Andrew Woodhead – Pendulums

Andrew Woodhead – Pendulums

A

Leker

In der Pressemitteilung zum Erscheinen der Einspielung lesen wir: „Developing a fascination with the daily church bells he passed in his days at Birmingham Conservatoire, Andrew transcribed them and studied the ‘blue lines’ of campanology. Ears now alert to the incidental bells of urban life,  Andrew gathered field recordings of church and bicycle bells, ambulances, ice-cream vans, traffic lights, all those sounds of warning, comfort and assembly around us.“ Zum Charakter des Albums fügt Andrew Woodhead Folgendes an: „Pendulums is inspired by the sounds, patterns and processes of bellringing. Some of it involves musicians pretending to be bells, other parts involve bellringers pretending to be metronomes.“

Aufgemacht wird das Album mit einem vielstimmigen Glockenspiel, das nicht einem Carilloneur, sondern Glöcknern zu verdanken ist, die per Seilzug die Klöppel verschiedener Glocken in Schwingung bringen. Mit dem Glockensingsang vermischen sich die Saxofone und die Trompeten, teilweise nur als Atemrohre zu hören, durch die ausgeatmete Luft dringt, teilweise aber auch sich echauffiert zeigend. In einigen Sequenzen vermeint man die Bläser wie durch dichten Nebel wahrzunehmen. Zugleich drängen sich die Bariton-Saxofonisten mit säuselnden Klangschlieren auf. Röhrendes und Schnalzendes nimmt sich den Raum. Aufgeregt klingt das, was wir streckenweise in „Ring Up/Plain Hunt I“ hören. Widerstreit und Gegenrede unter den Bläsern steht im Fokus. Wie das Schwirren von umherfliegenden Insekten hören sich einige der Passagenfolgen an, ehe die Baritonsaxofone zum Finale anheben.

Klarer Trompetenklang in Zwiesprache mit dem Altsaxofon vernimmt man zu Beginn von „Sideways“. Das klingt im weiteren Verlauf durchaus nach Kanon und Fanfarengebläse einer Blaskapelle. Auch die Basslast von Baritonsaxofonen schwingt im Weiteren mit. „Changes“ kommt mit hohen Flötenregistern einer Kirchenorgel daher, oder? Windrauschen ist auszumachen. Ist da nicht auch die Inszenierung eines verfremdeten elektronischen Glockenspiels zu erleben? Oder lauschen wir nicht Feldaufnahmen aus der Welt der Walzwerke und Maschinen-Fräsen und -hammer? Und schließlich sind auch wieder die Glöckner am Werk, die rhythmisch die Seile ziehen, die die Glocken bewegen. Eine Bassglocke scheint, folgt man dem Höreindruck nicht darunter zu sein. Hochfrequentes Gebläse ist eingestreut. Eine hohe, beinahe zerbrechliche Saxofon-Stimme drängt sich auf und erscheint bisweilen wie der Gesang eines Singschwans. Schließlich sind auch Trompeten zu hören, derweil das Geläut nicht zu enden scheint. So entsteht eine schlierige und schraffierte Klangcollage der besonderen Art, in die auch die Saxofone im steten Auf und Ab der Klanglinien eingebunden sind. Im Bassfluss verharren die Baritonsaxofone als „Kontrapunkte“.

„Plain Hunt IV“ wirkt zu Beginn ein wenig wie ein Choral und sehr konzertant, getragen durch die diversen Saxofone des Ensembles. Allerdings mischt sich in das Melodiöse auch ein schriller Klang  und ein „Bläsergeschmatze“ neben dem Frohlocken der Trompeten. Aus dem Melodiösen schält sich das Improvisierte, das Destruktive heraus. Gutturales ist zu vernehmen und immer wieder die Wiederkehr eines melodiösen Themas. Man hat dabei den Eindruck, als wäre man in einer gotischen Kathedrale. Aus verschiedenen Teilen des Kirchenschiffes, wie Vierung, Chor und Seitenschiff, so mag man annehmen, höre man dann die diversen Bläser, deren Klang sich im Gewölbe des gotischen Baus verliert, durchaus auch mit schrillem und schrägem „Atemklang“.

In „Partials II“ vernehmen wir den Widerstreit zwischen den verschiedenen Bläsern, hier eine Linie des Saxofons, dort die Klang-Schmummerung der Trompete. Beide sind in Versetzungen zueinander zu hören. So entsteht das Bild von Ja- und Neinsager, von Zwietracht und Gegenrede. Ein Anflug von Aufruhr ist auszumachen; inige der Bläser verharren zudem in Wiederholungen  und sorgen strukturell für ein Ja und Nein. Ähnlich wie das miteinander verwebte Spiel der schwingenden Glocken ist im weiteren Verlauf auch das der Bläser, die in verschiedenen Tonlagen zu vernehmen sind. 

„Diagrams“ lebt von den sonoren Baritonsaxofonen, die bisweilen an Tubas und deren Röhren erinnern. Überaus nervöses Spiel der übrigen Bläser liegt über dem Baritongebläse. Teilweise vernehmen wir Langschweifiges, bisweilen aber auch Kurzangebundenes und Fragmentiertes. Dabei bewegen sich die Bläser in einer „Parallelflucht“. Lang gezogene Linien treffen auf melodische Spiralen. Kommentierend sind dazu die Baritonsaxofone zu vernehmen. Und dann erleben wir mit „Plain Hunt III/Ring Down“ das Finale und ein verfremdetes Halali mit versetzten Bläsereinsätzen. Schließlich sind dann auch wieder die Glöckner mit ihrem Glockenwerk eingeblendet.

© ferdinand dupuis-panther


Info

Line-up
Andrew Woodhead - Composition and Live Electronics of field recordings
Trumpets: Sam Wooster, Charlotte Keeffe
Alto Saxophones: Sam Andreae, Lee Griffiths
Baritone Saxophones: Helen Papaioannou, Alicia Gardener-Trejo
8 from The Bellringers of St Paul's Church Birmingham:
Tony Daw, Jonathan Thorne, Matthew King, Alex Frye, Graham Kelly, Ros Martin, Angie Wakefield, Richard Grimmett

track list
1. Ring Up/Plain Hunt I
2. Sideways - recorded October 2020
3. Changes
4. Plain Hunt IV - recorded October 2020
5. Plain Hunt II
6. Partials II - recorded October 2020
7. Formation 8. Tolls/Waves
9. Diagrams
10. Partials I - recorded October 2020
11. Plain Hunt III/Ring Down

https://andrewwoodhead.bandcamp.com/


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