Adam Miller – Unify

Adam Miller – Unify

A

self production

Der aus Newcastle (Australien) stammende Gitarrist hat zeitweilig in Los Angeles gelebt und hat dort noch vor Ausbruch der Pandemie sein jüngstes Album mit dem Bassisten Joel Gottschalk und dem Drummer Justin Glasco eingespielt. Alle Tracks des Albums entstammen der Feder des Gitarristen. Dabei scheinen sich, so liest man im „BassMagazine“, die Jazzszene von Los Angeles mit der Pub-Rockszene von Newcastle zu vermischen. Der Titel des Albums ist in Zeiten erzwungener sozialer Distanz und Isolierung gleichsam ein Credo. „Vereinigen“. Miller sagt dazu: “Because the album was written in the uncertainty of moving and big life changes, all my working titles ended up with negative connotations. And there really is a great joy and optimism to this album; so instead of naming it about things falling apart, I named it for everything coming together – Unify – which is really how I feel about my music right now.” (zit. nach BassMagazin). Zumeist hören wir Miller auf dem Album E-Gitarre spielen, doch bei „Shipping“ und bei „Citrus“ ist eine akustische Gitarre zu hören.

Bevor wir uns dem Album zuwenden, noch einige kurze Zitate aus der Fachpresse zu Adam Miller: „Not only does he own the groove, he takes polyphonic playing - with independent bass lines, melody, harmony, and even improvised solos - to incredible heights.“- Guitar Player Magazine; „Approaching his guitar as if each of its six strings were a separate instrument, fingerstyle guitarist Adam Miller is a groove machine, creating a sound that invites comparisons to Tuck Andress and Charile Hunter.“ - Acoustc Guitar Magazine. Beide Zitate beleuchten auf ihre Weise die Art und Weise, wie sich Miller als Saitenspieler exponiert. Und noch etwas soll an dieser Stelle angespochen werden: das Cover. Es zeigt die Aufsicht eines Kinderdreirads. Wofür steht es symbolisch? Für das Dreigestirn des Trios von Miller? Für Stabilität? Für Bodenhaftung?

Schon bei den ersten Takten von „The Good List“ ist man eingenommen, scheinen J. J. Cale und Eric Clapton ein wenig näher als Joe Pass oder Jim Hall. Das ist ja angesichts oben angesprochener Charakterisierung der Musik von Adam Miller kein Wunder. Nein, Miller präsentiert uns nun nicht etwaAnlehnungen an Men at Work, Midnight Oil oder Musik anderer Rockbands aus Down Under, sondern folgt seinem eigenen Weg, dabei durchaus auch in den Gefilden des Blues unterwegs. Was die Musik aus Sicht des Rezensenten jedoch vermittelt, ist eine gewisse Grenzenlosigkeit bis zum Horizont, einen offenen Blick. Die Klangfärbungen sind durchweg in samtenen Nuancen und hellen Tönungen gehalten. High Noon oder was?– das denkt man angesichts des durchaus getragenen Tempos bei dem Track „Adam Levy“. Wie im ersten Stück sind es die feinen Verwischungen wie in einer Gouache, die faszinieren. Miller lässt seine Gitarre nicht röhren, röcheln oder sonstwie kehlig klingen, sondern er versteht es, eine Melange von sensibel abgestimmten Klängen zu präsentieren. Da mag der eine oder andere Dire Straits hier und da heraushören, ein anderer vielleicht Peter Green. Auffallend ist schon, dass Miller in einem gewissen Erzählduktus daherkommt, ohne ins Folkloristische, gar  in Country Music oder ins Baladenhafte abzugleiten. Eher scheint er einem durchaus rauen Blues zugetan, ab und an, scheinen Alexis Korner und John Mayall ihm gleichsam zur Seite stehen. Alles ist bei Millers Saitenspiel im Fluss. Seine Mitspieler sind dabei notwendige Ergänzung beim Füllen des Klangraums, aber eben nicht im Fokus stehend. Wäre man auf der Suche nach einer Musik für eine Dokumentation über Australien, vor allem über das Outback, das weitgehend menschenleer ist, dann würde sich „Leaving“ durchaus dafür eignen. Diese Musik hat eine gewisse Schwerelosigkeit. Man meint, man flöge leicht wie ein Vogel über die Landschaft, lasse die Thermik die Richtung der Reise bestimmen, auch über das rote Zentrum des fünften Kontinents, der von der „Tyrannei der Entfernung“ geprägt wird. Doch Millers Musik hat nichts von Country, sondern ist durch und durch urban. Gelegentlich erwartet man allerdings einen Rezitator, der uns „The Man of The Snowy River“ oder andere abenteuerliche Buschgeschichten vorträgt, oder? Doch Miller bleibt sich treu und ist auf dem Album nur als Instrumentalist unterwegs.

