Rket: ReKorT

Rket: ReKorT

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Umland Records

Erschienen ist das vorliegende Album bei UMLAND Records, eine Gründung von Jan Klare, Florian Walter und Simon Camatta, die in der Jazzszene und der freien Improszene in NRW – vor allem in Essen und Umland – bestens vernetzt und bekannt sind. Auf der Homepage von Umland Records lesen wir: „Kein UMLAND ohne DORF und umgekehrt. Seit einer Dekade existiert mit THE DORF eine Band, die es nach den Maßstäben der aktuellen Kulturlandschaft eigentlich nie hätte schaffen dürfen: über die meiste Zeit ohne nennenswerte Finanzierung und Publicity-Maschinerie, zu der Repräsentationsfläche für die zeitgenössische Jazz-and-beyond-Szene des Ruhrgebiets zu wachsen. Es kann nicht nur immanent musikalische Gründe haben, dass über 30 Musiker_innen über die Jahre hinweg stetig, eng und trotz aller Widrigkeiten zusammenarbeiten. … Um den vielen Splittergruppen, die auf personeller, musikalischer und intentionaler Ebene an THE DORF andocken, eine angemessene Plattform zu bieten, schaffen wir mit UMLAND RECORDS eine “Plattenfirma“, die weiterführt, was mit THE DORF begonnen wurde: Die Etablierung eines Raumes, in dem Musik nicht die am leichtesten bekömmliche Antwort auf die Frage gibt, warum diese Welt so unglaublich kompliziert geworden ist – sondern den Versuch einer ernsthaften Sinnforschung trotz materialistischem Hintergrundrauschen darstellt.“

Jan Klare (alto/bass saxophone), Luc Ex (bass guitar) und Michael Vatcher (drums) – das sind Rket. Mit „descent“ und „space suit“ eröffnet das Trio sein aktuelles Album ReKorT. Auf ihm geht es außerdem um einen „derwish“ und um „ground control“. Auch ein „break“ ist eingeplant und eine „night in sibiria“, ehe das Album dann mit „schwarzkruit“ schließt.

Sehr tieftönig und zugleich überaus rhythmisch macht „descent“ und damit das Album auf. Da scheinen afrikanische Beats sich mit Krautrock zu verpaaren – ganz wunderbar. Und der Zuhörer kann dazu Pogo tanzen, oder? Redundant brummig erweist sich der Bass, in diesem Fall die Bassgitarre, die auch ihre solistischen Momente hat, derweil die Becken schwirren, schwingen und klirren. Auch Jan Klare am Saxofon zelebriert die Klangbreite seines Atemrohrs, das auch hier und da grunzt und brummelt.

Was kann man bei einem Song wie „derwisch“ erwarten? Orientalisch angehauchte Harmonien? Sich ins Zügellose steigerndes Spiel? Von türkischer Kunstmusik oder orientalisch geprägter Folklore ist das, was wir hören, meilenweit entfernt. Die Klangfarbe ist trotz der nachhaltigen Klänge der Bassgitarre doch von Jan Klares Altsaxofon geprägt. Beschwingt und farbenfroh ist das, was wir vernehmen. Den Tanz des Derwischs erleben wir allerdings nicht. Und wenn, dann nur in sehr kurzen Momenten. Entfesselt geht es in „ground control“ zu. Eher Chaos als Kontrolle scheint vorzuherrschen. Es klingt nach überaus hektischem Hin und Her. Alles scheint außer Kontrolle und aus den Fugen geraten zu sein. Jan Klare hört sich so an, als wolle er Handlungsanweisungen verteilen, die allerdings nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Zugleich meint man, er begebe sich in einen inneren Dialog, bei dem widerstreitende Interessen artikuliert werden. Kontrolle ist nicht vorhanden, Alles fließt! - bis zum letzten Ton.

Geben wir uns „break“ hin, dann bewegen wir uns anfänglich in sehr ruhigem musikalischen Fahrwasser. Lyrisch ist das, was das Trio vorträgt, jedoch nicht. Irgendwie scheint das urbane Umfeld in den nächtlichen Ruhemodus abzugleiten, auch wenn das Schlagwerk ein letztes Aufbäumen gegen den Stillstand der Stadt signalisiert.

Nein, das Trio gönnt uns keine „Nacht in Tunesien“ - das ist Dizzy Gillespie vorbehalten -, sondern eine „night in sibiria“. Der sich energetisch nach und nach aufladende Melodiefluss des Altsaxofons in Jan Klares Händen steht m. E. für lebendiges Treiben bei frühsommerlichem Klima. Eine Nacht in klirrender sibirischer Kälte ist völlig fern. Ungebändigt scheint das nächtliche Treiben. Bassgitarre und Schlagwerk geben einen städtischen Pulsschlag wieder, während die Melodielinie, die Jan Klare verfolgt, den Eindruck vermittelt, dass es ein Leben jenseits von strikter Taktung gibt. Aufbruch, Aufbruch signalisiert Jan Klare mit seinem energetischen Spiel, unterstützt auch vom wirbelnden Schlagwerkspiel Michael Vatchers. Noch ein Blues zum Besten gegeben und dann wird das „Schwarzpulver“ zum Einsatz gebracht. Wechselt Jan Klare dabei zwischen seinem Bass- und seinem Altsaxofon? Deutlich wird durch das Schlagwerk und die Bassgitarre die Spannung aufgebaut. Tonale Galoppaden sind auszumachen. House, Acid und Techno scheinen ab und an durch. Der Zuhörer fragt sich angesichts der dynamischen Struktur des Stücks, wann das Schwarzpulver seine explosive Wirkung verbreiten wird. Doch auf den finalen Knall wartet man vergeblich. Das ist allerdings kein Beinbruch!

Text: © ferdinand dupuis-panther

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Umland Records
https://umlandrecords.de/

Jan Klare
http://www.janklare.de


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