Armaroli/Schiaffini Sextet – Monkian Florilegio

Armaroli/Schiaffini Sextet – Monkian Florilegio

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Dodicilune

Ganz aktuell liegt „Monkian Florilegio“ vor, die neue CD des Sextetts unter der Leitung des Vibraphonisten Sergio Armaroli und des Posaunisten Giancarlo Schiaffini, mit Emanuele Parrini an der Violine, der Sängerin Giulia  Cianca, Giovanni Maier am Kontrabass, Urban Kusar am Schlagzeug sowie einem besonderen Gastauftritt der Pianistin Francesca Gemmo, die im letzten Titel des Albums ein Solo am Klavier vorträgt.

Das Album ist Teil eines umfassenden künstlerischen und musikalischen Projekts, das 2021 ins Leben gerufen wurde und sich ganz um die legendäre Figur des amerikanischen Pianisten und Komponisten Thelonious Monk kümmert, der als einer der wichtigsten Innovatoren des Modern Jazz und Bebop gilt, der berühmt ist für seinen unverwechselbaren, kantigen, rhythmischen und dissonanten Klavierstil. Als Komponist kennt man ihn wegen einiger der sehr bekannten „Jazz-Standards“ (wie „Round About Midnight“ und „Blue Monk“, neben vielen anderen). Diese haben die gesamte Geschichte des Jazz tiefgreifend geprägt. Nach „Deconstructing Monk in Africa“, einem Duo-Album aus dem Jahr 2021, und „Monkish“ aus dem Jahr 2022, einem Quartett-Album mit Giovanni Maier am Kontrabass und Urban Kušar am Schlagzeug und Percussion, stellt „Monkian Florilegio“ ein weiteres Album dar, mit dem Monks Spuren gefolgt wird.

Ein Klassiker von Monk steht am Anfang: „Round About Midnight“. Zu Beginn stimmt der Vibrafonist das Thema an, aber dann ist es die Sängerin, die das Thema gesanglich fragmentiert und dazu hören wir die Kommentare des Posaunisten. Dieser verfolgt im weiteren eigene Klangwege, dabei auch den Gesang, den teilweisen Sprechgesang, begleitend. Und immer wieder hören wir die Worte „Round About Midnight“, dann auch vom Bass und Vibrafon unterfüttert. Im Verlauf des Stücks zeigt sich die Sängerin ganz im Blues verstrickt. Intensive Bassinterventionen vermischen sich mit dem kristallinen Klang des Vibrafons und der „leicht jammernden und weinenden“ Violine. Posaunenstakkato vermischt sich mit dem langen Saitenstrich auf der Geige. Mit Gesang geht es auch bei „Monk’s Mood“ weiter. Die Geige verharrt in der Begleitung der Sängerin, die im weiteren die Textzeilen des Stücks durchaus paraphrasiert und zu Scat Vocal verwandelt. Dazu hört man aufbrausend die Posaune. Doch dann dringt auch Lyrik an unser Ohr, spielt die Stimme mit dem Klang der zu hörenden Geige. Im Hintergrund agiert der Drummer mit wenigen Schlägen seiner Trommelstöcke. Voll ist der teils brummende, teils schwirrende Klang der Posaune, die in einer Zwiesprache mit dem Vibrafon das Stück interpretiert und weiterentwickelt. Weiter geht es mit dem Lautgesang einerseits und dem dunklen Saitenflirren des Basses andererseits.

„Functional“ scheint uns im vorgetragenen Arrangement in die Welt von „Modern Times“ zu entführen. Glockenschläge treffen auf dezentes Schlagwerk und eine Geige, die gut zu Stephane Grappelli und Hot Club de France passt. Basslinien werden entfaltet; die Posaune wie auch die Sängerin sind in einem Laladladla unterwegs. In der Art des Gesangs spiegelt sich Blues wieder. Das Spiel des Vibrafonisten klingt so, als würde er eine industrielle Taktstraße in Klangmuster umsetzen. „Hähähä“ hören wir von der Sängerin und der Posaunist nimmt diese Lautäußerung in seiner Klangfarbe auf. Bassschritte sind nachhaltig zu hören. Das „Hähähä“ findet seine Fortsetzung, in die auch Vibrafon und Posaune involviert sind. Ach, da ist auch ein Zupfen auf den Geigensaiten zu hören. Gegen Ende wartet schliesslich der Drummer mit einem Solo auf.

Einleitend sind bei „Ruby My Dear“ als Akteure der Bassist, der Geiger und der Schlagwerker involviert. Nachfolgend erhebt sich die Stimme der Sängerin, fällt der Posaunist in den Wortschwall ein. Arrangiert ist das Stück wie andere zuvor nicht mit Werktreue, sondern mit freiem Geist. Da mögen dann aber einzelne Instrumentalpassagen eher werktreu ausgerichtet sein, so wie das Wechselspiel von Vibrafon und Posaune. Da erlebt man dann auch das klassische Pling-Plong von Monk – siehe das Spiel des Vibrafonisten. Irritierend ist hingegen das Geigensolo, das man wie gesagt eher in einem anderen Kontext, im Swing-Kontext, verortet – siehe oben. Das gilt auch über weite Strecken für den Gesang, der eher einem Broadway Musical zuzuordnen ist. Nach „Darn That Dream“ und „Ugly Beauty“ hören wir „Monkian Florilegio #2 (from Chordially)“. Den Abschluss der „Monk-Exkursion“ bildet „Children Song“. Mitsummbaren Tastenfolgen der solistisch agierenden Pianistin lauschen wir gebannt. Sie phrasiert und paraphrasiert das Thema nach und nach, versieht es mit einer Basshand. Nach wie vor perlen die Klänge dahin, auch sobald sie wieder in den einfachen Spielmodus des Beginns zurückkehrt.

© Ferdinand Dupuis-Panther, 2026

 

Dodicilune

Musicians:
Sergio Armaroli, vibraphone
Giancarlo Schiaffini, trombone
Emanuele Parrini, violin
Giulia Cianca, vocals
Giovanni Maier, double bass
Urban Kusar, drums

special guest
Francesca Gemmo, piano (8)

TRACKLIST
1) Round About Midnight
2) Monk's Mood
3) Functional
4) Ruby My Dear
5) Darn That Dream
6) Ugly Beauty
7) Monkian Florilegio #2 (from Chordially)
8) Children Song

 


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