatz gebracht worden ist? Wimmernd und klagend hört sich an, was wir hören. Das Klingeln eines alten Wahlscheibentelefons dringt an unser Ohr. Das Aufheulen einer Bandschleifmaschine scheint Teil der Inszenierung. Oder wurde eine singende Säge bemüht, um Klänge zu erzeugen?

Nahtlos geht es mit „Kipo Kipo“ und ähnlichen Klängen weiter. Sind da nicht Klanghölzer zu hören und rasantes Getrommel? Hier und da gibt es das typische Knistern, das Platten beim Abspielen hören lassen. Bambusrohre werden ins Schwirren gebracht, so die Hörvorstellung. Basstrommelwirbel hören wir und kurz mal ein Pieppiep und weitere Vogelstimmen. Schlagwirbel erleben wir bis zum Ende und dann ist Schluss mit dem „Hörspiel“ von den Marquesas!

© ferdinand dupuis-panther 2026µ


Musicians
Tom Malmendier | drums, objects
Emilie Škrijelj | turntable, electronic

Tracks
1. Patoko Mata 20:00
2. Pua Pii 05:39
3. Kipo Kipo 04:13


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