David Chevallier Trio – ReSet

David Chevallier Trio – ReSet

D

Yolk Records

„David Chevallier ist ohne Zweifel ein Musiker der französischen Szene, die es genießt, Grenzen zu verwischen, indem sie ihren eigenwilligen Ideen und Instinkten folgt. Inspiriert von Jazz, Alter Musik und anspruchsvoller Popmusik, ist sie bekannt für ihre Fähigkeit, verschiedene Ausdrucksformen zusammenzuführen und zu einem Ganzen zu verschmelzen, das ihren eigenen Stil widerspiegelt. 

Das 2013 gegründete Trio von David Chevallier hat seither rund hundert Konzerte in Frankreich und im Ausland gegeben. Nach „Standards & Avatars“, das eine sehr persönliche Interpretation von Jazz-Standards bot, gefolgt von „Second Life“ mit seinen Klängen, die an einen imaginären Jazz-Folk erinnern, kehrt das Trio mit einem dritten Werk namens „ReSet“ zurück. … Seit 2007 interessiert sich David Chevallier besonders für die Schnittstellen zwischen Barockmusik und zeitgenössischem Jazz. Er hat sein Repertoire um die Theorbe und die Barockgitarre erweitert, die er insbesondere für die Interpretation von Björk-Songs auf historischen Instrumenten einsetzt. David Chevallier hat jedoch weder die E-Gitarre noch den Jazz oder die Improvisation aufgegeben, wie seine Trio- und Quartettprojekte mit Sébastien Boisseau und Christophe Lavergne sowie sein räumlich gestaltetes Solostück „Le Coeur du sujet” zeigen.“ So lauten einige Zeilen aus dem Ankündigungstext des Albums. 

„Take the alternate cake“ heißt der Eröffnungstitel des Albums. Dabei werden wir mit einem Gitarrenklang konfrontiert, der eher aus der Welt des Rock als aus der des Jazz stammt. Wir hören eine stark rhythmisch ausgerichtete Gitarre, die mit „scharfkantigen Klängen“ zu überzeugen weiß. Nein, Wimmern und Jaulen einer E-Gitarre sind nicht unbedingt Teil der Programmatik des Trios um David Chevallier. Man muss beim Hören eher an Rockgitarristen wie Alvin Lee und Peter Green denken, oder? Nachhaltig bleiben die Klanglinien im Gedächtnis, auch weil der Bassist des Trios Sébastien Boisseau als enger Wegbegleiter des Gitarristen in Erscheinung tritt. Teilweise weichgezeichnet erlebt man den Gitarristen dann in „68 ways of whatever“. Zerfließende Linien treffen auf ein nervöses, aber nicht aufdringliches Drumming, dank an Christophe Lavergne.

Ab und an hat man den Eindruck, dass Klangfäden sich im Off verlieren. Feine Umspielungen dringen ans Ohr des Hörers. Nur gelegentlich erlebt man puren Instrumental Rock mit einfachen Mustern. Komplex ist das „Gespinst an Klängen“, das uns Chevallier präsentiert. Dabei vermischen sich Gitarrenklänge und Schlagwerkrauschen. Zudem zeigt sich der Kontrabassist nachdrücklich mit den Tiefen seines Saiteninstruments. Dazu setzt der Gitarrist hier und da kurze „Saitenakzente“. Im Hintergrund setzt der Drummer ein Tick-Tack und ein Tack-Tick ohne Beckeneinsatz. „How to ReSet“ ist gleichsam der „Titelsong des Albums“. Wiederkehrende Klangsequenzen sind nicht zu überhören. Leise Basspassagen sind auszumachen. Doch im Fokus stehen der Gitarrist und zudem der Drummer, der für viel Wirbel auf seinem Drumset sorgt. Nach und nach überlagern feinste „Schraffuren“ und „Schummerungen“ die Wiederholungsmuster. Dabei hat man den Eindruck, dass die genannten Elemente einer klassischen Partitur entstammen, oder? Ja, nun lässt Chevallier seine Gitarre auch mal wimmern und jaulen, ohne in puren R&B zu verfallen. Doch rockig mutet das schon an. Ja, dann scheinen gelegentlich auch im Geiste Rory Gallagher und andere moderne Bluesbarden gegenwärtig. Diese Momente sind jedoch sehr kurz. Eher mein man, Chevallier bewege sich auf den musikalischen Pfaden von Pat Metheny.

Weiter geht es mit „Delay suggestion“ und einem dahingleitenden Saitenfluss. Das hat streckenweise eine lyrische Ausformung. Federführend ist auch in diesem Stück der Gitarrist. Er bestimmt die Farbtupfer, die er auf der Klangpalette mischt. Hat das Stück nicht auch etwas von Fleetwood Mac? Vielleicht ja. Temporeich zeigt sich „Duplicity“, angetrieben vom Drummer. Derweil der Gitarrist „Gezeitenklänge“ anstimmt, um eine Bildsprache zu benutzen. „No train to catch“ ist klanglich kein „Hörspiel“ eines ratternden Zuges. Kein Wunder, denn niemand musste einen Zug bekommen, so die deutsche Übertragung des Titels. Beim Hören hat man eher die Vorstellung, aufkommende Winde umwehen uns als Hörer. Man kann sich auch vorstellen, dass der Gitarrist das unter den Füßen von Spaziergängern raschelnde Laub motivisch aufgreift. Wer schon einmal klassische Gitarrenetüden des Barocks gehört hat, mag Ähnlichkeit zwischen diesen und dem Stück von Chevallier konstatieren. Fast zum Schluss gibt es eine eher rotzig-freche Aufforderung zu hören: „Move your ass“. Wer da nun Funk oder Soul erwartet, der wird sich eines Besseren belehren lassen müssen. Das Trio agiert schon in dem Rahmen, in dem es sich auch in anderen Stücken präsentiert hat. Noch einmal kann man ein sehr umtriebiges Bass-Solo genießen, zudem auch den „samtigen Klangteppich“, den der Gitarrist für uns ausrollt.
 
© fdp 2025


YOLK RECORDS 
BANDCAMP 

Musicians
David Chevallier, hybrid guitar
Sébastien Boisseau, double bass
Christophe Lavergne, drums

Tracklist
01 — Take the alternate cake — 5:08
02 — 68 ways of whatever — 6:24
03 — How to ReSet — 8:21
04 — Delay suggestion — 4:18
05 — Duplicity — 4:38
06 — Il est permis de douter — 4:49
07 — Funny folks — 4:53
08 — No train to catch — 4:36
09 — Move your ass — 6:12
10 — Girotondo — 4:29


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