Auster Loo – Make it More

Auster Loo – Make it More

A

Off Records

Simon Leleux (Doholla/Darbuka, Bendir/Rahmentrommel Nordafrikas) und Lydie Thonnard (Flutes, Vocals) vereint ihre Passion für Improvisationen, dabei geleitet von Inspirationen durch diverse Musikgenres  und Musiker.

Über diese beiden Musiker lesen wir in einem Text, den das Label Off Records veröffentlicht hat: „The unique complicity between Lydie and Simon immediately immerses the listener in a captivating experience of their music. Through their freedom of improvisation, the two musicians make the audience complicit in the creation of the moment, a moment in which they participate and which they help to shape. … After the album 'Collective' released in 2024 on Igloo Records which brought together eight musicians from different musical traditions around an original repertoire, Lydie and Simon felt the desire and the need to reconnect as a duo, without artifice. ... The album once again showcases the distinctive characteristics of Carnatic music, both in the modes used and the compositional processes. ...“

Bereits bei dem ersten Stück namens „Naisance“ stellt sich die Frage, ob es nun Weltmusik oder Folklore ist, die uns zu Gehör gebracht wird. Kenner werden aufgrund der rhythmischen Struktur auch Parallelen zu indischer Musik ziehen, beispielsweise zu der vom Karnataka College of Music. Weiter geht es mit „Mononomo“ und einem sehr eingängigen schnellen Rhythmus sowie gedämpften Flötentönen. Während man im Eingangsstück durchaus eine Querflöte identifizieren kann, fragt man sich nun, ob hier nicht eine Bambus-Rohrflöte mit im Spiel ist. Die Flötistin ist verhalten in ihren Spielbögen, derweil der Perkussionist die Finger auf die Doholla, auf eine orientalischen bzw. nordafrikanischen Trommel, schnell niederfahren lässt. Mitreißend ist, was uns Simon Leleux zu Gehör bringt. Dazu gibt es gehauchte Flötentöne, die das Rhythmische auf beinahe vokale Weise aufnimmt.

Kredenzt wird musikalisch „Mango juice for the monkeys“. Flirrende Flötentöne sind zu vernehmen. Bisweilen hat man allerdings auch den Eindruck, man höre das schwirrende Blättchen eines Holzbläsers. Explosivlaute, die man sonst von Saxofonisten her gewohnt ist, entlockt Lydie Thonnard ihrem Instrument. Zugleich hört man auch „Lautmalereien“, dank an einen besonderen Ansatz für das Gebläse auf der Querflöte. Vom Charakter der Musik her fühlt man sich nach Fez oder Marrakesch versetzt, sieht Gaukler und Schlangenbeschwörer, lauscht traditioneller Musik, zu dem sich Menschen in Trance tanzen. Mit viel Poesie versehen ist „Ethio“. Man meint, die Musiker würden einen durch eine Kasbah geleiten, würden auf einem Suq vorbeischauen, würden uns Weihrauch und Myrrhe musikalisch einatmen lassen. Schritt für Schritt werden wir aus dem Okzident in den Orient entführt. Und ist dabei Simon Leleux an der Rahmentrommel zu erleben? Man darf es annehmen.

In den Westen von Bangalore, ins luxuriöse Rajajinagar, begleiten uns die Musiker als Nächstes. Trommelschlag reiht sich an Trommelschlag. Lang gezogen sind die Flötenpassagen. Sie klingen so wie schwebende Klangwolken, mit leichtem stimmlichen Sirren und Schwirren. 1001 Nacht mit all seinen Klischees drängt sich auch auf. Man sieht anmutige Tänzerinnen vor seinem geistigen Auge, deren Handbewegungen genauestens choreografiert sind. Hell sind die Flötentöne, die in rascher Folge zu hören sind, als würden die Tanzenden sich immer schneller drehen und die Flötistin den Drehbewegungen folgen. Und wie gesagt: Stets ist auch das Karnataka College of Percussion im Geiste präsent, auch wenn wir keinen indischen Gesang namens Konnakol hören. Doch die Flötistin lässt uns in ihrem Spielansatz an den Gesang rhythmischer Silben denken. Und nichts anderes ist Konnakol. Schließlich ist die Flötistin auch als Vokalistin zu erleben. Den Abschluss des Albums bildet der Track „Basics for queens“. Fazit: Weltmusik, Fusion, Folklore oder Ethno Jazz – muss es denn eine Kategorisierung geben oder reicht einfach die Kennzeichnung als gute Musik!? Und diese präsentieren die beiden Musiker ganz bestimmt.

© ferdinand dupuis-panther 2026


BANDCAMP

Musicians
Simon Leleux
Lydie Thonnard

Tracks
1: Nascence
2: Mononomo
3: Abilène
4: Royaumont
5: Mango juice for the monkeys
6: Ethio
7: Rajajinagar
8: Kopa
9: Basics for queens


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