Dusan Jevtovic - If You See Me (fdp)

Dusan Jevtovic - If You See Me (fdp)

D

Independend Production

Der gebürtige Serbe Dusan Jevtovic, nunmehr in Barcelona lebend, erhielt eine musikalische Erziehung, die amerikanischen Jazz, britischen Hard Rock und serbische Volksmusik einschloss. Er bekam mit 12 Jahren von seinen Eltern eine Gitarre geschenkt, nachdem er in einem Konzert zuvor den Gitarristen RM Tocak und dessen Band Smak gehört hatte. Die Band, mit der Dusan Jevtovic spielt, ist mit illustren Namen gespickt. Da sei nur der Schlagzeuger Gary Husband genannt, der unter anderem mit dem leider schon verstorbenen Gitarristen Allan Holdsworth aufgetreten ist. Wie sehr der serbische Gitarrist Dusan Jevtovic auch in der Volksmusik beheimatet ist, zeigt sich darin, dass er den Tapanspieler Aleksandar Petrov in seine Band geholt hat. Tapan ist im Übrigen eine traditionelle, in Mazedonien gespielte Trommel.

Auf dem aktuellen Album konfrontiert uns Dusan Jevtovic mit einer bunten Klangmelange, die R&B, Hard Rock und schräges Klangflirren einschließt. Irgendwie hat man beim Zuhören den Eindruck, King Crimson wäre für eine Session mal im Studio vorbeigekommen, um ganz unverbindlich einzusteigen.  Irgendwie scheinen aber auch Deep Purple, Rory Gallagher und andere Verteter des Rocks zugegen zu sein, wenn Jevtovic mit seinen Mannen aufspielt. Ein besonderer Hinhörer ist das Zusammenspiel von Dusan Jevtovic und Markus Reuter. Dieser spielt eine sogenannte Touch-Guitar, die mittels Griffbrettklopfen, ähnlich wie ein Chapman Stick, zum Klingen gebracht wird.

Mit „Walking Seven“ wird das Album aufgemacht. Saitenrausch vereint sich mit Saitenrauschen und -raunen. Bassschritte verschmelzen mit ausuferndem Saitenspiel der Gitarristen. Hart trommelt der Schlagzeuger dazu auf Toms und Bassdrum. Sphärische Klangmodule schwirren im Hintergrund. „Zirpende“ und jaulende Gitarren vereinen sich im Klangrausch. Ist da nicht auch ein sonores Quaken zu vernehmen? Gleichsam wie ein hin- und herschießendes Schiffchen einer Jacquard-Webmaschine entwickelt sich das anschließende Gitarrensolo, aufbäumend, in Schleifen verstrickt, wimmernd und röhrend. Alvin Lee und andere Hard Rocker hätten ihre wahre Freude angesichts des akustischen Potpourris. Da vereinen sich metallisch klingende Elemente mit erdigen Klangfarben, die am Ende im Off vergehen. Hören wir da eine Tapan, eine eher trocken klingende Trommel, einer irischen Rahmentrommel nicht unähnlich, die mit einem Holzknauf  geschlagen wird? Und dann dringt mehrstimmiger Gesang an unsere Ohren. „Babe (Grannies)“ steht auf dem Programm. Wird dabei in Serbisch gesungen? Man muss es vermuten. Und dann, ja dann röhren, brummen, fauchen die Gitarren. Explosives liegt ebenso in der Luft wie Klangzirkulationen. Anschließend hört man erneut weibliche Stimmenvielfalt, die sich gegen ein Gitarreninferno durchzusetzen versucht.

„If You See Me“ ist ein Kaleidoskop verschieden gefärbter Gitarrenklänge und sphärischem Ambiente.  Mit beinahe akustischer Gefälligkeit macht das Stück auf, wäre da nicht der sonore Beiklang einer E-Gitarre, die ein Zwiegespräch aufnimmt. Im Folgenden sind auch durchaus feine Melodielinien auszumachen. Doch im wesentlichen bestimmen wiederkehrende Saitenschwingungen das musikalische Geschehen. Dazu gesellt sich ein distinktes Getrommel, das so klingt, als gehe es über Stock und Stein. Klangschwaden schweben dahin, dicht wie eine undurchdringliche Nebelbank. Und obendrein ist ein stetes, helles Wimmern einer Gitarre präsent.

Bei „Once Ocho“ dringt tropfender Gitarrenklang ans Ohr des Hörers, ohne Delay und Distortion. Und dann erhebt ein Streicher seine leicht mit Hall unterfütterte Stimme, so hat man den Eindruck. Doch bei der vorhandenen Besetzung kann das nicht der Fall sein. So denkt man im zweiten Schritt an ein Synth, aber auch das spielt keiner der Bandmitglieder. So muss das wohl einer der beiden Gitarristen sein, der sein Instrument entsprechend moduliert hat. Im weiteren Fortgang des Stücks gehen sphärische Saitenklänge mit Klangsträngen einer Gitarre Hand in Hand. Anlehnungen an Filmmusik, wie vielfach in Rezensionen zu lesen ist, ist m. E. nicht auszumachen. Wenn überhaupt ist dies nur fragmentarisch der Fall und ohne Bezug zu klassischer Filmmusik von Enio Morricone beispielsweise. „Ending“ ist der Schlussakkord des Albums und bietet uns eruptive Klangerschütterungen nebst distinkten Blechwirbeln. Ab und an meint man, dass die erzeugten redundanten Klangmuster sich bis ins beinahe Unendliche fortsetzen und dass sie von einer schroffen Felswand als Echo zurückgeworfen werden. Hochtöniges Wimmern ist ab und an nicht zu Überhören. Tanzende Sticks auf den Fellen des Schlagwerks sind ebenso Teil der musikalischen Inszenierung wie ein steter Klangteppich, der den Hintergrund des Klangraums ausfüllt.

© ferdinand dupuis-panther


Infos

Line-up
Dusan Jevtovic guitar
Markus Reuter Touch guitars® AU8, live looping
Bernat Hernandez fretless bass
Gary Husband drums

Special guest:

Aleksandar Petrov tapan (Macedonian traditional drums)

The tracks:

1- Walking Seven (04:53)
2- Babe (Grannies) (06:13)
3- Blue (05:53)
4- If You See Me (05:18)
5- Something In Between (05:12)
6- Once Ocho (06:12)
7- Si Pooro (04:06)
8- Ending (02:46)

https://dusanjevtovic.bandcamp.com/album/if-you-see-me-2
http://dusanjevtovic.com
https://www.facebook.com/DusanJevtovicMusic/


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