Antonio Bertoni / Massimo De Mattia / Stefano Leonardi -TATZLWURM
A
AUTRecords
„Recorded live in a single take, the album captures pure acoustic improvisation - free of overdubs and studio manipulation. Conceived as an “acrostic album”, the initials of the nine tracks, read in sequence, spell out the title, evoking the mythic Alpine creature that names the record. Antonio Bertoni is the trio’s architect and gravitational center: through cello and African traditional string instruments (guembri, bolon), he shapes the rhythmic and structural frame and oversaw the sound engineering. Massimo De Mattia brings thrust and rupture; his flutes sustain a constant tension, driven by sudden, urgent gestures that push the group toward sharply expressive terrain. Stefano Leonardi acts as a narrative guide and a bridge between languages, drawing on a broad palette of flutes and winds (including Turkish kaval and Chinese xun) to steer the collective trajectory, merging ancient timbres with contemporary techniques.“ So lesen wir es in dem Pressetext zum Album.
Ohne Frage sind die diversen Flöten Klang bestimmend. Dazu gesellen sich als musikalischer Antipode Guembri und Cello. Dass sich die drei Musiker mit einer mythischen Drachenfigur befassen, ist aus der Musik nicht unbedingt ersichtlich. Vielmehr meint man, man lausche unterschiedlichen Vogelstimmen der alpinen Bergwelten und Wälder. Hier und da verspürt man unterschiedliche Luftströme, die durch Flötenklänge, zustande kommen. Man könnte auch an Wolkenzüge denken, an Cirrus- und an Schäfchenwolken, die musikalisch eingefangen werden. Dramatik durchzieht das gesamte Album. Da gibt es keine Ruhezonen. Ständig scheint sich eine Geschichte in unterschiedliche Richtungen zu entfalten, mit und ohne Percussion, aber immer mit nervösem Flötengebläse. Das beginnt schon mit dem Eröffnungsstück „The Dark Mountain“. Gestisch ist unter Umständen eine gute Charakterisierung für die Musik.
Zwischendrin hat man auch den Höreindruck, es sei in einem der Stücke auf dem Album ein Marimbafon oder ein ähnliches aus Klanghölzern bestehendes Instrument zu hören. Man folgt obendrein den Spuren eines Wanderers, der auf Zick-Zack-Pfaden unterwegs ist. Stolpert er oder rennt er? - das ist die Frage. Man muss schon sehr geschulte Ohren haben, um bei dem Stück „Zigzag Wanderer“ gewöhnliche Flötenklänge von denen einer randgeblasenen türkischen Hirtenflöte zu unterscheiden. Teilweise sind beide dialogisch gesetzt. Irgendwie klingt dieser Dialog wie der Wettstreit von Singvögeln, die sich gegenseitig zu übertrumpfen suchen. Und warum? Na, wahrscheinlich im Kampf um ein paarungswilliges Weibchen, oder? Fast nahtlos schließt sich an den „unsteten Wanderer“ das Stück „Listening to Mysterious Footsteps“ an. Ist da eine Guembri mit im Spiel, die so klingt, als wolle sie die Fußtritte nachzeichnen? Zudem vernehmen wir hohe, lang gezogene Flötentöne, die kein Ende zu finden scheinen. Die Tonlage erinnert an einen pfeifenden Teekessel auf dem Herd.
„Walking Along the Scream“ entwickelt sich wie eine musikalische Windhose. Flötentöne überlagern sich, treten klanglich in Kontrast, scheint Kontroverse eher denn Dialog im Vordergrund zu stehen. Und zum Schluss wird dem „Monster“, dem Tatzelwurm, ein Kinderlied gewidmet. Im Gedächtnis haften bleiben die Klanggesten und Linien der diversen Flöten. Dabei sind sie alle Teil einer Improvisation, die über Grenzen weist.
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Musicians
Antonio Bertoni: guembri (1, 2), cello (3, 7, 9), percussion (4, 6, 8), bolo (westafrikanische Stegharfe)
Massimo De Mattia: flute (1, 3, 4, 5, 6, 8, 9), alto flute (2, 4, 7)
Stefano Leonardi: flute (1, 3, 4, 6, 9), bass xun (Gefäßflöte aus Ton, 2), turkish dilli kaval (randgeblasene Hirtenflöte, 4, 5, 6), sulittu (eine Art sardischer Zither) (5, 8), moldavian 7 holes kaval (7), alabaster flute (8)
Tracks
1. The Dark Mountain (5:34)
2. Axis Mundi (3:40)
3. Through the Great Subterranean Womb (5:44)
4. Zigzag Wanderer (8:50)
5. Listening to Mysterious Footsteps (4:02)
6. Walking Along the Scream (9:02)
7. Under the Stone of Unknown Spirits (4:03)
8. Return to Primordial Stillness (7:01)
9. Monster’s Lullaby (6:32)















