Diego Piñera / Daniel Manrique-Smith – Echoes of Two
D
iapetus/Bandcamp
Kurz und knapp als Einführung zum Duo und zum Album: „The Pinera & Manrique-Smith Duo brings together two extraordinary voices in contemporary jazz. Drummer and composer Diego Pinera, born in Montevideo in 1981, and flutist Daniel Manrique-Smith, born in Lima in 1982, first crossed paths in Germany, where both have been shaping the international jazz scene for many years. Their shared passion for Latin jazz, odd meters, and avant-garde experimentation soon sparked a close musical partnership that has grown into their latest project, the duo.“ (zit. Bandcamp-Text)
Ungewöhnlich ist die Instrumentierung des Duos. Man hätte vielleicht Bass und Flöte oder ein weiteres Blasinstrument an der Seite von Manrique-Smith erwartet. Nein, gleichsam als Antipode, Rhythmusgeber, als jemand, der auch Klangerlebnisse mit einem Fundament versieht, hört man einen Drummer an der Seite des Flötisten, der in Bonn lebt, aber aus Peru stammt. Und auch der Drummer ist kein heimisches Jazzgewächs, sondern stammt aus Uruguay. Der Titel des Albums macht neugierig und weckt wohl auch Erwartungen. Wie sehen wohl Echos dieser beiden Musiker aus? Muss man Konfrontation oder Dialog erwarten, Phrase und Paraphrase? Hören wir mal ins Album rein. Man muss zudem im Kopf haben, dass Manrique-Smith nicht nur Flöten von der C- über die Alt- bis zur Bassflöte spielt, sondern auch ebenso wie der Drummer Verfremdungen beherrscht, u.a. Loops und elektronische Klangbilder.
Bis auf eine Referenz an Astor Piazzola dem Granden des argentinischen Tango nuevo stammen alle anderen Stücke vornehmlich aus der Feder des Drummers. Eröffnet wird das Album mit dem Track „Early Bird“: Durchaus mit einem klassischen Impetus eines barocken Flötenkonzerts wird man konfrontiert, wäre da nicht das Rauschen der Becken und das distinkte Trommeln. Wechselbeziehungen werden gestaltet. Hören wir da nicht auch Bassklänge, die uns Manrique-Smith präsentiert? Zudem erleben wir eine Art „Flötenchor“, der an das Flötenspiel eines Spielmannszugs denken lässt. Derweil die Flötenklänge wie Schleierwolken dahinziehen, sorgt der Drummer immer wieder für eine Art „Paukenschlag“.
Ähnlich wie das erste Stück ist auch das zweite namens „Espera“ angelegt, in dem wir die „Zweistimmigkeit“ des Flötisten wahrnehmen. Irgendwie muss man auch an Kontrapunkt denken. Zudem werden Klangflächen eingespielt, die dem Stück auch den Charakter von Filmmusik verleihen, oder? Nicht zu überhören ist das Beckenrauschen und das „kurzatmige“ Getrommel. Derweil sucht der Flötist nicht nur lange Klangpassagen, sondern auch dramatisierte Interventionen. „Dunas“ setzt auf die Möglichkeit von Verfremdungen, lässt an Musik denken, die teilweise auch in Ambient Music zum Tragen kommt. Klangwirbel werden an Klangwirbel gesetzt. Nach der Einführung dringt der reine Flötenklang an das Ohr des Hörers. Ein modernes Flötenkonzert mit Gegenwartsmusik ist zu hören. Sehr lebendig und in einer Art Vorwärtsstreben gefangen erleben wir den Flötisten, der sich auch auf ein „explosives Klangspiel“ versteht. Und dann, ja dann sind auch sphärische Klangschemen zu erkennen, über die der Flötist seine kurz angebundenen „Stakkato-Klänge“ setzt. Gleichsam eine klangliche Windhose mit allen Turbulenzen schaffen die beiden Musiker mit „Impro 1 – Resonant Pulse“. Ja, da erleben wir sozusagen Klang und Gegenklang.
Sehr treffend beschreibt „Flauta y Batá“, was das Duo ausmacht. Sieht man von dem Sampling und den Verfremdungen ab, nehmen wir zwei Instrumente wahr: Flöte und Schlagzeug. Was so simpel erscheint, ist doch viel filigraner inszeniert worden, eben auch durch elektronische Module. Ein wenig Folklore ist wohl in diesem Stück mitverarbeitet worden. Und hört man da nicht auch ein Xylofon bzw. Vibrafon? Nach einer weiteren Improvisation namens „Impro 2 – Shattered Echoes“ folgt dann zum Schluss das Hohelied auf Piazzolla: „Oblivion“: Ein Glöckchenschlag, ein Antippen des Beckens, ein Gongklang, der nachhallt, ein Gewische auf den Fellen der Trommel trifft auf lange lyrisch ausgeformte Flötenklänge. Man muss beim Hören an ein Lamento denken. Tango argentino ist ganz und gar fern und ein konzertantes Flötenspiel ganz gegenwärtig.
© ferdinand dupuis-panther 2026
Musicians
Daniel Manrique-Smith flute
Diego Piñera drums
Tracks
1. Early Bird (Diego Piñera)
2. Espera (Diego Piñera)
3. Dunas (Daniel Manrique-Smith)
4. Impro 1 – Resonant Pulse (Diego Piñera / Daniel Manrique-Smith)
5. Para Ted (Diego Piñera)
6. Flauta y Batá (Diego Piñera)
7. Volviendo (Diego Piñera)
8. Impro 2 – Shattered Echoes (Diego Piñera / Daniel Manrique-Smith)
9. Oblivion (Astor Piazzolla)















