Roberto Del Piano et al – Double 3

Roberto Del Piano et al – Double 3

R

Caligula Records

Im Kern besteht die Formation aus zwei Musikern, die sich bei bestimmten Stücken Musiker für eine Tertiärformation hinzugeholt haben. Roberto Del Piano ist am elektrischen Bass zu hören und dazu gesellt sich der Drummer Alberto Olivieri. Für vier Aufnahmen des Albums war die Altsaxofonistin Christina Mazza  dabei, nämlich für die  2/4/6/8. Auf fünf Tracks  (1/3/5/7/9) ist der Flötist, Baritonsaxofonist und Pianist Bruno Marini zu hören. Ausgangspunkt des vorliegenden Albums ist der Titel „Endemic“. Den Abschluss bildet „Sunset Enigma“. Bis auf eine Adaptation von Colemans „Beauty is a rare thing“ stammen alle übrigen Kompositionen auf dem Album aus der Feder der beteiligten Musiker.

Mit Blechrausch eröffnet „Endemic“. Hier und da vernimmt man den Schlag auf die Basstrommel, ehe dann der elektrische Bass seine dunkle Stimme erhebt. Nachfolgend vernimmt man das Röhren des Baritonsaxofons. Es klingt wie ein Bass mit belegter Stimme, oder? In sich ausbreitenden Klang-Schlingen erleben wir den Tieftöner unter den Saxofonen, ein seltenes Hörerlebnis seit den Tagen von Mulligan. Teilweise zeichnet der Saxofonist auch stufige Klangschraffuren. Man könnte das Klangbild auch mit dem Bild neusachlicher Landschaften mit Serpentinen vergleichen, die sich irgendwo verlieren. Für Bodenhaftung und Erdung sorgt nachfolgend der Bassist, der aber nur kurzzeitig solistisch agiert. Dann gehört der Klangraum erneut dem Baritonsaxofonisten.

„Cane di sabbia“ lautet die nachfolgende Komposition: Hierbei breitet der Bassist sein „Klang-Umbra“ in der Einleitung aus. Demgegenüber klingen die Saxofonpassagen wie ein stürmischer Wind, der aufbraust und abflacht. Schnurren paart sich mit Röhren, begleitet von steten Bassschritten im Hintergrund. Hochtöniges vom Tieftöner erleben wir anfänglich bei „Yogi“. Nervös-aufgeregt klingt das Fingerspiel des Bassisten. Ebenso aufgeregt und „kurzatmig“ scheint der Baritonsaxofonist, der röhrend und rau seine Stimme erhebt, und zwar in einer Art Wechselgesang mit dem Bassisten. Auf der einen Seite scheint es Erregungen zu geben, aufgeregte Wortbeiträge, auf der anderen beruhigende Worte mit sonorer Stimme begleitet von Trommelwirbeln. Fast im Marschrhythmus kommt „Forgotten Names“ zu Beginn daher. Anschließend erhebt Cristina Mazza ihre Stimme. Der Gesang lässt an den bei einem Pow Wow denken oder an Marie Boine, wenn sie denn in Sami ihre Stimme erhebt. Sehr fein strukturiert zeigt sich der Bass. Durchdringend ist das Gebläse des Saxofonisten. Gelegentlich klingt es wie ein mittelalterliches Krummhorn, oder?

Unter dem Titel „Beauty Is a Rare Thing (comp Ornette Coleman)“ erschien zwischen 1959 und 1961 eine Compilation Box. Nun hören wir einen Track aus dieser Zusammenstellung in einem neuen Arrangement. Cristina Mazza erhebt dabei ihre durchdringende Altsaxofonstimme zu den weichen erdfarbenen Basslinien, die Roberto Del Piano zu verdanken sind. Dieser ist nachfolgend in einem Solo zu erleben, begleitet von zurückhaltendem Trommeln von Alberto Olivieri. Bisweilen kommt es dem Zuhörer so vor, als besinge Mazza eine hereinbrechende Nacht und beschreibe die nächtlichen Flaneure im Lichterglanz einer Metropole, die mit Neonreklame nicht geizt.

Eine neue Klangfarbe beschert uns in „Flute and Cats“ Bruno Marini, der das Saxofon für die Flöte eingetauscht hat. Selten genug gibt es unterdessen derartige Arrangements. Die Zeiten von Jeremy Steig, Ian Anderson und anderen scheinen vorbei zu sein. Die Querflöte hat im Gegenwartsjazz aufgrund ihrer zarten Stimme keinen Platz und wird eher mit klassischer Musik in Verbindung gebracht. Anders ist dies auf der gegenwärtigen Einspielung. Beinahe hypnotisch angezogen wird man von den Klangwölkchen, die Marini uns beschert. Unüberhörbar ist zudem Del Piano am Bass, Kontrapunkt im Klang zum Flötenwohlklang.

© ferdinand dupuis-panther


Track List

1) Endemic
2) Cane di sabbia
3) Yogi
4) Forgotten Names
5) Brazz!
6) Beauty Is a Rare Thing (Ornette Coleman)
7) Flute and Cats
8) Double Moon
9) Sunset Enigma

All tunes composed, unless otherwise noted, by Roberto Del Piano and Alberto Olivieri (all), Bruno Marini (1/3/5/7/9) and Cristina Mazza (2/4/6/8)

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Musicians

Roberto Del Piano (electric bass)
Alberto Olivieri (drums)

with Cristina Mazza (alto sax, voice) on tracks 2/4/6/8
Bruno Marini (baritone sax, flute, piano) on tracks 1/3/5/7/9


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