Compro Oro – Lamellomania

Compro Oro – Lamellomania

C

W.E.R.F. Records

„Das in Gent ansässige Kollektiv baut seine einzigartige Klangpalette auf Jazz und Psychedelia auf, stets geprägt von Einflüssen globaler Klänge aus allen Ecken der Welt. Auf früheren Alben führte sie diese Reise nach Havanna (Transatlantic, 2015), Mogadischu (Suburban Exotica, 2019) und Istanbul (Simurg, 2020). Die Eindrücke und Klänge dieser Städte lieferten auf jedem neuen Album frische Inspiration für ihre sinnlichen, farbenfrohen Songs, in denen Marimba und Vibraphon die Hauptrolle spielen. Zu hören sind Gitarristen, die gleichsam beim Saitenspiel eine Peitsche schwingen, und eine Rhythmusgruppe – Bass, Schlagzeug und eine Vielzahl exotischer sowie elektronischer Percussion-Instrumente –, die für „gewagte Groovea“ sorgen.“ So einige Zeilen aus dem Begleittext zum Album.

Im vergangenen Jahr hat die Band an der Entstehung eines brandneuen Projekts gearbeitet, dessen Melodien und Rhythmen diesmal aus Kinshasa stammen. Das ist ganz wörtlich zu nehmen, denn Compro Oro hat den kongolesischen Likembé-Spieler, Sänger und Tänzer Bouton Kalanda als Gastmusiker eingeladen. Also auf nach Zentralafrika. Doch Moment, wer bei den ersten Takten von Track namens „Zola Maman“ an die bei uns eher bekannte Musik von Fela Kuti, Manu Dibango, oder Ali Farka Touré denkt, der muss umdenken, denn nicht das Saxofon oder die Gitarre steht im Fokus, sondern der Gesang und das Vibrafon bzw. ein afrikanisches Lamellophon wie Kalimba, so der Höreindruck. Zudem ist der Rhythmus aufrüttelnd, aber das ist er in der Tat in der Musiker unterschiedlicher Regionen Afrikas. Gibt es da nicht auch ein wenig Pedal Steel zu hören? So eingestimmt geht es mit treibenden Rhythmen und vibrierendem Gitarrenklang weiter.

„Ki Kumini Pas“ steht auf dem Programm. Marimbafon oder Vibrafon – das ist die Frage, wenn man den Track hört und nicht nur auf die rockigen Intermezzos des Gitarristen achtet, sondern auf Wim Segers mit seinen Schlägeln, die über die Klangstäbe tanzen. Wer angesichts der Rhythmen noch ruhig in seinem Sessel sitzt, der sollte sich schnell erheben und das Tanzbein schwingen. Vor allem auch wenn der Gitarrist in rockigem Saitenspiel schwelgt. Dazu gibt es trockene Beats, die der Drummer verantwortet. Effekte gibt es als abschließende Zugabe. „Kukiedi“ lebt von kristallinen Klangpassagen, die der Vibrafonist zum melodischen Rahmen des Stücks beiträgt. Bouton Kalanda ist in diesem Stück auch zu hören., das nicht gänzlich auf elektronische Effekte verzichtet. Synth oder Rhodes fragt man sich beim Fortgang des Stücks, das sich sehr dynamisch entwickelt.

Weiter geht es mit „Bouton Siffle“ und elektronisch modulierten Klängen, die einem Lamellophon entspringen. Anfänglich meint man, man höre einen Handy-Telefonton und im Weiteren lauscht man menschlichem Gepfeife. Oder ist gar eine Vogelflöte oder Nasentröte im Einsatz? Und zum Schluss hören wir bei der musikalischen Zentralafrikaexkursion „Mpasi Zi Rata“. Dabei fällt auf, dass die musikalische Begleitung auf ein thematisches Modul beschränkt ist, das wiederholt wird. Dazu erhebt sich die Stimme des Sängers, „formelhaft“ und auch ein wenig beschwörend. Heiß ist ohne Frage die rhythmische Struktur, die das Stück tanzbar macht. Ach ja, 3/4-Takt-Passagen mit Orgeleinlagen gibt's auch noch zu hören. Zum Schluss: Ob das nun Jazz oder Weltmusik ist, ist eine Frage der Betrachtung. Die Musik hebt sich ab und ist ein Hinhörer abseits des Mainstreams. Das ist in einer Zeit bemerkenswert, in der die sogenannte Jazzpolizei hier und da den Geschmack definiert.

© ferdinand dupuis-panther 2026


Info
BANDCAMP
https://vi.be/platform/comprooro

Musicians
Wim Segers (vibraphones, synths)
Bart Vervaeck (el. guitar, pedal steel)
Matthias Debusschere (el. bass)
Falk Schrauwen (percussion, fx)
Frederik Van den Berghe (drums)

Tracks
1. Zola Maman 04:40
2. Ki Kumini Pas 03:40
3. Kukiedi 03:44
4. Bouton Siffle 00:58
5. Mpasi Zi Rata 04:44


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