Rémi Bolduc - The Bolduc Groove Quintet
R
self production
Im O-Ton hören wir den Saxofonisten und Komponisten Rémi Bolduc nachstehend: „The idea began to take shape after a memorable collaboration with saxophonist Chantel De Villiers, also known as Funky Princess. That adventure led to an Opus Award for Best Jazz Concert of the Year in Quebec. The energy, freedom, and spirit of that experience made me want to continue in that same direction, toward music that is joyful, open, and sincere. I then started composing with the musicians themselves in mind, thinking directly about who would bring these pieces to life. Some of the music also includes Chantel’s voice, whose presence inspired me throughout the project. The first piece to emerge was The Lickin’. If you spend any time in the jazz world on YouTube, you will probably recognize the reference to the famous The Lick. That musical idea inspired a composition that is both playful and serious, rooted in tradition while still leaving room for surprise.“ Soweit der O-Ton und nun kommt der Hörgenuss.
Fürwahr die Band präsentiert ein Kaleidoskop an Musik, mal ein wenig Funk, mal Karibik trifft Afrika, sonorer Saxofonwohlklang, Saitenklänge vom Feinsten, beginnend mit „The Kickin“ und endend bei „Sunset Square“. Nun nachfolgend die Details: Die Visitenkarten gibt das Ensemble mit „The Lickin’“ ab. Zu hören sind einpeitschende Rhythmik, bewegtes Saitenspiel des Bassisten, eine Wau-wau jaulende Gitarre und sonores Gebläse nebst Vokalem jenseits von Lyrischem. Die Melodielinien bewegen sich irgendwie in Richtung exotischer Karnevalsmusik, ob man dazu in die Karibik reist oder in Nottinghill verweilt. Eine Prise Funk und Calypso scheint dem Stück als Würze auch beigegeben worden zu sein. Vorherrschend ist jedoch das Bild eines musikalisch begleiteten Umzugs an Mardi Gras. Zu den Klangfärbungen tragen vor allem die Saxofone bei. Chantel DeVilliers ist übrigens nicht nur am Saxofon, sondern auch stimmlich zu erleben. Gegen Ende ist die Funk-Note des Stücks überaus gegenwärtig, dank auch an Nick Semenykhin an der Gitarre.
Weiter geht es auf dem „Paper Trail“. Was das Stück, das im Duktus und im Arrangement nahtlos an den Eröffnungssong anschließt, allerdings mit Beweiskette, so die deutsche Übersetzung des englischen Titels zu tun hat, erschließt sich nicht. Alles liegt ja offen, die Linien, die dem Gebläse zu verdanken sind, die zarten Beitöne des Gitarristen und das rauschende Schlagwerkspiel von Rich Irwin. Es ist also nichts im Sinne einer Beweiskette aufzuklären und zu entschlüsseln. Ein wahrer Hinhörer sind die solistischen Einschübe, die dem Bassisten einen Raum der Entfaltung ermöglichen. Doch wie im ersten Stück sind es die Holzbläser, die Regie führen. Ein Ohrenschmaus ist obendrein das Solo des Gitarristen, der ganz im Stil der Granden des Gitarren-Jazz unterwegs ist. Leider ist das Solo recht kurz und dann sind es wieder die Bläser, die unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ach ja, tanzbar erscheint der Song. Das ist heute im Jazz ja recht selten, es sei denn es ist Swing-Musik.
In „Réflexion Harmonique“ vereinigen sich die beiden Holzbläser zu einer Helix. Beschwingt geht es in diesem Song zu. Das ist ebenso dem „Gesang“ der Saxofonistin zu verdanken, ob in Alt- oder Tenorlage. Es wäre jedoch verfehlt, davon zu sprechen, dass wir puren Saxofon-Jazz zu hören bekommen. Nein, aus dem Ensemble lösen sich einzelne Musiker, so auch der Gitarrist, der jedoch von den Saxofonisten eingefangen wird, wenn es zum Thema zurück geht. Der Tenorsaxofonistin und Vokalistin der Band ist wohl „Ballade pour Chantel“ gewidmet. Diese Ballade wird vom Gitarristen eröffnet, der flachwellige Linien zum Besten gibt. Darüber schwebt der Klang eines Saxofons, dann des zweiten Saxofons. Beinahe konzertant agieren die Holzbläser, schöpfen aus der Bandbreite ihrer Instrumente und konzentrieren sich auf ein „fein ziseliertes“ Gebläse.
Nach „Jazz Buzz“ und „Rhythm Delight“ tauchen wir in eine tropische Nacht („Nuit Tropicale“) ein. In der musikalischen Gestaltung fügt sich dieses Stück nahtlos in die bisher konzipierten Klangwelten ein. Ist da auch ein wenig Samba zu hören? Man hat den Eindruck. Und dann vernehmen wir zudem einen leichten Ska- bzw Calypso-Rhythmus, derweil der Wohlklang eines sonor gespielten Saxofons an unser Ohr dringt. Auch der Gitarrist ist mit einem ausgefeilten Solo bei der tropischen Nacht mit im Spiel. Nicht der Sunset Boulevard, sondern der „Sunset Square“ steht am Ende der musikalischen Exkursion dieser kanadischen Jazzformation, die zu überzeugen versteht.
© f. dupuis-panther 2026
Musicians
Rémi Bolduc – alto sax, compositions
Chantel DeVilliers – tenor sax, Vocal
Nick Semenykhin – guitar
Ira Coleman – bass
Rich Irwin – drums
Tracks
The Lickin’
Paper Trail
Réflexion Harmonique
Ballade pour Chantel
Jazz Buzz
Rhythm Delight
Nuit Tropicale
Sunset Square
















