Arne Huber – Still

Arne Huber – Still

A

EARthen Records

Mit „Still“ legt der Kontrabassist und Komponist Arne Huber sein jüngstes Album mit dem eigenen Quartett vor – eine konzentrierte, klanglich feinsinnige Produktion mit neun Eigenkompositionen. Zum Quartett gehören neben Arne Huber Domenic Landolf (Saxophon), Rainer Böhm (Piano) und Jochen Rückert (Schlagzeug). In dieser festen Formation entstanden bereits vier viel beachtete Veröffentlichungen. Für „Still“ wurde die Band gezielt erweitert: Wanja Slavin (Altsaxofon) und Ben Kraef (Tenorsaxofon) sowie Jorge Rossy am Vibraphon bereichern den Ensemblesound und eröffnen zusätzliche Klangräume.

“Die neun Kompositionen aus Hubers Feder stehen exemplarisch für seine musikalische Handschrift: melodische Klarheit trifft auf rhythmische Raffinesse, strukturelle Präzision auf ein sensibles Gespür für Raum, Dynamik und Klangfarben. Der Titel „Still“ verweist programmatisch auf eine Ästhetik der Reduktion – auf eine Musik, die ihre Intensität aus Konzentration schöpft und souverän zwischen kammermusikalischer Transparenz und zeitgenössischer Jazz-Ästhetik balanciert.“ So lesen wir es im Begleittext zum Album.

Getragen kommt “Still” daher. Als Zuhörer könnte man gar denken, ein Lamento sei zu hören. Dass ein Septet kein monolithischer Klangkörper ist, wird schon im Anfangstitel deutlich. Da ist u. a. ein ausgefeiltes Saxofonsolo zu hören. Abgelöst wird dieses durch den Klang einer Bassklarinette. Das wundert, denn im Line-up sucht man dieses Instrument vergeblich. Spielt da der Altsaxofonist gar einen Klarinettenansatz und begibt sich in Klangtiefen? Auch der Bandleader ist solistisch unterwegs. Doch im Fokus steht das Ensemble, stehen vor allem die drei Bläser.

Moderner Kirchenpsalm oder doch nicht – das fragt sich der Zuhörer, wenn “Bogatur” zu hören ist. Leicht rau klingt eines der Saxofone im Solo. Auf- und absteigende Linien definieren den Klangraum. Dezent ist dazu die Pianobegleitung.Während dessen wird das Saxofonspiel durchaus turbulenter. Klangwechsel ist Teil des Arrangements. Der Pianist hat seine weiteren Momente. Dabei scheint es, er würde ein terrassenartiges Wasserspiel in Klangsetzungen erfassen. Zwischenzeitlich sind die Harmonien des Stücks durchaus in Sonnengelb getaucht. Von Psalmanmutungen ist also keine Rede mehr.

Kristallines des Vibrafons trifft auf Basslinien und Diskantes in “Here and Now”. Arne Huber ist kurz mit Saitenschnarren zu hören, ehe Jorge Rossy das Vibrafon mit Schlägeln zum Schwingen bringt. Dahin gleitende Pianolinien treffen nachfolgend auf losgelöste Saxofonlinien, teilweise etwas röhrend, ansonsten aber sonor. Hervorzuheben ist, dass durch den Einsatz des Vibrafons, das im Jazz überbordende Saxofon in den Hintergrund rückt.

“Marry Me Song” und “Mavors Odd” sind die nächsten Tracks, die zu hören sind. Das Ensemble entführt den Hörer schließlich in flachländische “400m ü. M.”, wenigstens klanglich. Ruhige, lyrisch geprägte Musik vernehmen wir. Das grüne friesische Kuchenblech, sprich Ostfriesland, hat hier unter Umständen eine Hymne gewidmet bekommen. Hinhörer sind die Klaviersequenzen von Rainer Böhm. Aber der Klangwucht des Saxofons kann sich auch dieses Stück nicht wirklich entziehen, Schade oder? Mit “Everest” stehen ganz andere Höhen im Fokus im Track zuvor. Doch im Duktus gibt es wenig Variationen zum vorherigen Stück. Hören wir da nicht ein quicklebendiges Altsaxofon, das teilweise jubeliert, so als wäre der Frühling zu besingen? Ähnlich im Dukus gehalten ist nachfolgend eines der Tenorsaxofone. Dramatisch gestaltet ist die zu hörende Klaviersequenz. Was soll uns erzählt werden? Ein Bergdrama am höchsten Berg der Welt? Weiter geht es unabhängig dieser Frage mit einem Bass-Solo, zu fein schwingendem Schlagwerk. Zart sind die nachfolgenden Sequenzen der Saxofonisten. Und da ist wieder die Anmutung einer Bassklarinette, die im Line-up nicht aufgenommen wurde. Die Frage bleibt offen, wer von den Saxofonisten einen Klarinettenansatz hier ins Spiel einbringt. Voilá! Und den Schlussakkord setzt das Ensemble mit dem Titel “Onda”.

© ferdinand dupuis-panther 2026


BANDCAMP

Musicians
Arne Huber (b)
Wanja Slavin (as)
Domenic Landolf (ts)
Ben Kraef (ts)
Rainer Böhm (p)
Jochen Rückert (dr)
Jorge Rossy (vibes)

TRACKLIST
01 Still (04:19)
02 Bogatur (04:50)
03 Here and Now (03:31)
04 Marry Me Song (05:47)
05 Mavors Odd (03:29)
06 400m ü. M. (03:36)
07 Screens (03:57)
08 Everest (04:41)
09 Ondo (05:34)


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