Emile Parisien – Floating

Emile Parisien – Floating

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ACT

Ein O-Ton zu Beginn: „Im Kern handelt diese Musik von Frieden, Poesie, Sanftheit und Liebe“, sagt Emile Parisien über das Album „Floating“. „Die Welt dreht sich so schnell, ist so verrückt, so voller Sorgen und Konflikte. Diese Musik soll ein Gegenpol dazu sein.“ Neben Emile Parisien sind auf dem aktuellen Album der Pianist Yaron Herman, die Bassistin Linda May Han Oh und der Tablaspieler Prabhu Edouard zu hören.

Pianist Yaron Herman und Parisien spielen seit zwei Jahrzehnten zusammen und waren gleichzeitig so stark in ihre eigenen Projekte eingebunden, dass musikalische Begegnungen rar wurden. „Wenn Yaron spielt, versinkt er wie ich zu hundert Prozent in der Musik“, sagt Emile Parisien. „Und wir haben eine gemeinsame Art, melodisch zu spielen und gleichzeitig frei zu bleiben – das war mir für diese Aufnahme besonders wichtig.

Über den Tablaspieler Prabhu Edouard äußerte sich Parisien mit folgenden Worten: „Prabhu bringt unsere Musik zum Fliegen. Seine musikalische Intelligenz und die Leichtigkeit und Wendigkeit seines Instruments ermöglichen es ihm, alle Grenzen zu durchbrechen.“ Und dann ist da ja noch die Bassistin Linda May Han Oh: „Linda hat so viele Möglichkeiten. Sie ist eine fantastische Kontrabassistin mit enormer Technik, aber sie setzt nie alles ein, sondern nur das, was die Musik wirklich braucht. Linda ist eine solche Kraft, sie erdet und vereint die vielen Bestandteile dieser Musik.“

Was wir hören ist erzählerische Musik. Kapitel für Kapitel wird aufgeschlagen. Dabei hat man den Eindruck, es werde ein verwunschener Wald musikalisch beschrieben, als wären Landschaftsimpressionen mit Licht-Schatten-Regie gegenwärtig, als wäre auch eine kammermusikalische Note vorhanden. Yaron Herman hat einen wesentlichen Teil der Kompositionen zu verantworten. Derweil stammen zwei Stücke, nämlich „Bonbon“ und „66“ von Emile Parisien.. Nur selten verlässt das Ensemble lyrische Fahrwasser. Das ist zum Beispiel in dem sehr rhythmisch durchwirkten „Nusrat“ der Fall. Dabei fällt dem Tablaspieler eine zentrale Rolle zu. Der Klang Indiens scheint dann sehr nahe. Das ist übrigens auch im Stück „Portal“ gegeben. Zugleich hat das Stück auch eine sehr swingende Note, dank an Parisien. Das Stück scheint aber auch zart im Funk verhaftet, oder?

Ein klassisches Gewand zeigt sich in „Asian Songs & Rhythms, No. 40“. Der Zuhörer hat den Eindruck, exotisches Flair zu spüren. Gemäßigt ist der Duktus. Ein akustischer Leckerbissen ist das Sopranosaxgebläse. Dieses hat hier und da auch Anlehnungen an mittelalterliche, liedhafte Weisen. Bereits im ersten Stück zeigt sich die Gleichberechtigung der Musiker, denkt man ans ausführliche Solo des Pianisten, der Kaskaden dahin rinnen lässt. Tablageklapper und -getrommel vereint sich mit dem fein gewebten Saxofonklang in „Bonbon“ (comp Emile Parisien). Voller Dynamik ist das Stück, auch wegen des Tablagetrommels. Weiche sowie „aufgebürstete“ Linien fügt der Saxofonist dem Stück hinzu. Erdiges scheint im Hintergrund auf, wenn die Bassistin in Aktion tritt.

Nach „Olive Branch“ (Yaron Herman) folgt die Interpretation eines Stücks des Oud-Spielers Anouar Brahem namens „Badhra“. Man hat den Eindruck, Parisien nimmt uns mit nach Fez und Marrakesch und auf die dortigen Märkte mit ihren Gauklern und Schlangenbeschwörern. Der Orient lebt, auch ohne Guembri- und Zumaspieler.

Aus der Feder der Bassistin Linda May Han Oh stammt „As it comes and as it goes“. Der Bass ist es auch, der schnurrt und schnarrt, wenn das Stück seinen Beginn nimmt. Die Tiefen des Basses werden im Weiteren ausgelotet, aber auch hier und da die „Obertöne“. Das Stück ist gänzlich auf die Bassistin zugeschnitten. So steht ein Instrument im Fokus, das sonst eher Staffage ist.

Im Gegensatz zum Titel „El Toro“ (Yaron Herman) vernehmen wir kein Olé und Flamenco-Gesang, sondern karnatischen Gesang sprich Konnakol. Die Instrumentalbegleitung folgt weitgehend den rhythmischen Mustern des Gesangs. Als Schlussakkord eines mitreissenden Albums erleben wir „Arco“ (comp Yaron Herman).

© ferdinand dupuis-panther 2026


https://www.actmusic.com

Musicians
Emile Parisien soprano saxophone
Yaron Herman piano
Prabhu Edouard tabla, percussion, vocals
Linda May Han Oh double bass, vocal

Tracks
01 Asian Songs & Rhythms, No. 40 (Georges Ivanovitch Gurdjieff & Thomas de Hartmann) 04:57
02 Bonbon (Emile Parisien) 05:14
03 Olive Branch (Yaron Herman) 04:49
04 Badhra (Anouar Brahem) 06:19
05 Portal (Yaron Herman / Emile Parisien) 06:18
06 66 (Emile Parisien) 05:20
07 Ruth (Yaron Herman) 04:38
08 Nusrat (Yaron Herman) 04:54
09 As it comes and as it goes (Linda May Han Oh) 01:52
10 El Toro (Yaron Herman) 03:19
11 Arco (Yaron Herman) 03:26


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