Bei „Shipping“ verfeinert sich die Klangfärbung, vernimmt man stetig wiederkehrende Umspielungen und eine gewisse Basslastigkeit. Aufgrund der Harmonien und des Tempos meint man, hier werde ein Abend am Hafen musikalisch aufbereitet, oder? Hört man nicht den Glockenschlag einer Turmuhr? Ist da nicht das Lachen und Geschwätz von Abendspaziergängern zu hören, die in einem Hafenviertel von Pub zu Pub unterwegs sind? Irgendwie muss man obendrein ab und an auch an „Albatross“ von Peter Green denken, vorrangig wegen des weichen und dahinschmelzenden Klangs der Gitarre. Und noch ein Bild blitzt beim Zuhören auf: Segler, die einer Flaute trotzen und vergeblich kreuzen, um den Restwind in ihren Segeln einzufangen.

Sonorer Bass und ein leichtes Drumming vereinen sich mit einem Gitarrenklang, der ein wenig an Steel Drumming erinnert. Das ist das, was wir partiell bei „Jungle Jungle“ erleben. Doch auch den Vielklang der Stimmen des Urwalds versucht, Miller umzusetzen. Noch ein Wort zu „Citrus“, dem vorletzten Track des Albums, ehe mit „Overuse“ der Schlussakkord gesetzt wird. Durch und durch im Blues vertieft ist „Citrus“, auch wenn keine rauchig-raue Blues-Stimme von der Liebsten singt oder über den schweren Arbeitstag beim Baumwollpflücken erzählt. Wie auch in anderen Stücken gleicht Millers Gitarrenspiel stetig rinnendem Wasser, das sich über terrassierte Stufen ergießt. Dabei hat die Musik, die Miller komponiert hat, etwas Beruhigendes, vermittelt eine gewisse Beschaulichkeit im besten Sinne, ist ein Kontrapunkt zur urbanen Hektik, in der wir gefangen sind. Einhalt „verordnet“ uns Miller mit seiner Musik, die einem Seidengespinst gleicht, transparent und leicht zugleich. Doch halt, bei „Overuse“ scheint dann „Shake your body“ angesagt, wenn Funk und Soul angesagt sind und wir aus dem eher Kontemplativen der sonstigen Tracks herausgeholt werden.

© ferdinand dupuis-panther

Infos

www.adammiller.com.au


In case you LIKE us, please click here:


Check out Jazz'halo radio: click on this logo please



our partners:

Clemens Communications


Silvère Mansis
(10.9.1944 - 22.4.2018)
foto © Dirck Brysse


Rik Bevernage
(19.4.1954 - 6.3.2018)
foto © Stefe Jiroflée


Philippe Schoonbrood
(24.5.1957-30.5.2020)
foto © Dominique Houcmant

 

Special thanks to our photographers:

Petra Beckers
Ron Beenen
Annie Boedt
Klaas Boelen
Henning Bolte

Serge Braem
Cedric Craps
Christian Deblanc
Paul De Cloedt
Cindy De Kuyper

Koen Deleu
Ferdinand Dupuis-Panther
Anne Fishburn
Federico Garcia
Robert Hansenne
Dominique Houcmant
Stefe Jiroflée
Herman Klaassen
Philippe Klein

Jos L. Knaepen
Tom Leentjes
Hugo Lefèvre

Jacky Lepage
Olivier Lestoquoit
Eric Malfait
Nina Contini Melis
Jean-Jacques Pussiau
Arnold Reyngoudt
Jean Schoubs
Willy Schuyten

Frank Tafuri
Jean-Pierre Tillaert
Tom Vanbesien
Jef Vandebroek
Geert Vandepoele
Guy Van de Poel
Cees van de Ven
Donata van de Ven
Harry van Kesteren
Geert Vanoverschelde
Roger Vantilt
Patrick Van Vlerken
Marie-Anne Ver Eecke
Karine Vergauwen
Frank Verlinden

Jan Vernieuwe
Anders Vranken


and to our writers:

Mischa Andriessen
Robin Arends
Marleen Arnouts
Werner Barth
José Bedeur
Henning Bolte
Danny De Bock
Ferdinand Dupuis-Panther
Federico Garcia
Paul Godderis
Stephen Godsall
Jean-Pierre Goffin
Bernard Lefèvre
Mathilde Löffler
Claude Loxhay
Etienne Payen
Yves « JB » Tassin
Herman te Loo
Georges Tonla Briquet
Henri Vandenberghe
Iwein Van Malderen
Jan Van Stichel
Olivier Verhelst